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Der Israelit · 1877-02-14 · Heft 7 (14.2.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 7 (14.2.1877)
Date
1877-02-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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162 Watt bie verschiedenen Parteien und ihre Führer einträchtig beieinander in geselliger Weise, und die Reden alle athmeten Frieden und Versöhnung in einem Maße, daß wir mit Recht hoffen dürfen, in Ulm bald wieder eine bessere Zeit für alle liberalen Männer anrücken zu sehen. Oberbürgermeister v. Heim eröffnete die Feierlichkeit, indem er dem scheidenden Freunde und Mitbürger Max Neuburger Worte der herrlichsten Anerkennung für seine Wirksamkeit auf allen Gebieten deS öffentlichen, besonders des Gcmeindelebens, zollte. Er gab seinem Bedauern, einen so bewährten Bürger zu verlieren, Ausdruck, indem er Namens der zahlreich anwesenden bürgerlichen Collegien ein von der Versammlung begeistert aufgenommenes Hoch auf den Scheidenden ausbrachte und mit dem Wunsche schloß, er möge auch in Stuttgart, in seiner neuen Heimath sich gleiche Anerkennung wie hier verdienen. Landtagsabgeordneter Robert Ebner sprach Namens der engeren Freunde, dem Scheidenden mit bewegten Worlen aus, wie alle ein Gefühl der Trauer beschleiche, wenn sie einen der Besten ziehen sehen, hob dessen Verdienste als braver Sohn seiner Familie, als Freund und Parteigenosse hervor und überreichte demselben Namens seiner Freunde einen prachtvollen silbernen Pokal, indem er den ersten Tropfen aus demselben auf das Wohlergehen des Jubilars und seiner Familie trank. Neuburger dankte in bewegten schönen Worten für alT diese großartige Ovationen, die er durch sein mehr als bescheidenes Wirken kaum verdient habe, und die höchste Ehre, die ein Bürger sich denken könne, sei jedenfalls die von den Bürgern der Stadt ohne Unterschied der Partei, mit den Vertretern und den über alles geachteten und geliebten Oberbürgermeister an der Spitze, in solcher Weise gefeiert zu werden. Nie werde sein geliebtes Ulm aus seinem Herzen schwinden, ein guter kUlmer werde er auch in Stuttgart bleiben und mit einem Hoch auf die Stadt Ulm und ihren Oberbürgermeister schloß der Jubilar seinen mit Beifall aufgenommenen Vortag. Noch viele andere Reden hoben die vielen Verdienste des N. hervor — unter andern toastirte vr. Lipheimer auch auf die Glaubensgenossen N.'s. Es entwickelte sich eine immer höher gehende Stimmung, und die Theilnehmer des Festes trennten sich in früher Morgenstunde mit dem Bewußtsein, ein Bürgerfest der schönsten Art gefeiert zu haben. (Ulm. Tagbl.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem vierunddreißigften Jahresbericht des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten entnehmen wir: 369 Zöglinge sind in diesem Jahre — gegen 319 im vorigen — unter der Obhut des Vereins gestanden. Neu ausgenommen wurden 111 — gegen 77 —, die Lehre vollendet haben 71. Diese letzteren bilden eine seit dem vierund* dreißigjährigen Bestände des Vereins noch nie erreichte Zahl. — Die Lehre vor ihrer Vollendung haben 46 veBlassen, und so zahlte der Stand Ende des verflossenen Jahres 252 Zöglinge. Im Gegensätze hiezu müssen wir zu unserem Bedauern abermals eine Abnahme der Mitgliederzahl um mehr denn 70. und in dessen Folge auch einen Ausfall in den Jahresbeiträgen um fast fl 400 cvnstatiren, wobei die unerläßlichen Ausgaben, wie Taxen, Wäsche und Bekleidung um beinahe fl. 800 zugenommen haben. Die Einnahmen betrugen 9193 fl., die Ausgaben 8915 fl. Aus der Hermann Todesco-Stiftung sind 5 Meister mit fl. 1350 unterstützt worden. Die obwaltenden, für den kleinen Gewerbsmann besonders drückenden Verhältnisse, sowie manche in den letzten Jahren nach dieser Richtung gemachten unangenehmen Erfahrungen, veranlaßten den Vorstand, nur diejenigen jungen Leute zur Etablirung eines selstständigen Gewerbes zu ermuthigen. welche hinreichende Gewähr für die Wahrscheinlichseit günstigen Erfolges bieten. Aus diesem Grunde konnten auch die so wohlthätig wirkenden Baron KönigSwarter- und Therese Meyer-Stiftung ihre Verwendung in diesem Jahre nicht finden. Serbien. Folgende Mittheilung, welche den Bericht über die den Juden von Semendria angedrohte Ausweisung vervollständigt, ist von traurigem Interesse. Der Befehl für ihre Ausweisung sollte im Juni v. I. erlassen werden. Mittlerweile brach der Krieg aus und die Juden erhielten, wie die übrigen Einwohner, den Befehl in die Armee einzutreten. Sie eilten zum Bürgermeister, um gegen diesen Befehl zu protestiren, da Serbien kein Recht habe, diejenigen, die es auszuweisen bereit sei, zu zwingen, Kriegsdienste zu leisten. Sie erhielten sodann die Versicherung, daß daö Ausweisungsdekret annullirt worden. Aber während die Männer gegen die Türken fochten, wurden deren Frauen, anstatt Geldunterstützung zu empfangen, ausgewiesen. (Jew. Ehr.)

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