Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1877)
- Date
- 1877-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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203 Im höchsten Grade peinlich war es ihr, daß er es war, der für sie sorgte, dem sie ihre augenblickliche Existenz verdankte, und diesem Gefühle lieh sie auch in ihrem ersten Gespräche mit ihm Ausdruck. „Leah<" sprach Simon verletzt, „wie kannst Du nur davon reden! wer anders als ich sollt' sorgen für Dich, für meine Braut?" „„Nein nein!"" rief Leah erregt, während eine leichte Röthe ihre durchsichtig blassen Wangen überzog, „„Deine Braut bin ich nicht und werd's nimmer sein."" „Dein Vater selbst hat Dich mir verlobt. Hast Du's vergessen, wie er fast schon sterbend Deine Hand in meine gelegt hat?" Ein heftiges Zittern überfiel die kaum Genesene. „„Mein Vater hüt's nicht gewußt,"" entgegnete sie mit sichtlicher Anstrengung, „ „hätt' er's gewußt — nie — nie —"" Sie vermochte nicht weiter zu reden, ein krampfhaftes Schluchzen erstickte ihre Stimme. Umsonst suchte Simon sie zu beruhigen, sie winkte ihm heftig, sich zu entfernen und da er gewahrte, wie jede seiner Bemühungen sie nur mehr erregte, so zog er sich zurück. Schonend vermied er auch in den nächsten Tagen jedes Zurüükommen auf diesen Gegenstand, so sehr es ihn auch drängte, sie als jeine Verlobte zu umarmen, sie selbst war es, die zuerst wieder mit ihm von ihren Verhältnissen zu reden begann, indem sie ihm mittheilte, daß sie mit ihrer kleinen Schwester das Land verlassen werde, sobald ihre Füße sie zu tragen vermöchten. Simon erblaßte, er kannte ihre Energie, die vor keinem Hindernisse zurückschrack. „Und wohin wirst Du gehen?" fragte er nach einigen Minuten Schweigens, „wovon wirst Du leben?" „„Weiß ich's selbst,"" erwiederte Leah heftig, „„aber lieber betteln, lieber —"" „Und wenn ich Dich nicht allein fortlasse? wenn ich mit Dir geh' und in einem andern Lande zurücktrete zum Judenthum — dann darf ich doch hoffen?" — Sie blickte ihn lauge forschend an. „„Ich darf nicht richten, Hab' ich doch selber gefehlt", sprach sie mit leiser bebender Stimme. „Wenn Du zurückkehrst zu dem Glauben unserer Väter, dann mag's sein wie mein Vater es gewollt hat."" „„Dank Dir, dank Dir!" rief Simon mit strahlenden Augen und drückte ihre Hand anseine Lippen. Sie fuhr zusammen, doch sie entzog sie ihm nicht. (Fortsetzung folgt) A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Kniibru - Pmsicinllt A. Latin zu Sobernheim. Hier erlangen junge Leute gründliche Vorbildung zum Kaufmannsfache. Schüler, die das hiesige sehr gute Gymnasium besuchen wollen, finden ebenfalls Aufnahme, die gehörige Aufsicht und Nachhilfe. Die besten Referenzen stehen zu Gebote. Anmeldung erbittet bald 556s_A. Cahn. Heidelberg. Gasthof zum goldenen Ross. Eigenthümer: M. Witsenhausen. Neu und comfortable eingerichtet. Streng religiös. Den verehrlichen Reisenden bestens empfohlen, sowie zur Abhaltung von Hochzeiten und Festlichkeiten aller Art. sl048 Literarische Anzeige. Soeben ist erschienen und durch den Verfasser zu beziehen: onöiD pnpn nao 8. Band. Von R. N. Rabblnowfta in Münche n. Als Beigabe ist diesem Bande hinzugefügt eine Geschichte säwmtlicher Ausgaben des Talmuds vom Jahre 1484 bis auf unsere Zeit. Preis 6 Mark. Die oben erwähnte Abhandlung wird separat für 3 Mark abgegeben. [554 Briefkasten der Redaction. N. in N.: Eine Trauung kann nicht vollzogen werden von einem Lehrer oder Rabbiner yii’ U’ftr. — R. G. in Frankfurt a. M.: Spenden für den Synagogcnbau in Langendorf werden wir gerne übermitteln. — W. in London: 15 Mark erhalten. —