Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1877)
- Date
- 1877-03-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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286 sprechung der Verhältnisse der Juden in Rumänien angeblich vom deutschen Bevollmächtigten auf der Constantinopler Conferenz gethane Aeußerung, deren Ursprung nur in größter Gehässigkeit gegen die Juden hätte gesucht werden können. DerBuchhändler, Hr. I. Kauffmann dahier wandte sich dieserhalb an das Reichskanzler-Amt, von welchem er folgende Zuschrift erhielt: Auswärtiges Amt. Berlin den 5. März 1877. Auf Eurer Wohlgeboren Schreiben vom 21. v. Mts. betreffend die in der Zeitschrift „Univ. Isr." wiedergegebenen Aeußerungen, welche angeblich der deutsche Bevollmächtigte auf der Conferenz in Constantinopel über die rumänischen Israeliten gemacht haben soll, erwiedere ich Ihnen ergebenst, daß diese Angaben vollständig erfunden sind. Von den Verhältnissen der Israeliten in Rumänien ist bei der Conferenz überhaupt nicht die Rede gewesen. Der Staats-Secretair des auswärtigen Amts, Staatsminister (qez.) von Bülow. (Der „Univ. Jsr."hatte die betreff. Mittheilung aus dem in Bukarest erscheinenden isr. Journal „Hajoetz", das dieselbe dem rumänischen Blatte „Presentul" entnommen, übersetzt; außerdem hatte selbst eine deutsche jüdische Zeitung die gleiche' Mittheilung veröffentlicht. Es trifft demnach „Univ. Isr." keinerlei Verantwortlichkeit für die Richtigkeit des fraglichen Artikels. Red. d. Isr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Notiz von einem am Grabe Mosenthals sprechenden Taubstummen hat wohl Viele überrascht. Nun gibt aber einer der hervorragendsten Taubstummen-Lehrer, der Director des Wiener israelitischen Taubstummen-Jnstituts, kaiserlicher Rath Deutsch, der „Presse" folgende Aufklärung über „die Sprache der Taubstummen." Die Bezeichnung „taubstumm" mußte zu der irrigen Annahme verleiten, als stünden der Erziehung solcher Kinder zwei verschiedene organische Gebrechen gegenüber: die Taubheit nämlich einer" seits und überdies noch die Stummheit. Der sog. Taubstumme ist aber mitnichten stumm, denn ihm fehlen weder die körperlichen, noch die geistigen Vorbedingungen zum Verständnisse oder zur Hervorbringung der Lautsprache. Auch ihm stehen die Sprachörgane zur freien Verfügung, auch seine Denkkraft kann zur Urtheilsbildung entwickelt und herangeleitet werden. Was ihm fehlt, das ist einzig und allein das sprachliche Vorbild, das er durch die Gehör-Organe empfangen und durch die Jmitirung wieder Hervorbringen sollte. Nun aber ist dem geschärften und geübten Auge die Mannigfaltigkeit der Bewegungen und Stellungen des Mundes während des Sprechens ebenso deutlich erkennbar, als die Verschiedenheit der Lautgebilde dem hörenden Ohre. Von den Muskelbewegungen des Mundes läßt sich ein gewissermaßen sichtbares Alphabeth ebenso ablesen, als dem Ohre eine tonende Artikulationsreihe vernehmlich wird. Ahmt nun das hörende Kind den wahrgenommenen Laut nach, so imitirt das taube Kind die geschehenen Mundbewegungen und bringt somit unbewußt den Schall mittelst der gesunden Sprachwerkzeuge hervor, lernt die Vorstellungen durch diese Bewegungen kennzeichnen, bildet sie zu Begriffen aus, steigt zu Urtheilen und Schlüssen empör wie ein vollsinuiger Mensch und wird nur die Eckenntniß der Höhe und Tiefe der Töne und des Rhythmus vermissen lassen, was weiter seiner intellektuellen Bildung keinen Abbruch thut. Eltern taubstummer Kinder mögen daher fich's angelegen sein lassen, langsam und mit völliger Energie die Mundbewegungen zu ihren gehörlosen Kindern zu sprechen und die Verschiedenheit der Ausdrücke sichtbar zu machen. Durch häufige Wiederkehr prägen sich die sichtbaren Bilder dem Gedächtniß ein, allgemach verbinden sich Vorstellungen damit, die Kinder versuchen die Nachahmung, beginnen den Sprechenden zu verstehen und sich in dem jedem Menschen eingeborenen Mittheilungs - Drange auf gleiche Weise der Umgebung verständlich zu machen. Schon nach kurzer Zeit wird in Folge der Uebung das Sprach-Organ gewandt, die Lunge gestärkt, die Stimm-Bänder elastlscher, die Stimme des Taubstummen vernehmlich, und sein Verkehr mit der Außenwelt hergestellt. Darin ruht das ganze Geheimniß unserer 'modernen Taubstummen-Jnstitute und jede Familie ist selber in der Lage, die Bildungs-Fähigkeit ihrer gehörlosen Mitglieder zu vermitteln und zu steigern." P a l ä st i n a. Jerusalem, im Februar. Seit einigen Wochen erscheint in der heiligen Stadt eine neue Zeitschrift in hebräischer Sprache unter dem Titel mr;\ herausgegeben von I. M. Salomon. Dieselbe hat die Tendenz, die Liebe zum heiligen Lande zu kräftigen, die Fahne der Gotteslehre und Gottesfurcht hochzuhalten, für Wissenschaft und Belehrung zu wirken und zu nützlicher Thätigkeit anzuspornen. Die bis jetzt erschienenen Nummern bethätigen dieses anerkennenswerthe Streben in jeder Beziehung. Es verdient daher die genannte Zeitschrift allseitige Sympathie und Förderung.