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Der Israelit · 1876-11-29 · Heft 48 (29.11.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 48 (29.11.1876)
Date
1876-11-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1102 die Mehrzahl der Leser diesen Zeilen, Jeremias Löv als Mann des Kampfes sich denken, der mit seinem Donnerworte Chassidäer und Nichtchassidär in Schranken hielt, so wollen wir ihn gleichzeitig der Mitwelt als aufopfernden Familienvater,*) als eminenten Gelehrten auf dem Gebiete der Geschichte und Staatenkunde, als Beschützer des Verfolgten, der Wahrheit und des Rechtes, gegen Heuchelei und Bosheit, als Kinder- und Jugendfreund**) bezeichnen, der liebevoll sich auch jener Schüler annahm, die er als zukünftige Prediger- Rabbinen nicht protegiren wollte, doch stets im Auge behielt. Während die Gebeine des chassidischen Rebben im alten Friedhofe ruhen, zu denen am Jahrestage Hunderte wallfahren, hat man Rabbi Jeremia auf dem neuen Friedhofe gebettet, umzäumt mit einem bescheidenen Gitter und einem einfachen Thürchen für seine Familie. Möge dem großen Tobten die Eide leicht sein! Und wieder rollte es weiter, während uns tausend und tausend Gedanken beschäftigen, bei Sarospatak, einer berühmten reformirten Hochschule und einer ebenso unbedeutenden Gemeinde vorüber, die an und für sich nichtssagend und sich nicht aus dem Bereiche des Gewöhnlichen zu erheben vermochte. Auch an Liscka kamen wir vorüber, wo noch vor Kurzem Rebb Herschle als Chassid wirkte, das aber, nachdem die beiden Rebbes, die feine Nachfolger fein wollten, sich nicht verständigen konnten, ganz verödet daliegt. Es wäre ebenso vorlaut über die Chassidäer Ober- Ungarns den Stab zu brechen, als ihnen Lobeshymnen zu singen. Wenn ein Rebb Jeremia, ein Enkel des npn p» tys , der Tag und Nacht das Gotteswort studirte, einzig und allein seinem schweren Berufe lebte, ein Recht hatte, ein hartes Urtheil über die im Wachsen begriffene Chassidäer zu fällen, so kann sich ein gewöhnlicher Beobachter dieses Recht nicht anmaßen, vielmehr heißt es hier bescheiden schweigen und mit jedem harten Worte zurückzuhalten. Vielleicht ist es nur wenigen Eingeweihten bekannt, daß Rebb Herschele, der chassidische Rabbi in Liszka, jahrelang dem Rabbi Jeremias Löv wenige Tage vor Jomkipur iu S. a. Ujhely einen Besuch machte und daß Rebb Jermia nie so oft er auch durch Liszka fuhr, Rebb Herschle einen Gegenbesuch abzustatten für zweckmäßig fand. Wir wissen nicht, ob zwischen dem hageren, todtbleichen *) In der Brieftasche des Verstorbenen fand man 91/2 fl. ö. W., daS ganze Vermögen des großen Mannes, bestimmt für den Lohn den Deenstboten. **) Sein letzter Gang rv.rr in die Volksschule zur Prüfung. Liszkaer Heiligen und dem strengen für die heilige Religion gottbegeisterten Rabbi Jeremias Löv eine Versöhnung stattgefunden hat, so viel ist gewiß, daß Rebb Herrschte, sobald man das Gespräch aus diesen Gegenstand brachte, stets auswich. Unweit Liszka liegt das Städtchen Tolcsva, in Mitten zwischen Weinbergen, in der weltberühmten Hegyalja. Wie oft habe ich dich, du Zierde Ungarns, mit deinen herrlichen Weingärten besucht und immer pocht es mächtig in mir, dich neuerdings zu begrüßen. Wenn auch in anderen Gegenden unser Volk sich einer jeden anstrengenden Beschäftigung hingibt, so ist doch ganz insbesondere in der Hegyalja unter den Israeliten die Pflege der Lnndwirthschaft so recht zu Hause. Nichts ist zu hart, wozu nicht der Sohn unseres Volkes in dieser so lieblichen Landschaft greift. Hier siehst du einen Sohn Judas dem Ackerwagen nachgehen, dort schwarzäugige Männer Trockenbeeren kaufen, wieder dort junge Bürschlein im Aufträge ihres Herrn Arbeiter nach Tokaj führen, einem Städtchen im Gebirge, welches dem weltberühmten Wein den Namen gab. Tokaj gehört zu den wenigen Städten Zemplins, die im Sinne der Statuten der Durchführungscommission organisirt sind, nachdem die Gemeinden in ihrer Mehrzahl «tatus guo Gemeinden find. Obwohl wenig Chassidim in Tokaj leben, so ist doch der Gottesdienst in der Hauptsynagoge sephardisch. Erst gegen Mittag hatten wir Miskolcz erreicht, eine von mehr als 4000 Israeliten bewohnte Stadt, über diese und unsere sonstigen Reiseerlebnisse, mit Erlaubniß der geehrten Redaktion, im nächsten Briefe. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Frankreich. Pakts. (Monatsbericht (Oktober) der „All. Jsr. Univ." Schluß.) Etwa 40 Familien werden mit je 21/*—■4 §r. wöchentlich von der Gemeinde unterstützt, die hierzu ein von einem gewissen H. Cohen aus Lissabon vermachtes und von H. Jomtob Berjel verwaltetes Legat besitzt. Die Talmud-Thora wird gänzlich von der Gemeinde erhalten und von der Junta governativa verwaltet; es sind an ihr 2 Rabbinen angestellt, von denen Einer aus Tetuan; die Ausgaben, die 180 Fr. monatlich betragen (für 2 Rabbinen je 80 und 1 Bedienten 20 Fr.), werden durch eine Steuer gedeckt, die allen Israeliten von Gibraltar auferlegt gewesen, mit deren Einkassirung sich jedoch Niemand befaßt. Ich habe es für meine

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