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Der Israelit · 1877-04-11 · Heft 15 (11.4.1877) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 15 (11.4.1877)
Date
1877-04-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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350 den Hufen seiner Thiere den schlafenden Knaben gewahrte. „Ein Todter," schrie er entsetzt, doch sich niederbeugend bemerkte er bald das ruhige Athmen des Schläfers. „O du meine Güte! da hält' ich ja gleich Blutschuld auf mich geladen, aber heißt das Schlaf! von dem wilden Geheul des Viehes nicht zu erwachen! wenn das Vieh so leichtsinnig wäre wie sein Herr, hätten die Pferde alle zwei jetzt zertreten; ja, ja. ich hab's gar oftmals gesagt , die Viehcher seien gescheidter als die Menschen. Aber wie der Bub nur daher kommen mag, mitten auf die Straße — 's ist ein feines Kind, wie ein Grafenkind schaut's aus. — Muß es doch wecken, könnt' ihm sonst noch im Ernst ein Unglück pajsiren. He. Junker! wachtauf! hier ist kein Platz zum Schlafen." Mit diesen Worten hob er den Knaben vom Boden, ihn nicht unsanft ein wenig schüttelnd. Gabriel erwachte, ein Frostschauer fuhr durch seine Glieder. Der Bauer lachte; „gelt, Junker, so warm wie im Bett ist's hier doch nicht? aber das muß man sagen, geschlafen habt Ihr so gut und so fest als lägt Ihr im weichsten Flaum " „„Wo bin ich?"" fragte der Knabe noch schlaftrunken. „Wo Ihr seid? na, auf der Straße, seht Jhr's denn nicht?" „„Sehen?"" wiederholte Gabriel traurig, „,,ach, ich kann ja nicht sehen, ich bin blind."" „Blind seid Ihr?" ries der Bauer mitleidig, seine Hand wieder fassend, „aber wie kommt Ihr denn hierher? allein und so früh am Tag?" „„Ich weiß es nicht,"" erwiderte das Kind, bebend vor Frost und vor Erregung. „Das wißt Ihr nicht? hol' mich der Henker, wenn ich daraus klug werd. Aber wo seid Ihr denn her? aus dem Dorf da? das kann ich mir nicht denken, dort tragen die Kinder nicht so feine Kleider wie Ihr." „„MeinVater ist inW-,"" erwiderte Gabriel zähneklappernd. „In W-? na, das ist nicht gar weit von meinem Ort, und wenn Ihr nichts Besseres wißt, so könnt Ihr für heute mit mir fahren in mein Dorf, und morgen führe ich Euch nach W. zum Vater." Dank Euch, Dank Euch,"" stüsterte Gabriel bebend und schien noch etwas hinzufügen zu wollen, doch die Sprache versagte ihm plötzlich und ohnmächtig wäre er zu Boden gestürzt, hätte des Bauers starker Arm ihn nicht umfangen. „Armes Kind!" sagte der gutmüthige Mann, indem er ihn vorsichtig auf den Wagen hob und ihn durch Reiben wieder zu sich zu bringen suchte, „s ist ja ganz wie erstarrt, mag Gott wissen, wie lange das schon auf der feuchten Erde gelegen ist. Daß er aber nicht weiß, wie er daher gekommen ist — ist gar nicht zu begreifen. Ob man ihn gestohlen hat und hicrhergelegt? — aber warum das? Etwas Vornehmes muß der Vater sein, das sieht man am Wamms, Unsereiner macht st inen Buben nicht solche Sachen. Na, werd's ja wohl morgen erfahren oder vielleicht heute noch. Wenn das Kind zu sich kommt und etwas ißt und trinkt, da sällt's ihm am Ende wohl auch wieder bei, was mit ihm geschehen ist." Während dieses Selbstgespräches hatte der Bauer nicht aufgehört mit seinen Reibungen und hatte endlich dem Knaben einige Tropfen aus seiner Branntweinflasche eingeflößt. Das wirkte. Gabriel regte sich. „Kalt," flüsterte er, „kalt". „„Armes Kind, ja, ja, das feine Gezeug ist gerad' nicht das wärmste. So,"" sagte er, eine große Pferdedecke um ihn schlagend, „„so wird's wohl bald wärmer werden, nnd nun noch einen tüchtigen Schluck von dieser Herzensstärkung — das thut wohl." " (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Reduction nicht verantwortlich. ine ältere Dame in einer Kreisstadt der Rheinprovinz sucht zum sofortigen Eintritt ein gewandtes , anständiges Mädchen (Israel.) gesetzten Alters zur Verrichtung aller häuslichen Arbeiten, die jedoch, da die Dame alleinstehend, nicht bedeutend sind. Offerten beliebe man an die Exped. d. Bl. sud Nr. 906 zu richten. «

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