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Der Israelit · 1877-04-06 · Heft 14 (6.4.1877) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 14 (6.4.1877)
Date
1877-04-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Leilage )« Ar. 14 -es Israelit. S«tyn^itöd)ricbten und Correspondenzen Deutschland. Berlin. Eine sehr reiche Erbschaft ist den jüd. Wohlthätigkeitsanstalten Berlins dieser Tage zugefallen. Der am 18. d. M. Hierselbst im Alter von 76 Jahren verstorbene Rentier David Herzog hat dieselben in seinem Testament nämlich mit 225,000 Mk. bedacht. Im Uebrigen hat der Verstorbene die Herren Stadtrath Magnus, Commerzienrath Herz und Julius Meyer zu Universalerben über sein sonstiges, außerordentlich bedeutendes Vermögen in der Weise eingesetzt, daß sie dasselbe nach ihrem besten Ermessen ebenfalls zu Wohlthätigkeitszwecken verwenden sollen. Außerdem hat noch das etwa vierjährige Kind einer dem Erblasser befreundet gewesenen Familie 30,000 Mark erhalten, die bis dahin mit Zins auf Zins angelegt, der Erbin bei ihrer Verheirathung zufallen werden. Der Verstorbene war nicht verheirathet und hat auch keine Angehörigen oder Verwandten. Nach der „Jüd. Pr." sind die städtische Armendirection mit 30,000 und die beiden Abtheilungen des Asyls für Obdachlose mit se 30,000 Mk. bedacht. Von den innerhalb der hiesigen jüd. Gemeinde bestehenden Instituten ^erhalten: die Armencommission, die Alterversorgungsanstalt, das Siechenhaus.und das Reichenheimsche Gemeinde- Waisenhaus je 30,000, das Krankenhaus 18,000, der Lehrer - Pensions - Verein und der Hilfsverein für jüd. Studirende je 15,000, die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums 9000, endlich die Miethe-Unterstützungs-Anstalt und die Holzvertheilungs-Gesellschaft je 6000 Mk. Schließlich wollen wir noch hinzufügen, daß der Erblasser im 80. Lebensjahre verstorben ist; daß er als ein begüterter Mann aus Crefeld hierher gekommen war, woselbst er während einer langen Reihe von Jahren ein ansehnliches Fabrikgeschäft betrieben hatte. In Berlin , wo er als Rentier gelebt, hat er mehrere Jahre hindurch das Amt eines Mitvorstehers bei einer milden Anstalt bekleidet und dort durch seinen regen Amtseifer den wohlthätigen Sinn bekundet, von welchem seine letztwill'gen Bestimmungen Zeugniß geben. « In Labifchin (Prov. Posen) soll, wie die „Bromb. Ztg." meldet, unter eigenthümlichen Umständen der Uebertritt eines 1.^ jährigen jüdischen Mädchens zum Katholicismus erfolgt sein. Das Mädchen, die Tochter eines dortigen Händlers, verschwand aus dem elterlichen Hause. Nachforschungen ergaben, daß sie sich auf dem der Gräfin Skorzewska gehörigen Schloß Lubostron aufhält und dort am Sonntag, den 4. d. M., nachdem sie schon einige Wochen vorher heimlich im katholischen Glauben unterrichtet worden, die Taufe empfangen haben soll. Dieser Borg mg. zu dem, wie man sagt, die Liebe zu einem Schneidcrgesellen kath. Glaubens den Anlaß gegeben, hat die äußerst strenggläubige Synagogengemeinde von Labischin in gewaltige Aufregung versetzt. Auf Verlangen der EUern erhielt der Gensdarm Bunzel den Auftrag, das Mädchen zurückzubringen, das be, schuldigt wird, bei ihrer Flucht 36 Mk. entwendet zu haben. Er begab sich auch nach Lubostron. Das Mädchen wurde jedoch seitens der Gräfin Skorzewska nicht ausgeliefert und dem Gensdarmen die Weisung ertheilt, daß der Generalbevollmächtigte des Sohnes der Gräfin wegen dieser Angelegenheit mit dem Districtskommissar in Verbindung treten werde. — Hoffentlich wird diese geheimnißvolle Geschichte durch Einschreiten der Behörde bald aufgeklärt werden. Ueber denselben Fall wird der' „jüd. Pr." Folgendes gemeldet: „Ich hatte Anfangs nicht die Absicht das Factum, über das ich Ihnen jetzt berichte, der Oeffentlichkeit zu überleben, da die Person, um die cs. sich handelt, mir nicht der Mühe werth erschien, Allarm zu schlagen. Nachdem jedoch im „Kmyer Poznansky" Nr. 62 die Sache ausführlich, und zwar in einer lügenhaften, provoeirenden Weise behandelt wurde, ist eine Erwiderung durchaus geboten. Es heißt daselbst, daß 12 vermummte Juden das Mädchen, das von den Eltern Gift erhalten, in die Synagoge geschleift, um. zu verhindern, daß es den Glauben der Katholiken annehme, daß das Mädchen von Jugend auf die kath. Schule besucht u. s. w. Ferner wird mitgetheilt, daß die Zeitungen des Judenthums nichts über diese Materie bringen aus dem Grunde, weil sie befürchten, die vermummten Juden, welche das Mädchen in den Tempel zum Abschwören des kath. Glaubens geschleift, criminalistisch verfolgt werden könnten. Hinsichtlich solcher herausfordernden Verläumdungen bedarf es einer Berichtigung, event. einer eingehenden Erörterung, die ich in nachfolgenden Daten gebe und um deren Veröffentlichung

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