Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1877)
- Date
- 1877-01-31
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XVIII. Jahrgang. Iweite Beilage zu tlr. 5 des Israelit. Leitender Artikel. Judenverfolgung iu Bumäuieu. ii. B «k a r e st, 16. Januar. Um sich gegen die Vorwürfe der ausländischen Journale bezüglich der jüngsten Judenaffaire im Districte Vaslui mit einigem Erfolg vertheidigen zu können, ist unsere Presse auf ein höchst sinnreiches Mittel verfallen. Anstatt, um die Ehre der Nation zu retten, die Urheber und Vollstrecker der abscheulichen Vorgänge zu eruiren und exemplarisch zu bestrafen, schien es ihr angezeigter, die Juden unter den fürchterlichsten Drohungen zu einem Dementi zu zwingen. Die Nullität einer solchen, durch Drohungen einer eingeschüchterten Bevölkerungsklasse entrissenen Erklärung ist in die Augen springend — das hatten die Herren vergessen. Lächerlich geradezu aber wird die Erklärung, die wirklich vor einigen Tagen in einem unserer Blätter, das am meisten gewettert und gedroht, erschienen ist, wenn die Thatfache ganz geleugnet wird, da dies bis nun weder die Regierung, noch auch irgend ein judenfresserisches Blatt zu thun den Muth gehabt hat. Nebstdem aber lauten aber auch noch meine genauen und positiven Informationen dahin, daß die Unterzeichner der Erklärung durchwegs unbekannte, jedenfalls obscure Personen, vielleicht — nicht einmal das sind. Eine zweite, einem Vereine junger Israeliten entspringende Antwort beschränkt sich darauf, die den Juden vorgeworfene Miturheberschaft an den in der fremden Presse erschienenen Angriffen auf die rumänische Nation in Abrede zu stellen. Aber schon hat das Beispiel VaSluis seine Nachahmer gefunden. Ich erfahre von bewährter Seite, daß in einem größeren Flecken neben Tekutsch, in Podul Turcului, ähnliche Stückchen wie in Vaslui, nur in anderer Form, aufgeführt werden. Da habe nämlich eine größere Anzahl von Israeliten, da sie selbst nach dem humanen Spirituosen- Gesitz nicht das Recht des Verschleißes in den Ruratgemeinden haben, sich mit Christen affocirt, um unter deren Namen und mit ihnen das Gewerbe zu betreiben. Die frühere Regierung wußte davon bereits, glaubte aber das drakonische Gesetz nicht in barbarischer Weise durchführen zu müssen. Die jetzige Regierung denkt indessen anders. Demnach ist eine wahre Hetzjagd auf solche Juden, wie die genannten Schankwirthe, gemacht worden, und begnügte man sich mit dem ohnehin harten Text des Gesetzes nicht, der Confiscation der Waare und Geldstrafe bestimmt, sondern zog das ganze Vermögen der Betroffenen ein und warf sie außerdem noch ins Gefängniß. — 17. Januar. lieber die Pefter Blätter sind die Herren Rumänen sehr aufgebracht, sie beschuldigen sie, daß sie Rumänien in dieser ohnehin kritischen Lage nur neue Verlegenheiten bereiten wollen. Gestützt auf die Erklärung von einigen unreifen jungen Leuten, leugnet die ganze rumänische Journalistik das Vorgefallene rundweg ab. Aber so viel ist denn doch trotz alles Leugnend constatirt, daß etwa siebzig jüdische Familien ausgewiesen worden sind; ferner kann nicht in Abrede gestellt werden, daß der Präfect des Vasluier Districtes, Lupaschko, höchsteigenhändig einige Juden geschlagen hat. Nur ein einziges rumänisches Blatt, der in Bakau erscheinende „Presentulu" hat den seltenen Muth, die in Vaslui verübten Gewalttaten zu bestätigen. Es veröffentlicht folgendes Actenstück, das,. wegen seiner Seltsamkeit wohl Erwähnung verdient. Es ist datirt vom 3/15. December 1876, wurde von dem Primär der Dorfgemeinde Munteni an den Juden Struhl Bahnar gerichtet und hat folgenden Wortlaut: „Mein Herr! Gemäß dem Beschlüsse des hiesigen Gemeinderathes Nr. 3 und gestützt auf Artikel X des Rural-Polizeigesetzes wird Ihnen befohlen, daß Sie binnen 12 Stunden die Gemeinden zu verlassen und sich ohne Weigerung auf einen zu bestimmenden Ort zu begeben haben. Im Falle einer Verzögerung werde ich Sie unter Bedeckung hinausschaffen. Gezeichnet : Th. Negurä, Primär; GH. D. Popovitsch, Secretär." Die Redaction des genannten Blattes erklärt, im Besitze vieler ähnlich lautenden Verordnungen zu sein. Es bedarf doch wohl keiner weiteren Beweise! Gestern erfuhr ich, daß auch im Districte Tekutsch an vierzig jüdische Familien in gewaltsamer Weise von Haus und Hof vertrieben worden sind. (N. f. P.)