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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Zweite Lrilage )« Nr. 45 des Israelit. Zeitungsnachrichten & Correspondenzen. Deutschland. Wiesbaden, 6. Nov. Auf Grund des Gesetzes vom 28. Juli haben bis jetzt 41 hiesige isr. Bürger, sämmtlich Mitglieder der (orthodoxen) isr. Religionsgesellschaft, ihren Austritt aus der Synagogen-Gemeinde beim Amtsgericht erklärt. In nächster Woche sende ich Ihnen, s. G. w., einen ausführlichen Bericht. Marburg, 7. November. Herr Dr. L eo Munk aus Berlin, Neffe und Schüler des Herrn Rabb. Dr. Hildesheimer. Sohn desRabbinats- Assessors Herrn Elias Munk zu Altona, ist als Provinzial - Rabbiner hierher berufen. Derselbe wird baldigst seine Stelle antreten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 31. Oct. Nach langem Stillstände scheint in derHiesigen israelitischen Cultusgemeinde das Leben wieder rascher zu pulsiren; man bemerkt, dag die Repräsentanz sich bestrebt, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. In letzter Zeit stellte sich bei dem Andrange vieler jüdischer Schulkinder zu den öffentlichen Volks- und Mittelschulen, die Nothwendigkeit heraus, für den jüdischen Religionsunterricht in ausgiebiger Weise zu sorgen; es wurden daher die Lehrkräfte thunlichst vermehrt, so daß gegenwärtig 6 Religionslehrer an den öffentlichen Schulen fungiren. Auch die Ta'.mud-Tora-Schule, bei welcher 4 Lehrer wirken, gedeihet immer mehr und zählt bis 200 Schüler. Im nächsten Monate beginnen jeden 2. Samstagabend die vom Vereine Afike Jehude alljährlich veranstalteten wissenschaftlichen Vorträge über verschiedene Dhemate, entnommen der jüdischen Literatur und der jüdischen Geschichte. Namhafte Gelehrte haben bereits Vorträge angemeldet. Die jüngsten hohen Feiertage sind diesmal ohne jeden Versuch,^ gewisse Reformprojekte zu realisiren, vorübergegangen. Die Ursache mag wohl sein, daß im neuen Tempel, der doch für derlei Versuche maßgebend ist, Herr Professor Or. Kämpf in seinen Predigten mit der ihm eigenthümlichen Be- * redtsamkeit und wissenschaftlichen Ueberzeugung für das historische Judenthum und dessen Institutionen eintritt, das Interesse für dasselbe wach hält, welchem Einflüsse es zugeschrieben werden muß, wenn die im Stillen geplanten Neuerungen nicht zur Ausführung gelangen. Auch in anderer religiösritueller Richtung ist ein Schritt zum Bessern geschehen. Die recht lange schwebende Regulirung der Koscherfleischangelegenheit wurde auf eifriges Betreiben des Gemeinderabbinates von der Cultusrepräsentanz in befriedigender Weise dahin geordnet. daß die jüdischen Fleischhauer beim Rabbinate eine Erklärung zu fertigen haben, in welcher sie sich der Aufsicht des Rabbinates unbedingt unterwerfen und alle Bestimmungen bezüglich der Koscherfleischbehandlung zu halten sich verbinden, worauf dieselben vom Rabbinate mit Certificaten betheilt werden, welche sie in ihren Localen affichiren. Rumänien. Bukarest. Bekanntlich, meint die „D. Ztg.", ist die autochthone Bevölkerung Rumäniens in voller Degeneration begriffen und stirbt aus. Schuld daran hat die unglaubliche Sittenlosigkeit, welche dort in den sogenannten „höheren Stünden" wie unter dem Landvolk herrscht. Wie aber die rumänische Regierung darüber denkt, darüber entnehmen wir dem „Timpul" eine höchst charakteristische Mitteilung. Es handelt sich um eine Unterredung zwischen Sr. Ercellenz dem HerVn Minister des Innern Bernescu und dem Präsidenten des Sanitätsrathes Dr. Fleischler. Herr Bernescu theilt Dr. Fleischler mit, er habe in Erfahrung gebracht, daß weniger Juden üls Christen in Bukarest sterben. Dr.. Fleischler bestätigt diese Nachricht und verweist auf einen Bericht an das Ministerium, in dem er die Gründe dieser traurigen Erscheinung auseinandersetzt. „Was für Gründe?" fährt ihn Bernescu an. „Nur die Nachlässigkeit der Aerzte ist daran schuld!" Der Arzt guckt Se. Ercellenz sehr erstaunt an, dieser aber fährt fort: „Ihre Pflicht, mein Herr Doktor, ist, es dahinzubringen, daß mehr Christen geboren werden und mehr Juden sterben!" Als vr. Fleischler sich zu bemerken erlaubte, daß eine solche Einflußnahme auf die Populations-Vermehrung, beziehungsweise Verminderung die Competenz der Aerzte zu überschreiten scheine, wurde Se. Excellenz grob, sehr grob. Herr Dr. Fleischler ging dann hin und verewigte das Diktum des intelligenten Staatsbeamten in der Zeitung. Da Herrn Bernescu aber

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