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Der Israelit · 1876-12-13 · Heft 50 (13.12.1876) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 50 (13.12.1876)
Date
1876-12-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Zweite Leilage zu tlr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. Zur neueren und ncuegen Geschichte der Juden Nom's. . Einem der bedeutendsten Journale Rom's, dem „Diritto" vom 23. v. M., entnehmen wir folgenden Bericht: Zu den edelsten Errungenschaften, welche Rom feiner neuen Aera verdankt, gehört die im Anfänge dieses Jahres erfolgte Begründung einer Gesellschaft der Brüderlichkeit (Loeieta äella^ratollansa) für den moralischen und materiellen Fortschritt der armen Juden in Rom. Die Geschichte der Juden in Rom unter der Gewaltherrschaft des Klerus ist noch nicht vollständig geschrieben. Noch aber leben die Erinnerungen und existiren dieThatsachen, um sie schreiben zu können — und dieses Buch würde das strafbarste Brandmal von Infamie darstellen, welche von der sinnlosen Tyrannei, der grausamen Unduldsamkeit der römischen Curie begangen worden ist. Die Juden waren geduldet in Rom, aber geduldet zum Gespötts des gemeinsten Aberglaubens, geduldet um den Preis jeder erdenklichen Erniedrigung. Biele Jahrhunderte hindurch waren sie als die Parias unter der Bevölkerung Rom's angesehen und behandelt worden; bis zu einer gewissen Zeit zwangen die Priester jene Unglücklichen, während des Carnevals auf dem Corso wie die Berberhengste zu rennen und für eine abscheuliche Belustigung des Pöbels zu drenen. Die Juden waren verdammt, im schmutzigsten, ungesundesten Winkel der Stadt zu leben, ausgeschlossen von allen öffentlichen Aemtern, zurückgewiesen von den Schulen, untheilhaftig jeder Wohlthat und Barmherzigkeit, unterworfen den schimpflichsten Steuern und Abgaben — konnten da die empfindlichsten Merkmale einer solchen bestialischen Verfolgung auSbleiben? Es in nur ein Wunder der Standhaftigkeit, welches die Juden im Unglücke stets aufrecht und zusammenhält, und das auch hier unter dem so schwer drückenden Joche der Priester wenigstens sie noch vegetiren ließ. Allerdings zeigen sich noch in der Gegenwart bei den Juden Rom's nach vielen Beziehungen hin die Spuren jener grausamen Tyrannei. Nur Wenige von ihnen haben sich von dem Elende und der Unwissenheit frei machen können. Erst seit der Einnahme der Porta Pia (20. September 1870) sind sie erlöst, nunmehr verbrüdert mit den anderen Bürgern, um sich gleicher Rechte, gleicher Gesetze, gleichen Antheils an der italienischen Civilisation zu erfreuen. Tie Gesellschaft der Brüderlichkeit hat das edle Streben, die Schäden, welche die Vergangenheit angerichtet hat, auszubeffern, vielen Familien und unglücklichen Kindern die Wege des Unterrichts, der Arbeit und des Wohlstandes zu öffnen. Der Verein hat bereits viele und ausgezeichnete Freunde in Rom und außerhalb gewonnen, wie dies die Namensliste der Mitglieder ergiebt, deren Zahl immer mehr im Wachsen begriffen ist. Unterstützt von Special-Commissionen hat die Verwaltung des Vereins bereits Bedeutendes leisten können. Es konnte eine Anzahl erwachsener Knaben in die Lehre bei Tischlern, Schmieden, Sattlern, Hutmachern, Schneidern u. A. untergebracht werden. Diese Lehrlinge werden zugleich zum pünktlichen Besuche der Abendschule angehalten, wodurch die weitere Ausbildung derselben im elementaren Wissen gefördert wird. Durch Einschreiben kleiner Beträge in die Sparkassenbücher für einen jeden Einzelnen wird zugleich Etwas für das spätere Fortkommen gethan. Für die Herstellung eines regelmäßigen Schulbesuchs wurde eine Statistik der Kinder von 4 bis 12 Jahren ausgenommen, ^ie Einschreibung von schulpflichtigen Kindern, deren Eltern es bis dahin vernachlässigt hatten, von Seiten des Vereins bewirkt. Beim Austritt aus den Asylschulen (Kleinkinderschulen) wurde eine besondere Controle darüber gehalten, daß die Austretenden zur Elementarschule übergehen, wobei der Vorstand sehr oft ihre Einschreibung selbst bewirkte. Mehrere der Fleißigsten wurden mit Sparkassenbüchern prämiirt, Ändere wurden durch Geschenks in nützlichen Schriften oder Kleidungsstücken bestehend, zum Fleiße und guten Betragen aufgemuntert. Es ist nicht zu verhehlen, daß die Arbeit schwer, lang und mühsam ist; aber man ist zu der erfreulichsten Hoffnung berechtigt, daß sie zu den erwünschtesten Resultaten führen werde, und zu denen daher edeldenkende und eben so handelnde Menschen ihr Scherflein beitragen mögen. Soweit der Bericht des Diritto, für den noch einige Ergänzungen folgen mögen. An der Spitze des Vereins stehen 2 mir persönlich bekannte Männer von nicht geringer Be-

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