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Der Israelit · 1876-12-27 · Heft 52 (27.12.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 52 (27.12.1876)
Date
1876-12-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1197 die Lippen verächtlich kräuselnd, und einen bitterbösen Blick auf den jungen Mann werfend, verließ sie das Zimmer, die Thür geräuschvoll in's Schloß werfend. Erschreckt fuhr Werner auf und sah sich nach dem Mädchen um, das ihm die entsetzliche Nachricht überbracht, sie hatte sich bereits entfernt. Im ersten Augenblick schien es ihm unangenehm, doch was wollte er eigentlich von ihr? — Zwar schien es ihm unglaublich, daß der Commerzrenrath sie von dem wirklichen Sachverhalt unterrichtet; sonst hätte sie sich ihm nicht verloben können, hätte nicht so gegen Susanne sich äußern können; aberkannte, durfte er sie aufklären? jetzt, wo sie bereits die Verlobte eines andern? — das verbot ihm sein Rechtsgefühl. Er konnte, er durfte nichts thun — der schönste Traum seines Lebens war zu Ende und kalt und schaal starrte die entsetzliche Wirklichkeit ihn an. Das Leben hatte allen Reiz für ihn verloren, doch er war sich der Aufgabe des Lebens bewußt und wollte ihr gerecht werden. — Die Glockenschläge des nahen Doms verkündeten die neunte Stunde; jetzt erst enlsann er sich, daß er in seinem Comptoire erwartet werde; er hatte Verpflichtungen, er mußte ihnen entsprechen. Rasch erhob er sich, kleidete sich an und eilte in sein Geschäftslokal. Gleich bei seinem Eintritt kam ihm ein Telegraphenbote entgegen und übergab ihm eine Depesche. Fast mechanisch entfaltete er das Blatt und überflog es; es enthielt eine höchst bedeutungsvolle Mittheilung und Werner hätte nicht der ausgezeichnete Geschäftsmann sein müssen, der er war, hätte diese ihn gleichgiltig lassen können. Es galt eine Operation von höchster Wichtigkeit und unverzüglich mußte er seinen Entschluß fassen. Nachdem er mit seinem Prokuristen Rücksprache genommen, entschloß er sich, das Geschäft persönlich zum Abschluß zu bringen und wenige Stunden darauf befand er sich im Eisenbahnwaggon. Das Geschäft glückte, sein Vermögen hatte sich mit einem Schlage beinahe verdoppelt; er empfand allerdings eine Art Befriedigung über diesen glänzenden Erfolg, aber Freude empfand er nicht. Im Innern seiner Brust da war es so leer, so kalt; mehr als je empfand er sein Allein,rehen. Wohl hatte er Freunde, aber alle seine Freunde hatten Familie; nur er, er hatte keine, hatte keinen Menschen, für den er sorgen, für den er arbeiten konnte. keinen, der mit seiner Freude sich freute, der seinen Schmerz mitempfan). Er war allein, ganz allein, war es umsomehr, als er bereits in seinen Träumen es nicht mehr gewesen. Und darum ließ es ihn kalt; mochte nun sein Vermögen sich verdoppeln oder auch verdreifachen. Denn seltsam, seit jenem Tage, der in jeder Beziehung einen Wendepunkt in seinem Leben bildete, schien es, wie wenn er mit sog. Glücksgütern überhäuft werden sollte, als solle er durch den glänzenden Schimmer des Glückes schadlos gehalten werden für dessen Wesen, das ihm verweigert wurde. Was er unternahm, glückte; jedes Unternehmen, an dem er sich betheiligte, prosperirte; was er berührte, schien zu Gold zu werden. Das Haus Leo Werner, zählte bereits zu den ersten Geschäftshäusern der Residenz und doch war der noch jugendliche Chef desselben so arm, so unsäglich arm an wirklichem Glück. Doch er wußte die Oralen seines Herzens zu mildern; indem er die Anderer linderte, mußte er eine Art Glück sich zu erzwingen, indem er Andere beglückte; er hatte mcht Einen Menschen, für den er lebte und sorgte; er lebte und sorgte für Hunderte. (Fortsetzung folgt.) A N ZJUG E N. Für den folgenden Theil ist die Reduction nicht verantwortlich. Gesucht. Ein junger Mann, der nunmehr seiner Mili-; tärpflicht Genüge geleistet, sucht unter bescheidenen : Ansprüchen eine Stelle, am liebsten als Reisender. : Offerten besorgt die Expedition d. Bl. sub S* L.; in 16jäyriger ,unger Mann aus achtbarer Fa-! milie, der bis vor Kurzem die Prima eines i Gymnasiums besuchte, sucht in einem Engros-Geschäfte (am liebsten in einem größeren Weingeschäfte), wo er Samstag und isr. Feiertage frei hat, eine Stelle als Lehrling. Offerten unter L. L. 3125 nimmt die Exped. d. Bl. entgegen.

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