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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1029 Gottesdienst muß veredelt werden, die Veredlung hat sich bereits in älteren Gemeinden bewährt und endlich als ultima ratio das Gespenst des Vorwurfs eines Heranwachsenden Geschlechts dem man ja sonst die Segnungen einer solchen Gottesdienstveredlung entziehen würde. Also Veredlung des Gottesdienstes! Gut. Worin liegt denn aber in aller Welt das Unedle unseres von den Vätern überlieferten Gottesdienstes, wie wir ihn heute besitzen, und worin liegt denn die einzuführende Veredlung? Darüber muß man sich doch zu allererst klar sein. Sollten denn unsere heiligen Gebete und gottesdienstlichen Einrichtungen, die nun schon Jahrtausende unsere Ahnen zu allem Guten und Edlen begeisterten, wirklich ihre alte Mächtige Kraft verloren haben? Haben nicht noch heute auf weitem Erdenrund. wo nur jüdische Seelen athmen, wo nur jüdische Herzen schlagen, diese Gebete und gottesdienstliche Einrichtungen ihre alte Kraft bewahrt und bewährt? Hat sich denn die Beseitigung dieses alten Gottesdienstes und das, was man an dessen Stelle gesetzt bat, wirklich so bewährt, wie uns da gesagt wird? Sollen wir die Gemeinden aufführen, die seit Einführung dieses neuen Kirchenregiments in ihren Synagogen nur durch ein bezahltes ihr Scheinleben dürftig fristen, weil die wirklichen Jehudim sich thm fern halten, und die Anhänger der Reform die crtrai □■Q’ vielleicht ausgenommen, den öffentlichen Gottesdienst ganz überflüssig finden?! Sollte man Angesichts dieser und vieler anderer Erfahrungen nicht endlich zu der Ueberzeugung gelangen, daß nicht wir berufen sind den Gottesdienst, daß der Gottesdienst berufen ist, uns zu veredeln?! Mit dem ganzen Aufgebot fernes Einstusses und seines Wissens müßte ein wirklicher Seelsorger darauf bedacht sein, daß die Gemeinde und vor Allem ihre Kinder die Gebete kennen und verstehen lernen, die da zur Veredlung des Gottesdienstes '.'nd zur Hebung der Andacht sollen ausgemerzt werden. Man braucht sie nur zu kennen, um sie auch zu lieben. Was man nicht kennt, kann man freilich nicht lieben — aber auch nicht abschaffen. Werden erst die Kinder in dieser Pietät für unsere Gebete erzogen, so braucht man den Vorwurf einer sväteren Generation nicht zu fürchten. Das Lächerliche dieses Arguments liegt übrigens ohnedies auf der Hand. Wenn wir heute unseren Gottesdienst nicht reformiren. so machen uns unsere Enkel so wenig deshalb Vorwürfe, als die Anhänger der Reform von heute ihren Großvätern deshalb grollen. Sie find im Gegentheil froh, daß die Einfalt der Natur ihnen etwas übrig gelassen hat, woran sie ihre Weisheitszähne wetzen und ih.e Aufklärung documentiren können. Zudem bleibt es ja den erleuchteten Enkeln unbenommen, zu läutern und zu veredeln so viel ihnen beliebt, wenn sie das Bedürfniß dazu empfinden; Reformer kann man über Nacht werden. Dagegen möchte es uns aber gestattet sein, die Sache einmal von anderer Seite zu betrachten. Da die Anhänger des gesetzestreuen Judenthums mit nicht weniger starker Elternliebe an ihren Kindern und Enkeln hängen, als die Freunde der Reform, so hätten diese das Recht, ja die Pflicht, schon deshalb gegen jede Neuerung zu protestiren, weil sie so ihren Nachkommen die Segnungen des alten Gottesdienstes vorenthalten, deren sie sich noch heute thatsächlich erfreuen. Wenn wir heute mit allen jüdischen Institutionen vollständig tabula rasa machten, unsere alten Gebete strichen und in unsere Synagogen einen unjüdischen Cultus einführten, so könnten wir doch nicht hindern, daß unsere Heranwachsenden Kinder und Enkel einmal auf einer Geschäftsreise irgendwo mit dem altjüdischen Gottesdienst in Contract kämen, daß er ihr armes betrogenes Gemüth mit seiner alten Innigkeit ergriffe, wie es kein anderes synagozales Schaugepränge bis jetzt vermochte, und dann mit der ernsten Frage an ihr jugendliches Herz heranträre: 0^1' 'vpa lpm o b'p '2 üa’nnx inso hd rtarpi ^ann nrun Was haben Eure Väter denn Unrechtes an mir gefunden, daß sie sich von mir entfernten, und dem Hewel Nachgingen und selber Hewel wurden?" (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Die „Kreuzzeitung hat herausgerechnet, daß nach dem Ergebniß der Wahlen die Zahl der Abgeordneten jüdischer Religion eine Vermehrung erfahren hat. Bisher hatten Frankfurt: Lasker, Altona: Marburg, Danzig: Hirsch deputirt; diese bleiben; außerdem schockt Breslau zwei Juden: Alex. Meyer und Rechtsanwalt Freund, Berlin Dr. Straßmann und Teltow-Breeskow-Storkow einen Juden in Person des Dr. Cohn, zusammen also bis jetzt sieben. Aus Oberschlesien, 23. Oct. Ueber das Einschreiten der Regierung gegen einen israelitischen Religionslehrer meldet die „Germ.:" In Rattowitz (soll wohl heißen „Kattowitz") ist dem Rabbiner K. (Dr. Kohn), der die ganze Opposition der dortigen israelitischen Gemeinde gegen

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