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Der Israelit · 1877-02-21 · Heft 8 (21.2.1877) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 8 (21.2.1877)
Date
1877-02-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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187 Gernsheim a. Rh. Wie bekannt, sind durch die neue Schulverordnung in Hessen die isr. Schüler der Volksschule verhindert, dem Gottesdienste am Sabbat beizuwohnen. Die hiesige höhere Bürgerschule wird von ca 12 isr. Schülern von hier und Umgegend, die größtentheils das 13. Jahr überschritten haben, besucht. Welche nachtheilige Folgen das Versäumen des Gottesdienstes in einem solchen Falle verursacht, kann sich Jedermann denken. Den Bemühungen des Vorstehers der hiesigen Gemeinde, Herrn M. Ketsch, ist es gelungen, daß die isr. Schüler der obengenannten Schule dem Gottesdienste am Sabbat vollständig beiwohnen können. Herr Ketsch hatte nämlich den Direktor der Schule ersucht, in die erste Unterrichtsstunde am Sabbat die Religionsstunde zu verlegen, wozu derselbe sich sogleich bereit erklärte; auch die Geistlichkeit beider Confessionen erklärte bereitwilligst ihren Unterricht in der bestimmten Stunde zu ertheilen. Daraufhin wandte sich Herr Ketsch an die löbl. Kreisschulcowmission mit der Bitte um Genehmigung des abgeänderten Stundenplans, worauf ihm vor einigen Tagen folgendes Schreiben von derselben zugeschickt wurde: »Auf Ihre Eingabe vom 26. v. Meröffnen wir Ihnen, daß wir den Stundenplan der höheren Bürgerschule dahin abgeändert haben, daß die Stunde von 8—9 Samstags von setzt ab bis auf Weiteres für den Religionsunterricht bestimmt ist, so daß es den isr. Schülern fürder unbenommen bleibt, während genannter Stunde dem Gottesdienste in der Synagoge anzuwohnen." — W— Bern«, 2. Febr. Der Reichstagsabgeordnete für Charlottenburg, Herr Mendel, ist Israelit, so daß im Ganzen 6 Israeliten in den Reichstag gewählt sind. Berlin, 3. Febr. Der Direktor des königl. statistischen Bureaus, vr. Engel, hat den Standesämtern eine Zusammenstellung über das Gesammtresultat der Aufzeichnungen der Eheschließungen, Geburten u. s. w. im preußischen Staate während des Jahres 1875 zugehen lassen, der wir Folgendes entnehmen: Eheschließungen erfolgten im Ganzen 230,841, darunter: evangel. Männer mit evangel. Frauen 145,247; mit kathol. Frauen 7009; mit süd. 111; kathol. Männer mit evangel. Frauen 8682; mit kathol. 66.436; mit jnd. 38; süd. Männer mit evangel. Frauen 103; mit kathol. 16; mit jüd. Frauen 2675. Eislehe«, 41. Jan. Heute verstarb hier die Wittwe Oppenheim (Israelitin) in dem gewiß sehr selten erreichten hohen Alter von circa 111 Jahren uud war dieselbe nicht nur in unserer Stadt, sondern wohl in der ganzen Grafschaft Mansfeld die älteste Person. Sie wurde im Elsaß 1766 am 20. April geboren, aber Ort ihrer Geburt, sowie was für eine Geborene sie ist, ist unbekannt. Ihr Ehemann ist vor etwa 40 Jahren verstorben und Nachkommen sind nicht vorhanden. Was den Appetit, das Augenlicht und Gedächtniß anlangt, so war dieses noch sehr gut zu nennen. Durch einen erlittenen Beinbruch war sie seit IV-Jahren behindert auszugchen. Noch in letzter Zeit gab sie bei Erzählungen aus den Kriegsjahren die genauesten Angaben über Zeit, Personen, sowie Thaten. (Eisl. Ztg.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 6. Febr. Die „Politische Correfp.,, meldet: Die Pforte hat der serbischen Regierung die Grundlagen für die Friedensverhandlungen mitgetheilt. Indem sie auf materielle Garantien verzichtet, beansprucht sie diplomatische Vertretung in Belgrad, Gleichberechtigungder Katholiken und Juden mit Serben, Nichtduldung der Bildung bewaffneter Banden auf serbischem Gebiete, Verhinderung des Eindringens solcher Banden auf türkisches Gebiet, Nichtgestattung geheimer Gesellschaften, Erhaltung der serbischen Festungen in gutem Zustande, Aufziehung der türkischen Flagge neben der serbischen Flagge auf den Festungen. Die .Politische Correspondenz" meldet als zweiffellos, daß Serbien diese Grundlage annehmen und alsbald eine Specialcommission nach Konstantinopel entsenden werde. Rumänien. Jassy, 28. Jan. Wie radikal die gegenwärtig am Ruder stehende Partei jede Spur ihrer Vorgänger zu vernichten bestrebt ist, geht daraus hervor, daß selbst den von den früheren Behörden abgeschlossenen Contracten die bindende Kraft abgesprochen wird. So will man zum Beispiel den Contract, den ein hiesiger Großhändler (der noch obendrein Jude ist) mit der Mairie in Roman wegen Accise auf die Dauer von drei Jahren abgeschlossen hatte, als ungiltig und illegrl erklären, wodurch der Kaufmann den nicht geringen Schaden von ca. 10,000 Ducaten erleiden müßte. Der Prozeß, den derselbe gegen die jetzige Mairie in Roman angestrengt, wurde in der ersten Instanz abgewiesen und erlitt dasselbe Schicksal beim hiesigen Appellationshofe. Nun steht ihm noch der einzige Weg zum Cassationshofe offen, auf den er seine Hoffnung setzt. So weit geht hier der Par-

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