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Der Israelit · 1876-12-27 · Heft 52 (27.12.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 52 (27.12.1876)
Date
1876-12-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1195 alten Herrn seinem Zimmer hinunter gerannt -sind und ausgesehen haben S'e — so was ha*oe ich sobald nicht wieder gesehen, und keinen Menschen haben Sie angeschaut, und wenn ich nicht geschwind auf die Seite gesprungen wäre, so hätten Sie mich sicher über den Haufen gerannt. Und als ich nun ganz erschrocken üt'S Zimmer zu meinem Fräulein laufe und ihr erzähle, wie Sie mir begegnet sind, — da schaut sie eben so bleich aus wie Sie und fängt an zu zittern, es war schrecklich, sage ich Ihnen. Ich wollte partout, daß sie sich niederlegt, aber das hat sie absolut nicht gewollt. Nein, sie muß hinunter zu Tisch, der Herr Commerzienrath wird auf sie warten. Als ob's ihm was geschadet hätte. Nun also, essen hat sie doch nichts können, ich hatte es gleicd gewußt und der Johann, der bei Tisch aufgewartet hat, hat mir's noch extra erzählt. Nicht einen Bissen hat sie in den Mund genommen. Und der alte Herr hat sie immer so traurig angeschaut und immerfort versucht, mit ihr zu discuriren, aber es ist nicht gegangen. Es war ganz schrecklich, hat der Johann gesagt. Und als der alte Herr mit dem Speisen fertig gewesen ist, hat er sie auch gebeten, sie möchte sich nieder legen, aber da hat sie ihn gebeten, sie möchte was mit ihm reden, und da sind sie mitsammen in dem Herrn Commerzienrath sein Zimmer gegangen. Der Johann hat rnir's gleich erzählt und das hat mir gleich nicht gefallen. Denn warum? was braucht sie in dem Herrn sein Zimmer zu gehen? Der Herr kann zu ihr kommen, wenn sie mit ihm reden will; sie ist ja doch Baronesse von Mosbach. Und lange ist sie in dem Herrn sein Zimmer geblieben, ich glaube sicher mehr als anderthalb Stunden, und als sie dann endlich herausgekommen ist, wie hat sie da ausgesehen! noch zehntausendmal ärger als vorher, davon können Sie sich gar keinen Begriff machen, Herr Werner. Kaum daß sie sich hat aus den Füßen halten können, der alte Herr hat sie geführt, aber er hat kaum mit ihr weiter kommen können. Na und da, das hat mir sogar sehr gut von dem Herrn Commerzienrath gefallen, daß er solche Angst um sie gehabt hat. Er hat beinahe selber gezittert und gleich hat er mir gerufen und mir gesagt, ich möcht das gnädige Fräulein zu Bette bringen. Und alle zehn Minuten ist er gekommen und hat gefragt, wie es dem Fräulein geht, und ich habe immer nicht recht gewußt, was ich ihm sagen solle; denn das Fräulein hat über gar nichts geklagt, sie hat nur ganz ruhig im Bette gelegen und hat immer die Augen zu gehabt und wer nicht nahe bei ihr war, der hätte glaube« können, sie schlaft den ganzen Tag. Aber das Ist nicht wahr gewesen, denn wenn man sie, wie ich, immer ganz aufmerksam angesehen bat, dann hat man gesehen, wie aus den zunen Augen immer ganz langsam Thränen rausgelaufen sind. Herr Werner, das ist ein Jammer gewesen! Werner seufzte schmerzlich, er stützte den Arm auf den Tisch und mit der Hand die Stirn, so daß seine Augen bedeckt waren, aber Pfanne behauptete später, sie habe Thränen in seinen Augen gesehen. Nach kurzer Pause fuhr sie fort: „Drei oder vier Tage ist mein cumes Fräulein so gelegen, ich habe immer geglaubt, der Herr wird um den Doktor schicken, denn sonst wird immer gleich der Sanitätsrath Wolter geholt. Aber hintendrein hat mir's doch auch geschienen, als ob der Herr Recht gehabt hat, daß er nicht um den Doktor geschickt hat, denn warum? was kann der Doktor thun, wenn, wenn —" sie schaute den jungen Mann böse an, „wenn böse Menschen dem armen Fräulein Böses thun. Ueberhaupt hat mir alles sehr gut gefallen, wie sich der alte Herr die ganze Zeit benommen hat. Alles hat er gethan, was er ihr nur an den Augen hat absehen können. Alle Tage hat der Johann die schönsten Blumen bringen müssen und alle Tage hat der Herr sie wo anders hingeführt in Gesellschaften und in Theater und in die Oper und was weiß ich wohin noch. Und so viel Mühe hat er sich immer gegeben, sie vergnügt zu machen. Es bat mir wirklich sehr gut gefallen, denn warum? ich habe ja nicht gewußt, warum er'S thut. Aber gestern Abend — merken Sie auf, Herr Werner, jetzt kommt's. Also gestern Abend, nein, ich meine gestern Mittag hat der Herr das Fräulein gefragt, ob sie die Meistersänger hören wolle, und das Fräulein hat ja gesagt und hat mir befohlen, ich möchte die Toilette zur Oper zurecht legen. Aber gegen Abend, gerade denk ich mir, es wird nun bald Zeit sein, daß du dein Fräulein ankleidest, und geh in ihr Ankleidezimmer und mache gerade die Thür auf und will zum Fräulein ins Zimmer gehen, da kommt durch die andere Thür der Herr Commerzienrath herein, schon ganz in Toilette geschniegelt und gestriegelt, und ist ganz verwundert, daß das Fräulein noch nicht Toilette gemacht hat und sagt, daß es schon sehr spät ist. Aber das ist gat nicht wahr gewesen, es ist noch ganz ftüh genug gewesen. Aber das Fräulein schaut im Augenblick nicht auf die Uhr, entschuldigt sich, daß sie ihn warten lassen müsse und sagt, sie wolle sich eilen und bestimmt in zehn Minuten fertig sein. Aber der alte Herr sagt, wenn sie vergessen hätte zur Oper sich an-

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