Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1876)
- Date
- 1876-11-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1100 fortlaffen, bis ich Dir versprach, ich würde wiederkommen und Dich zur Frau nehmen und dann immer bei Dir bleiben. Und als ich nach 4 Jahren, nach vollendeter Lehrzeit, wiederkam, da war Dein erstes Wort: „Heirathest Du mich, und bleibst Du jetzt bei uns?" O, Theresa, ich kann Dir nicht sagen, wie mich dies Wort des Kindes mit Entzücken erfüllte; es war mir ein Beweis, daß Du den Spielkameraden nicht vergessen haltest. Aber ich war ein armer Junge, und Du warst ein reiches Mädchen. Ich ging nach America, um diesen Unterschied auszugleichen. Biel habe ich kämpfen, leiden und entbehren müssen in jenem großen Lande; aber der Gedanke an Dich, die Hoffnung, Dich einmal zu besitzen, hielt mich aufrecht in allen schwierigen Lagen. Endlich hatte ich es soweit gebracht, daß ich als wohlhabender Mann zurückkehren konnte. Plötzlich kam mir der Gedanke, Du könntest schon verheirathet sein; ich beeilte meine Abreise, flog nach günstiger Ueberfahrt von Bremen mit dem Courierzuge hierher und fand Euch in Noth und Elend. O, Klein-Theresa, ich muß -es nur gestehen, es hat mir das große Freude gemacht; nicht etwa, daß ich mich Eures Kummers freute; bewahre der Himmel, daS nicht; aber der Gedanke einen Theil der erwiesenen Wohlthaten vergelten zn können, die Aussicht, Dir die Früchte meines Fleißes als eine willkommene Gabe zu Füßen legen zu können — das war'S, was mich beglückte. Und nun, Theresa, der große Augenblick ist gekommen; der Vater ist einverstanden. Sprich, willst Du die stillen Wünsche meiner Kindheit jetzt verwirklichen, willst Du die meine werden?" „„Vetter Abraham,"" antwortete Theresa mit zitternder Stimme, „„Dein Vorschlag kommt mir nicht unerwartet. Mein Vater und ich, wir sind Dir so außerordentlich zu Dank verpflichtet. . ."" „Halt, Klein-Theresa, Ihr seid mir nicht im Geringsten zu Dank verpflichtet. Was ich für Euch gethan ist nichts, gar nichts im Vergleich zu dem, was Dein Vater einst mir erwiesen; ich möchte nicht, daß das Gefühl des Dankes Deine Entschlüsse beeinflusse." „„Du bist durch und durch ein edler Mensch, und ich bin entschlossen, die Hand, die Du mir entgeustreckst, anzuuehmen. . „Klein - Theresa, Du machst mich zum glücklichsten Menschen!" „„Halt, Vetter Abraham, Du hast mich nicht aussprechen lassen. Ich habe zuvor ein offenes Bekenutniß abzulegen. Lieber, guter Vetter, ich kann die herzinnige Liebe, die Du mir so großmüthig bewahrt hast, nicht erwiedtzrn . . . ich . . . ich liebe einen Andern!"" . C*. _ „Du liebst einen Andern 7"^^ AbraharWßbar, als er dies sagte, furchtbar blgß_geworden. „Und wer ist dieser GlücklMe?" fragte er nach einer Pause. „.Ich weiß nicht,"" entgegnete The^zsa, „„ob Du von der Geschichte, die^fich zwischen mir und Baron Hohenacker abgespielt/^ehört „Ich habe davon gehört. Dies es gewagt, Dich tödtlich zu belei edles Mädchen, hast ihm das Leb hat dann um Dich geworben; verschmäht, O, ich liebe Dich'doI Deine That." „„Ich aber, ich liebe den Baron."'" „Denselben, den Du verschmäht hast?" „„Denselben."" „Das begreife, wer kann." „„Vetter Abraham, ich liebe Hohenacker mehr als mein Leben; aber noch weit mehr liebe ich meinen Gott, liebe ich unsere heilige Religion. Sollte ich einen Mann heirathen, der vom Judenthume nichts weiß und vielleicht mir zu Liebe sich darein fügt, oberflächlich und dem Scheine nach Gottes Gebote zu beobachten? Nein, ich habe gegen das Gefühl, das mich beherrscht, gekämpft. Noch ist es mir nicht gelungen, es auS meinem Herzen zu reißen; aber niemals werde ich einer Empfindung nachgeben, die mein Verstand nicht billigt. Deßhalb, Vetter Abraham, bin ich bereit, Dir meine Hand zu reichen; ich werde mich bemühen, Dir eine liebevolle Gattin zu werden."" „Du willst mir ein Opfer bringen, Theresa? Nein, ich kann dieses Opfer nicht annehmen — und ich, ich will keine Frau, die einen Andern im Herzen trägt. Mag der Traum meiner Kindheit gleich einer Seifenblase zerplatzen! Theresa, Theresa, was hast Du mir gethan!" Und der starke Mann weinte wie ein kleine, Kind. Auch Theresa traten die Thränen m die Augen. „Vetter Abraham," sagte sie. „ich kann nicht anders; ich muß vor allen Dingen aufrichtig sein gegen Dich und gegen mich selbst." rz (Fortsetzung folgte * : - Hierzu zwei Beilagen. P . ’t*1 - r Verantwortliche Aedaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Voux'schen Hofbuchhandlung. I. vottrleben'r Buchdrurkerei (Mainzer Anzeiger.)