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Der Israelit · 1877-02-21 · Heft 8 (21.2.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 8 (21.2.1877)
Date
1877-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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175 Ferrilleton. Der KSuigliche Rcsidenk. (Eine historische Erzählung.) X. König August verstand es, wie kein Anderer, die schönsten und prächtigsten Feste zu arrangiren. Es war die Zeit des Carnevals, und die Bevölkerung von Warschau bekam Aufzüge zu sehen, von deren Pracht und Herrlichkeit man vorher keine Vorstellung gehabt hatte. Der König war stets die Seele des Ganzen, der Leiter und Anordner aller Maskenzüge, an denen er selbst mit seinen Cavalieren sicb stets betheiligte. So hatte er ein großartiges Tournier veranstaltet. Ritter aus den verschiedensten Zeiten und Nationen, in kostbaren Costümen, der Zeit und dem Volke entsprechend, zogen in Schaaren herbei und nahmen die befohlene Stellung. Da sah man französische und englische Ritter aus den Zeilen der Kreuzzüge, spanische Ritter aus den Zeiten der Maurenkriege, Saracenen und Türken, Japanesen und Mongolen, Indianerhäuptlinge und deutsche Lanzknechtsührer. Der König war. um den Polen zu gefallen, in polnischer 'Nationaltracht erschienen, umgeben von den polnischen Großen. A f hohem Balcone saßen die vornehmsten Damen des Reichs, auf einem erhöhten Throne die junge Fürstin Lubomirska, die Nichte des Cardinal-Primas, des eben erst mit August versöhnten. Der König wollte dem ihm ehemals feindlichen Cardinal-Primas einen Beweis seines Wohlwollens geben, indem er dessen Nichte zur Königin des Festes bestimmte. Fürstin Ursula Katharina Lubomirska war eine der schönsten Frauen des Reichs; sie zahlte damals erst achtzehn Jahre; sie entstammte einem alten, französischen Adelsgeschlechte, das sich in Polen angesiedelt und mit den vornehmsten polnischen Familien verschwägert hatte. So verband ste die Anmuth der Französin mit der Schönheit der Polin. Noch hatte sie den König nicht gesehen, da ihr Oheim und ihr Gatte bisher der sächsischen Partei feindlich gegenübergestanden hatten. Jetzt ritt der König in die Schranken, und voll Bewunderung hing das Auge der jungen Fürstin an der eleganten und ritterlichen Gestalt des damals in der vollen Blüthe männlicher Schönheit stehenden Königs. August war nicht allein der schönste, er war auch der eleganteste und stärkste Mann seiner Zeit. Einen silbernen Teller rollte er zusammen, wie wenn Papier es wäre, ein Hufeisen zerbrach er mit der bloßen Hand, ja einen Thaler vermochte er in zwei Stücke zu brechen. Als August in die Schranken ritt, sah auch er zum ersten Male die junge Fürstin, vor der er sich anmuthsvoll verneigte; in diesem Augenblicke bäumte sich der wilde Berberhengst, den er ritt, und August, der nur Augen für die Dame auf dem erhöhien Sitze hatte, fiel vom Pferde. Die Fürstin Lubomirska stieß einen Schreckensschrei aus und fiel in Ohnmacht. Der Könia hatte sich schnell wieder erhoben und war auf die ohnmächtige Dame zugestürzt. Als diese wieder zu sich kam, rief sie: „Wie froh bin ich, daß Eure Majestät unverletzt sind!" „»Ich schätze mich glücklich,"" sagte der König, „„vom Pferde gefallen zu sein, weil mir in Folge dessen die schönste Dame meiner Reiche ein wenig Theilnahme gezeigt hat!"" Mit finsteren Blicken betrachtete der junge Fürst Lubomirska die Scene; August war ein gefährlicher Nebenbuhler, und der junge Fürst war erschrecklich eifersüchtig. Als das Turnier zu Ende war, in welchem natürlich der König der alleinige Sieger geblieben, empfing er den Preis aus den Händen der jungen Fürstin, die ihre Bewunderung für den schönen König nicht zu verbergen vermochte. Zu Hause empfing sie ihr Gemahl mit finstern Blicken. „Ursula," saaie er, „Du hast Dich nicht benommen, wie es einer Fürstin Lubomirska geziemt." „„Willst Du mich wieder mit Deiner Eifersucht quälen? " „Und gibst Du mir nicht das Recht dazu? Was brauchtest Du in Ohnmacht zu fallen? Was ging es Dich an, daß dieser deutsche .... Gaillard vom Pferde gestürzt? Hätte er doch das Genick gebrochen!" „„Abscheulicher, so sprichst Du von Deinem Könige?"" „Abscheuliche. Du selbst, die Ehre und Pflicht vergißt! O, ich habe wohl gesehen, wie Du. . Die Fürstin stampfte mit den Füßen. „„Schweig, Unhold,"" rief sie, „„oder . . „Oder?" ,,,Oder ich verlasse Dich!"" „Willst Du etwa die Nachfolgerin der Aurora von Königsmark werden?" Die Fürstin knirschte mit den Zähnen. „„Und das sagst Du mir"", schrie sie voll Wuth. „ „Du? ' Meinst Du, ich wüßte nicht, daß Du dem schönen Judenmädchen von Bialeh nachstellst? Und Du willst mir mein Benehmen Vorhalten, mir, die ich nichts Unrechtes gethan habe?""

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