Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1876)
- Date
- 1876-12-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1158 deutung: Vittorio Kara, Rath im Ministerium des öffentlichen Unterrichts und Marco Alatri, Sohn des als Kämmerer der Stadt undjDeputirter des Parlaments rühmlichst bekannten Samuele Alatri. Ihrer unermüdlichen Thatkraft und vollen Hingebung ist es vorzüglich zu danken, daß der Verein seit der kurzen Zeit seines Bestehens bereits ein so günstiges Resultat erzielt hat. Der Minister des Innern hat dem Vorstande seine Anerkennung über die Leistungen der Schule, welche die jüngst in Gegenwart vieler Notabeln vorgenommenen Prüfung ergeben hat, durch die Zusendung von 6 Sparkassenbüchern ä 50 Lire für eine künftige Prämiirung ausgedrückt. Die „All. Jsr. Univ." in Paris hat in richtiger Würdigung der Verhältnisse, „um die Spuren einer langen und traurigen Vergangenheit verwischen zu helfen", «dem Vereine eine einmalige Subvention von 300 Frcs. gewahrt. Aber immerhin ist es nur als Anfang zu betrachten, was der Verein bisher leisten konnte, gar Vieles bleibt noch zu thun übrig, was nur durch vereinte Kräfte angestrebt und durch bedeutendere Mittel erreicht werden kann. Es handelt sich hierbei um eine jüdische Gemeinde, die außerhalb Palästinas als die älteste auf dem weiten Erdenrunde zu betrachten ist, um eine, 5000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung, die, wie oben von anderer Seite geschildert worden ist, systematisch zu Grunde gerichtet worden ist, noch heute an den Wunden leidet, bie ihr von finsterem Glaubenshaß geschlagen worden, ja über die noch heute in Folge dessen das Damoklesschwert, welches jene Gewaltherrschaft geschliffen hat, drohend schwebt. Wie man mir nämlich aus Rom schreibt, ist jüngst die brennende Frage wegen der Wohnungsverhältnisse im Ghetto wieder aufgetaucht, wodurch die jüdische Bevölkerung in große Aufregung versetzt ist. Die Bewohner des Ghetto besitzen nämlich aus alter Zeit her noch das Jus Gazaga (vom hebräischen Worte Chasaka, Besitzanrecht). Unter der Regierung der wenigen Päpste, welche eine Ausnahme von der Regel gebildet und gegen die Juden milde gesinnt waren, wurde die Letzteren angethancne Gewalt, daß man ihnen die Häuser genommen, dadurch in Etwas gemildert, daß für ewige Zeiten die Miethp reise 'festgestellt wurden, welche die Juden für die Häuser im Ghetto zu entrichten hatten. Die Miethen waren natürlich, den Verhältnissen jener Zeit angemessen, so niedrig normirt, daß die Juden kaum geneigt sein konnten, von der seit der neuen Aera eingeräumten Freiheit, überall in der Stadt wohnen zu dürfen, Gebrauch zu machen. Denn seit dem Tage, wo,Rom die Hauptstadt Italiens geworden ist, sind die Miethpreise in der Stadt bis zur schwindelndsten Höhe gestiegen. Daher können die Juden das Jus Gazaga, ein so theuer erworbenes Recht nicht ohne Weiteres aufgeben. Wie hoch dies im Werthe galt, erfuhr man bei Erbfchaftsregulirungen, bei Verheirathungen, wo eS die ganze Mitgift bildete u. f. w. Bald nach dem 20. September 1870 wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht den Juden ohne Weiteres jenes Recht genommen werden dürfte, da ihnen nunmehr die Niederlassung innerhalb der ganzen Stadt freistehe. Diese Frage beschäftigte die bedeutendsten Rechtsgelehrten, welche zu entscheiden hatten, ob das Jus Gazaga ein reales oder personales Recht sei. Andere dazwischen getretene Ereignisse ließen die Erledigung dieser Angelegenheit verschieben; jetzt aber hat die Commission, welche mit der Einziehung der geistlichen Güter betraut ist. auch diese Frage von Neuem angeregt und sie vor das Forum des Gerichts zur Entscheidung gebracht. Mann kann sich denken, mit welcher Spannung die jüdische Bevölkerung des Ghetto dem Ausgange dieser Sache entgegensieht, da eine Aberkennung dieses Rechts, ohne jede Entschädigung ihr von Neuem einen Schlag versetzen würde, der die unter der Regierung Victor Emanuel's zu neuem Leben kaum erwachten Juden Rom's wieder auf lange Zeit zurückwcrfen würde. Daher verdient eine so vielseitig und beispiellos noch immer an den Schlägen früherer Barbarei laborirende Gemeinde die allgemeinste Theilnahme, damit endlich die traurigen Züge ausgetilgt werden, mit denen ein schwarzes Blatt in der Geschichte der Menschheit sich darstellt. Manches weitangelegte Herz wird solchen humanen Bestrebungen, auch wenn sie räumlich fern liegen. sein Mitgefühl nicht versagen und vielleicht auch ein Scherflein für diese Zwecke der Humanität zu spenden gern bereit sein, „dessen Uebermittelung an die LooietL della Fratellanza in Rom ich mit Freuden übernehmen würde. Berlin (0. Gipsstr. 12a,) 8. Dec. 1876. Dr. A. Berliner, Lehrer am Rabbiner-Seminar. In der nächsten Nummer wird im Hauptblatte eine größere Erzählung: „Der König!. Resident" beginnen. Die zum 1. Januar neu eintretenden Abonnenten erhalten, wenn sie uns davon benachrichtigen, die Nummern 51 und 52 schon gleich nach deren Erscheinen gratis und franco zugeschickt. Die Expedition des Israelit.