Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1877)
- Date
- 1877-03-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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312 jüdische Schüler besuchen, sei eine Jüdin als Lehrerin angestellt, Sr. Excellenz zu Ohren, so war Frl. N. schon ihres Amtes enthoben. (Ung. Jsr.) Italien. RoM. Anknüpfend an das für den nächsten Juni bevorstehende Bischofsjubiläum des Papstes theilen Wiener Blätter folgende Rominiscenz als Beitrag zu diesem Feste mit. Pius der Neunte wurde bekanntlich im Juni 1821 von Gregor dem Vierzehnten zum Bischöfe von Spalato ernannt. Seinen Einzug in diese Stadt als Bischof hielt er aber erst Sonntag, den 1. Juli desselben Jahres und wurde natürlich von seinen Diözesanen mit großen Ehren und werthvollen Geschenken empfangen. Auch die Juden Spalato's hatten sich entschlossen, dem neuen Bischöfe ein Geschenk überreichen zu lassen und ihren Vorstand mit der Auswahl desselben betraut. Dieser sann nun lange über diesen Gegenstand hin und her, bis endlich der Rabbiner den Vorschlag machte, man möge dem neuen Bischöfe, der auch ein Kenner des Hebräischen ist und selbst zuweilen mit jüdischen Lettern zu schreiben pflegt, zwölf Stück Schreibevorlagen mit hebräischen und chaldaischen Lettern zum Geschenke machen. Dieser Vorschlag wurde mit Akklamation begrüßt und ein Gejetzrollenschreiber (Sofer) in Rom erhielt nun den Auftrag, die Schreibevorlagen anzufertigen und dabei keine Mühen und keine Kosten zu scheuen. Auch eine Widmung in hebräischer Sprache, an deren Spitze der Vers aus den Psalmen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Ewigen!" wurde diesen Schreibevorlagen beigegeben. Pius der Neunte zeigte sich über dieses Geschenk höchst erfreut, versicherte die Juden Spalato's seines fortwährenden Wohlwollens und dem Gesetzrollenschreiber ließ er ein Geldgeschenk zukommen. Heute, ein halbes Jahrhu«dert nachher, wird schwerlich mehr einer von den damaligen Kultusvorstehern Stzalatos noch am Leben sein, auch der Rabbiner und der Gesetzrollenschreiber sind schon vor mehreren Jahren dahin gestorben, ihr Geschenk dürfte aber noch vorhanden sein, und vielleicht erinnert sich sogar Pius der Neunte an seinem Jubeltage an dasselbe. Frankreich. Poris Eines der angesehensten und verdientesten Mitglieder der Pariser isr. Gemeinde. Hr. Albert Cohn, Mitglied des ConsistoriumS, Ritter der Ehrenlegion, ist am 16. d. gestorben. Herr Cohn war aus Preßburg gebürtig, aber schon in j jungen Jahren nach Paris gekommen, wo er als Erzieher in die Familie des Barons James Rothschild eintrat und bald der Beirath dieses großen Financiers und seiner Angehörigen für alle WohlthätigkeitS-Angelegenheiten wurde. In dieser Eigenschaft hat Cohn an der Gründung des Rothschild'- schen Hospitals und vieler anderer milden Stiftungen den thätigsten Antheil gehabt; auch sonst hat er als Mitglied der „Alliance Jsraelite" für die Interessen seiner Glaubensgenossen eifrig gewirkt und verschiedene Reisen nach dem Orient unternommen. Einer seiner Söhne, Herr Leo Cohn, ist der Chef des Secretariats im Ministerium des Innern; sein Schwiegersohn ist Hr. Hendle, Präfect des Departements Saone-et-Lvire. England. London. Die seit einem Jahre verwittwete Baronin Maier v. Rothschild ist auf der Reise nach Nizza, wohin sie sich auf Anrathen der Aerzte begeben, an der Wassersucht gestorben. An der Verstorbenen, die nur ein Alter von 46 Jahren erreicht hatte, verlieren die Armen Londons eine große Wohlthäterin. London. Am 21. Adar starb dahier im Alter von 45 Jahren der in weiten Kreisen und besonders in Polen bekannte Rabbi Hirsch Dainow. Derselbe hatte sich seit einigen Jahren bleibend dahier niedergelassen und als Prediger (Tr:) bei den zahlreich dahier wohnenden Polen fungirt, deren Liebe und Zuneigung er sich in kurzer Zeit zu erwerben verstanden hatte. n"3'V'j''r. (Libanon.) Türkei. Corrstontinvpel. Der Abgeordnete aus Jerusalem hat eine Petition, welche von vielen Christen und Juden unterzeichnet ist, mitgebracht, in welcher die Regierung gebeten wird, den Zutritt zur Höhle Machpelah in Hebron und den Besuch des sogenannten „Abraham-Gotteshauses" zu gestatten. Bis jetzt ist es nur erlaubt, bis zum Fenster des genannten Gotteshauses zu gehen. Um die Höhle Machpelah, welche in drei Abtheilangen getheilt und mit Seidendecken bedeckt ist, die mit Inschriften in goldnen Lettern versehen sind, befindet sich ein silbernes Gitter; außerhalb desselben wurden bis jetzt die Gebete verrichtet. Man hofft, daß die Regierung dem in der Petition ausgedrückten Verlangen willfahren werde. (W. Jsr.) e