Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1877)
- Date
- 1877-04-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XY1II, Jahrgang. Erste Beilage za tlr. 16 des Israelit. Leitender Artikel. Vorschläge M verbesserong -er sage -er Israeliten im heiligen Lande. Die jüngste Nummer der zu London erscheinenden Zeitung „Jewish Chroniclc" veröffentlicht einen vor zwei Jahren in Bezug aus das in der Ueberschrift näher Bezeichnet, von Herrn Benjamin Hirsch in Halberstadt (Firma Aron Hirsch u. Sohn) geschriebenen Brief. Herr Hirsch sendet uns eine Abschrift des deutschen Originals, das wir in Nachstehendem wielergeben. „Halberstadt, 18. April 1875. Herrn Lewes Emanuel London. R cht leid that es mir, daß ich in Folge meiner Abreise von London, Ihrer an den sehr ehrenwerthen Chief Rabbi vom 6. d. M. gerichteten Aufforderung zu einer Unterredung mit mehreren Herren des Sir Moses Montefiore Testimonial, nicht folgen konnte. Ich erlaube mir nun, in diesem Briese meine eigenen Gedanken, sowie die Anschauungen, die ich in Folge Ueberlegung mit Freunden hier und auswärts gesammelt, soweit sie die Wohlthätigkeits- Richtung für px betreffen, zu entwickeln. Es würde mich unendlich freuen, wenn die dortige Agitation zu Gunsten des Montefiore Testimonial zu deren Verwirklichung Gelegenheit bietet. Ich kann es nur wiederholen, wie ich es auch schon dort mehrfach betont habe; meiner Ansicht nach muß das Haupt-Augenmerk sein, die herkömmliche npi^n auf das richtige Maß herabzudrücken und ganz rationell einheitlich den Zeitforderungen entsprechend Humanitäts - Anstalten als Waisenhaus, Spital re., besonders aber Erziehungs- Anstalten und Vorbereitungsschulen für den spätern Erwerb zu leiten. Nur hierdurch sind die Sympathien für tnan pN zu erhalten. Man muß zwar alte Leute, die nicht erwerbsfähig mehr sind, man muß auch dhdi^, die nach den Begriffen, welche außerhalb p>x gelten, diesen Titel verdienen uud es also wirklich sind, unterstützen, auch Jüngeren, die für das edle Streben, die rrnn gründlich zu studiren, erglühen,! Gelegenheit dazu geben, aber ein so verallgemeinertes Almosenwesen, für Jeden, der ohne andern! Zweck als in 7N--E" pN mit Familie zu leben, hinausgeht, muß aufhören. Die Jugend muß arbeiten lernen, die Männer müssen cuf Erwerb sinnen, aber mit allen Riegeln müssen wir das unwürdige Ziel in px als I Almosen - Empfänger das Leben zu fristen , verschließen. Die dort lebende Jugend muß, wenn sie veränderten Verhältnissen bezüglich der Almosen entgegenfieht, welche ihr nur eine Brücke znm späteren Erwerb schlagen können, nicht aber der Erwerb selbst sein wollen und dürfen, wählen, entweder die nöthigen Kenntnisse, um als ordentlicher Mensch sich selbst zu helfen, zu erwerben, oder einem traurigen Loose, ohne jede Unterstützug, entgegen zu gehen. Wenn man sodann gleichzeitig in Aussicht stellen kann, daß je nach dem Grade der Fähigkeit und des sittlichen Strebens Unterstützungen in Form von Darlehen, ähnlich organisirt wie die deutschen Schultze - Delitzffchen Genossenschaftsbanken, erfolgen, so wird es schon besser werden. Wir Menschen können mit aller Wohlrhätigkeit nie die Vorsehung spielen wollen, sondern können nur die Gaben, die Gott in jedes Menschenherz gelegt, wecken, und nur dies führt zu guten Resultaten. Die größte Aufgabe, die wir haben müssen, ist, daß uns die reinste D’Eff ckö nr.o trägt, und wird Gott auch dann helfen, daß unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt werden! Den jetzt im Maunesalter Stehenden wird wohl schwer zu helfen sein, da ihnen meist alle Vorkenntniffe abgehen, doch wird ja auch diese Klippe, wenn man die Verhältnisse studirt, zu umschiffen sein; im Uebergangsstadium gibt es ja immer Schwierigkeiten und auf dieses muß die npibn vorerst Rücksicht nehmen. Ich bin weit davon entfernt, die Bestrebungen in Deutschland für ein jüdisches Waisenhaus, Hospital rc. zu verkennen, aber durch die große Zersplitterung zu vielen Zwecken und theilweise Mangel an geeigneten Organen in (rw p*», fürchte ich, wird nie etwas Rechtes daraus werden. Daneben aber blüht die npvrn von Holland, Deutschland, Polen, Ungarn re., die theilweise durch unrichtige Handhabung vergeudet, indirect aber sogar den schweren Schaden erzeugt, daß eine ganze Bevölkerung zu Bettlern herabgewürdigt wird.