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Der Israelit · 1877-01-24 · Heft 4 (24.1.1877) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 4 (24.1.1877)
Date
1877-01-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Beilage;u Ar. 4 des Israelit. AeitungSnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Auch in unserem sonst so friedlichen Lande regen sich die Maulwürfe, die den Frieden unter den Confessionen zu unterwühlen streben und besonders gern gegen unsere Glaubensgenossen die Flamme des Hasses entzünden möchten. Bei Gelegenheit - der Wahlen zum Reichstage erschien denn auch in einem hierländischen Blatte ein Haß athmender Artikel, der, vermutlich von einem Geistlichen herrührend, die Juden für alles Unheil verantwortlich machen will, das die gegenwärtige Zeit aufweist. Er erhielt in dem gleichen Blatte mehrere Abfertigungen. Insbesondere richtete gegen ihn Herr Bezirksrabbiner vr. Silberstein, in dessen Sprengel das Blatt erscheint, einen fulminanten Artikel, in dem er dem Dunkelmann eine tüchtige Lection ertheilte, die derselbe hoffentlich nicht so leicht vergessen wird. Oesterr.-Ungar. Monarchie. K. Prag Beneidenswerth sind jene Optimisten, die dem hiesigen jüdisch-religiösen Leben erfreuliche Seiten abzugewinnen vermögen. Immer weiter greift die Stagnation um sich, immer enger wird der Kreis der jüdisch Fühlenden, immer geringer wird das Interesse für jüdische Angelegenheiten. Und die Perspective in die Zukunft? Die ist wahrlich die trostloseste! Können wir erwarten, daß unser Nachwuchs dem jüdischen Namen Ehre macht, wenn derselbe weder mit den veredelnden Grundsätzen des Judenthums noch mit der belehrenden Geschichte der Juden vertraut gemacht wird? Wohl gewährleistet das Gesetz jeder Religionsgenossenschaft das Recht, für den Religionsunterricht seiner Angehörigen vorzusorgen; im Landes- sowie in den Bezirks- und OrtSschulräthen können und sollen auch jüdisch-religiöse Interessen vertreten werden; immer finden sich Leute, die diese Ehrenämter annehmen, d. h., die die damit verbundenen Ehren einheimsen, ohne aber die damit übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Selbst politische Freunde werden zugeben, daß der Vertreter der Juden im Landesschulrathe daselbst die jüdisch-religiösen Interessen, und nicht jene des Casino zu vertreten hat. Gerade in der jetzigen Periode hätte eS Noth gethan, getreue Wacht zur Wahrung der jüdischen Interessen zu halten. Wohl ist hierzu Jeder verpflichtet, aber die Nichterfüllung dieser Pflicht seitens Jener, die diesbezügliche Ehrenämter annehmen, ist geradezu — unverzeihlich Einige mögen wohl den besten Willen mitbringen, aber eS fehlt daS organisatorische Talent, den Sinn für jüdische Interessen wach zu erhalten; es fehlt der Muth, den Capazitäten entHegenzutreten, die ohne Interesse fürs Judenthum zu haben, sich an jüd. Ehrenämter herandrängen. Keine Norm für die Befähigung zur Ertheilung des Religionsunterrichtes, keine Anstalt, um für einen Nachwuchs jüdischer Religionslehrer vorzusorgen, kein Plan, nach welchem der ohnedies kärglich zugemessene Religionsunterricht ertheilt wird; dieß einzelne Aehren aus der Blumenlese dieser Thätigkeit. Das Volk verlangt nach dem Mannah des Religionsunterrichts, statt Brod werden ihm Sternchen in buntester Mosaikform geboten, — und dieses Programm der Programmlosigkeit findet Lobspender. Der Herr Einsender der in einer früheren Nummer Ihres geschätzten Blattes enthaltenen Prager Correspondenz würde die hiesigen Kreise sicher zu Dank verpflichten, wenn er in der Lage ist, die hier nachgewiesenen Uebelstände als den Thatsachen nicht entsprechend, hinzustellen. England. Lon-oit, 5. Jan. Die Morgenblätter enthalten eine Zuschrift von Herrn A. Lewy, demSekretair der Anglo-Jewish-Association, worin derselbe die Mitthetlung des „P Lloyd" von neuen Excessen gegen die jüdische Bevölkerung in Rumänien bestätigt. Er fügt hinzu, daß auf telegraphische Vorstellungen des Rathes der Asiociation in Bukarest am Mittwoch Maßregeln ergriffen wurden, um dem barbarischen Vorgehen des Bürgermeisters des Districts VaSlui Einhalt zu thun.

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