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Der Israelit · 1877-03-28 · Heft 13 (28.3.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 13 (28.3.1877)
Date
1877-03-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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294 herbeischaffen konnte. Gibt es ein größeres, unbedingteres Vertrauen auf Gottes Hilfe? Und siehe, ihr Vertrauen wurde nicht getäuscht: Gott ließ ihnen Brod vom Himmel regnen und W-sser aus dem Felsen fließen. Und wir, indem wir das ungesäuerte Brod nicht allein genießen, sondern das Wort naa aussprech en und es dadurch in seiner symbolischen Bedeutung erfassen, sollen uns in die Lage unserer aus Mizrajim ausziehenden Väter versetzen und von demselben Vertrauen auf die göttlia-e Hilfe erfüllt sein. Ach, wie sehr ist dieses' Vertrauen unserm Geschlechts abhanden gekommen oder doch wankend geworden und wie sehr bedarf es der Wiedererweckung und Kräftigung! Da begegnen wir täglich Leuten, die dahin sich äußern, daß sie gern die gottgebotene Ruhe an den Sabbaten und Feiertagen beobachten möchten, allein der Wochenmarkt oder die Concurrenz oder die Sorge für Weib und Kind und alte Eltern zwinge sie, die Grundsäulen des Judenthums mit frevelnder Hand umzuhauen. O, so vertraut doch nur auf Gottes Hilfe! Unsere Väter zogen in die Wüste ohne zu wissen, wovon sie leben sollten, und Gott sandte ihnen Brod vom Himmel herab. Und wenn auch der allmächtige Gott solche offenbare Wunder in unserer Zeit nicht mehr geschehen läßt, ist deßhalb die Hand Gottes zu kurz, um zu helfen? Stehen Ihm nicht unendlich viele Mittel und Wege zu Gebote, um Dir und den Deinen zu verschaffen, was Dir nöthig ist? Kann Er doch in einem Augenblicke Dir mehr geben, als Dein rastloser Fleiß in Jahrzehnten zu erringen vermag — kann Er doch in einem Augenblick Dir all' Das nehmen, was Dein rastloser Fleiß in Jahrzehnten errungen hat! Und wenn es nicht geschieht, wenn der Sabbatentweiher reich und vornehm und angesehen wird, hat er damit etwas erlangt, was nur im Entferntesten den verlorenen Schätzen des Judenthums gleichkäme? Schon steht uns eine Erfahrung von Generationen zur Seite. Die Großeltern fingen damit an. den Sabbat — nothgedrungen, wie sie sagten — zu entweihen; die Eltern wurden dadurch dem practischen Judcnrhume entfremdet und die setzt lebenden Enkel! O, seht Euch doch an ihr Denken und Fehlen, ihr Thun und Treiben, ihre Ehen, ihre Kinder-Erziehnng! Es scheint ein ver lorenes Geschlecht zu sein, das nur Gottes Gnade vom gänzlichen Verfall retten kann. Äehnliche Mißstände treffen wir bei der Erziehung, bei der Verbeirathung der Kinder an. Die Rücksicht auf den Broderwerb, auf den Besitz steht im Vordergründe; das höchste Gut Israels, die Thora, sowohl die Kenntniß derselben als ihre practische Bewahrung wird erst in zweiter Linie beachtet; schwache Versuche werden gemacht, das Kind dem wirklichen, factischen Judenthume zu erhalten, und gelingen diese Versuche nicht gleich, da wird der Sohn in ein Geschäft gegeben , aus welchem er als vollendeter?*oi£" 'ffvnb ytns wieder austritt, da wird die Tochter an einen Mann verheirathet, der alle Gesetze unseres Gottes mit Füßen tritt. £>, seht Euch doch im Leben um und erfahrt es. daß alle ernsten Bemühungen auch zum gewünschten Ziele führen. "pt> nan dinet -p-n imx pp-a. Gott führt den Menschen auf den Weg, auf welchem der Mensch wandeln will. Den ernsten Willen unterstützt Gott und fördert ihn; denn Gottes Hilfe bleibt niemals aus; an uns ist es, das rechte, unerschütterliche Vertrauen auf Gottes Hilfe zu hegen. III. Darf der edle Mensch auf den Gottes schütz bauen und das festeste Vertrauen hegen, daß Gottes Hilfe ihm wird, so soll auch der sündige Mensch nicht verzweifeln und stets vertrauensvoll Gottes Gnade erwarten. Als unsere Voreltern in Egypten anfingen sich zu vermehren, da heißt es von ihnen: pNH orr«, „und das Land war voll von ihnen". (2. B. M. C. i, V. 7.) Man ist geneigt, diesen Ausspruch hyperbolisch zu nehmen; denn, wenn das Land voll geworden von den Israeliten, so hätten ja die Egypter keinen Platz mehr darin gehabt Aben Esra bezieht psn auf das Land Gosen, was jedoch dem Zusammenhänge nicht entspricht. da weder unmittelbar vorher noch nachher das Land Gosen. wohl aber das Land Mizrajim erwähnt wird. Unsere Weisen geben im Midrasch Tanchuma dem cm« pxn »rom eine eigenthümliche D? utung, indem sie sagen: rvsoo-np voi nw'ö'ia ’na □no. ..Theater und Circus waren stets angefüllt mit Israeliten." Alan meint, die Worte des Midrasch entstammten einer Beobachtung der neuesten Zeit. Wie heute, so war es damals in Egypten vor dem Beginne der Knechtschaft. Im Theater, im Circus und bei allen öffentlichen Schaustellungen waren die Söhne und Töchter Israels derart zahlreich anzutreffen, daß man meinte, das Land sei voll von ihnen. Wir Juden find von Natur eine leichtlebige Nation, und nur die Thora ist's, die unser Temperament zügelt und mäßigt. In Egypten erfolgte ein Rückschlag, n« me’i D.T’a. Tiefe, bittere Leiden mußten unsere Väter vorbereiten, läutern; sie mußten Alles verlieren, um Alles aus der Hand Gottes wieder zu empfangen, damit sie gewürdigt und befähigt würden.

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