Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1877)
- Date
- 1877-02-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XVIII. Jahrgang. Zweite fittlagt zu Nr. 8 des Israelit. Leitender Artikel. Siegmand Hirsch aas Halberfladt. Halberstadt, 16. Febr. In den weitesten Kreisen wird die in der Ueberschrift angedeutete Nachricht schmerzliches Erstaunen und tiefe Trauer erregen; Herr Siegmund (Süßkind) Hirsch ist nicht mehr; im besten Mannesalter, im Alter von nur 45 Jahren, ist er aus dem Schooße seiner überall verehrten Familie hinweggerissen, ist seine reiche und schöne, irdische Thätigkeit abgefchnittcn worden; auch der Schreiber dieser Zeilen, der Herausgeber dieser Blätter, der zum Leichenbegängnisse hierhergeeilt ist, hat einen feiner besten, theuersten Jugendfreunde verloren. VN38 djct w npt> 'n '*i Mit schmerzzerrissenem Herzen will ich es versuchen, den Lesern ein Bild dieses wahrhaft edlen Mannes, dieses guten und mustergiltigen Lebens vorzuführen; unsere Zeit ist nicht überreich an solchen Männern, deren Herz, von Gottesfurcht erfüllt, sich in den edelsten Thaten stets und immer bewährt; mögen diese Zeilen zugleich eine Anregung zur Nacheiferung werden. Die drei großen Säulen, auf denen nach der Lehre unsrer Weisen die sittliche Weltordnung beruht, sind die Gotteslehre, der Gottesdienst und die Uebung von Wohlthaten. Das größte Geschenk, welches Gott der Menschheit gibt, ist ein edler Mensch; sein Wirken ist ein unendlicher, unabsehbarer Segen, der in der Nähe wie in der Ferne selbst dann die schönsten Folgen bereitet, wenn diese auch nicht gerade augenfällig und nicht immer auf den Urheber zurückgeleitet werden. Solch ein edler Mensch, solch ein wahrhafter Jehudi muß zunächst in der Gotteslehre erfahren sein, muß sein Erkenntnißvermögen ausbilden, damit er weiß, was gut und recht und wahr ist. Herr Siegmund Hirsch war im Jahre 1831 in Halberstadt geboren als jüngster Sohn des als }inb und eifrigen und thatkräftigen Jehudi berühmten Rabbi Ahron Hirsch y'a*7. Schon bald nach seiner Geburt verlor er die Mutter, als elfjähriger Knabe den Vater. Ein zweiter Vater wurde ihm fein ältester Bruder, der unvergeßliche Commerzienrath Joseph Hirsch dessen Schwiegersohn er auch später wurde. Schon in j früher Jugend zum Studium der Thora angehalj ten, wurde diese seine liebste Beschäftigung, für die er trotz seiner bedeutenden geschäftlichen Thätigkeit stets Zeit und Muße sich bewahrte bis an sein Lebensende. Durch den Geist der Thora erleuchtet, gestaltete sich das ganze Leben des Heimgegangenen zu einem fortlaufenden, ununterbrochenen Gottesdienste; man kann auf ihn das große Wort anwenden G'cip Dtp1? vn raryo to, alle seine Handlungen hatten einen gottesdienstlichen Character. Er verlangte vom Leben nichts und gab ihm Alles; seine Auffassung des Lebens war eine höchst ideale, und er strebte lediglich danach, die Gebote unseres Gottes im ausgedehntesten Maaße, in sorgfältigster Weise zu erfüllen. So geartet, war er befähigt, CHDn rnb'vZ, die Uebung der Wohlthaten in einer Weise zu erfüllen, die Alle, welche ihn kannten, mit wahrhafter Bewunderung erfüllte. Nicht allein, daß er stets und immer mit offener Hand, wo die Gelegenheit sich bot, im reichsten Maaße spendete; mehr, vielmehr als das war fein isiZI iDn riib'OZ, zu jedem wohlthätigen Wirken war er stets und immer bereit, hatte er immer Zeit, ließ er sich keine Mühe verdrießen. All den vielen Ehrenämtern, die er bekleidete: in der isr. Gemeinde, in zahlreichen wohlthätigen Vereinen, in der Verwaltung der städtischen Gemeinde, lag er mit der größten Sorgfalt und Hingebung ob; er war, im wahrsten Sinne des Worts, ein Vater der Waisen, ein Berather der Wittwen, ein Versorger unzähliger Bedrängter und Nothleidender. Was er als Gatte, Vater, Bruder, Freund den Seinen war, entzieht sich jeder Beschreibung. An der Seite seiner edlen, biedern, frommen, aufopfernden Gattiw 'n» hat er seine Kinder in einer Weise erzogen, die überall als mustergiltig betrachtet werden kann. Auch die Dienstboten gehörten und gehören in seinem Hause mit zur Familie. Noch wenige Tage vor seinem Tode sorgte er für die Ausstattung und Verlobung einer treuen Dienerin, und als er an dem letzten Tage feines irdischen Lebens die Nachricht von dem glücklichen Erfolge seiner Bemühung empfing, da schrieb er noch eigenhändig ein Glückwunsch-Telegramm, das er in die Heimath der Verlobten sandte. Tausende und aber Tausende in der Nähe und in der Ferne, die sich bittlich an ihn wandten, haben immer Antwort erhalten und m