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Der Israelit · 1876-10-25 · Heft 43 (25.10.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 43 (25.10.1876)
Date
1876-10-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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990 London. Uebev die von Ihnen bereits gemelde totale Zerstörung der gänzlich von Juden bewohnten Stadt Kupischock in Russisch-Polen durch eine Feuersbrunst, wird hierher das Folgende berichtet: Vierhundert Wohnhäuser und Läden in einem Umkreise von ca. 6 russischen Meilen, einschließlich der großen Synagoge und mehrerer Schulen, liegen in Trümmern. Der Verlust wird auf eine Million Rubel geschätzt. Feuilleton. Proselyten. Von Friedrich Rott. XXIII. „Liebste Helene," sprach der Commerzienrath Mühlheim zu seiner ihm gegenübersitzenden Mündel, „liebste Helene, lassen Sie mich diese Trüffel- Pastete Ihnen empfehlen, sie ist in Wirklichkeit exquisit!" „„Ich danke Ihnen, Herr Commerzienrath, ich bin bereits gesättigt."" „Bereits gesättigt? gütiger Himmel! Sie haben ja fast gar nichts genossen." „„Es ist mir nicht möglich'"" sprach sie leise. Der Commerzienrath schüttelte den Kopf. „Das darf nicht länger so fortgehen, ich werde noch heute den Sanitätsrath Woller Herbitten lassen." „„Sie machen sich wirklich unnöthig Sorgen,"" versetzte Helene, „„ich fühle mich vollkommen wohl."" „Ihr bleiches Aussehen, Ihre vollständige Appetitlosigkeit widerspricht Ihren Worten", versetzte der Commerzienrath seufzend; „wenn ich nicht Ihre Vorliebe für Wolter berücksichtigt hätte, ich hätte schon längst einen Arzt rufen lassen. Aber nun ist Wolter wieder disponibel, nun soll er auch noch heute Sie besuchen!" „„War der Sanitätsrath verreist?"" fragte Helene. „Einige Tage," versetzte Mühlheim, indem er aus Brod kleine Kügelchen formte, und sie über den Tisch nach allen Richtungen hin schnellte, eine Lieblingsspielerci von ihm, mit der er sich vergnügte, wenn er, wie dies jetzt der Fall, seine Mündel in irgend einer Angelegenheit ausforschen wollte. „Einige Tage war Wolter auf Schloß Staremberg. Der Graf war nämlich gezwungen, in einer höchst dringenden Angelegenheit zu verreisen und da die Gräfin zu jeder Stunde ihre Entbindung gewärtigen konnte, so forderte der Graf den Sanitätsrath telegraphisch auf, bis zu seiner Rückkunft bei der Gräfin zu verweilen. Das ist eben jene Gräfin Staremberg, deren Bild Sie, liebe Helene, mir vor einiger Zeit zeigten, eine Schwester von Herrn Werner. A propos, Herr Werner, der hat sich ja seit lange nicht bei uns sehen lassen." Helene erröthete über und über, der Commerzienrath schmunzelte zufrieden vor sich hin und fuhr fort: „In der Nacht nach des Grafen Abreise entstand Feuer in einem anstoßenden Wirthschaftsgebäude, es war ein furchtbarer Wind und dieser trieb die Flammen direkt auf das Schloß zu. und das ganze prächtige Gebäude ward ein Raub der Flammen, bis auf den Grund ist es niedergebrannt. Der Gräfin soll, der Schrecken sehr geschadet haben, noch in der Nacht brachte der Sanilätsrath sie mittelst Extra-TrainS hierher; am folgenden Tage genas sie eines zarten Knäbleins, acht Stunden später starb sie, wie ich höre? in den Armen ihres Bruders." Helene athmete tief auf, jetzt verstand sie Werners Nichtkommen, das ihr siebzehnjähriges Herzchen so schmerzlich empfunden; ihr Vormund weidete sich an dem raschen Farbenwechsel auf ihrem lieblichen Angesicht. „Herr Werner ist ein sehr braver, liebenswürdiger junger Mann; wenn der Himmel eine Tochter mir beschieden, ich würde ihn mit Freuden als Schwiegersohn erwählen." Die Gluth auf Helenens Wangen stieg noch höher. „Aber," fuhr der Commerzienrath fort, „ein entsetzlich übertriebener Mensch muß er auch sein, er zählt zu den s. g. Orthodoxen." Ein Diener trat eben mit einer frischen Schüssel zum Tische; der Commerzienrath reichte sie bittend seiner Mündel. „Mir zu Liebe, theuerste Helene, genießen Sie doch ein wenig." Helene nahm dankend das ihr Dargereichte und begann in Wirklichkett mit frisch erwachtem Appetit die Speisen zum Munde zu führen. Der Commerzienrath rieb sich vergnügt die Hände. „Gottlob, daß ich Sie wieder so sehe. Und wissen Sie, was mich nicht am wenigsten dabei freut, daß Sie mir ^u Liebe Ihre Antipathie gegen das Essen überwinden." „„Wer vermöchte Ihrer so freundlichen Aufforderung zu widerstehen," versetzte Helene. Der Commerzienrath nickte ihr zärtlich zu. „Sie sind mein liebes gutes Kind, Helene, und wenn ich Sie nicht hättet das Leben hätte keinen

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