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Der Israelit · 1876-10-12 · Heft 41 (12.10.1876) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 41 (12.10.1876)
Date
1876-10-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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welche bisher mancherlei Beschränkungen und Bexationen auSgesetzt waren. Demnach erscheint das Vorgehen des Herrn v. Calice als ein Schritt von nicht zu unterschätzender principieller Tragweite. Deutschland. Mainz, 6. Oct. Wir haben heute an das Central - Comit4 zu Amsterdam zum Besten der Armen, Notbleidenden, des Hospitalbaues ic. im heiligen Lande 4396 M. 72 Pf. gesandt. Die Summe der von uns in diesem Jahre für obige Zwecke gesammelten und überschickten Gelder beträgt nunmehr 16,627 M. 86 Pf. Mainz. Unsere Sammlung für die Hinterbliebenen des ermordeten Hanauer aus Langsdorf hat den Betrag von 620 Mark ergeben, die wir an das Comitö in Hungen eingesandt. Feuilleton. Das jüdische Krankenhaus in Paris. Von Gustav Nasch. Weit draußen in der Vorstadt St. Antoine, nahe an der Barriere du Trone, zweigt sich von der großen Straße, welche die Vorstadt durchschneidet. eine schmale Straße ab. Es ist die Rue de Picpus. Die Rue de Picpus hat ein ganz anderes Gepräge, als die Straßen des „neuen Paris". Sie gehört noch dem alten Paris an. Still, ruhig, ohne geschäftlichen Verkehr, unregelmäßig gepflastert, nachdem ihre stillen, meist niedrigen Häuserreihen hier und da durch einige große' Gebäude, durch kleine Gärten und die Ausläufer von Boulevards unterbrochen, welche über die Barriere hinaus ins Freie führen, kann man, wenn man die lange, schmale Straße hinab geht, welche hier und da einige schlangenähnliche Windungen macht und auf- und absteigt, sich einbilden, sich gar nicht mehr in der prächtigen Weltstadt, sondern in einer stillen Stadt der Provinz zu befinden. Ganz am Ende der Rue de Picpus erhebt sich ein aus zwei Pavillons, welche durch eine Mauer mit einander verbunden sind, bestehendes Gebäude. Ueber dem Mauerrande sind noch die oberen Stockwerke anderer Gebäude sichtbar. Dazwischen die Wipfel mächtiger Kastanienbäume. Ueber dem Thor eine dreifarbige Fahne; unter ihr eine Inschrift. Das Gebäude ist das jüdische Krankenhaus der Stadt Paris. Es ist vor ungefähr 30 Jahren durch die Mittel der Pariser Gemeinde, besonders aber durch die reichen Gaben und Beisteuern des Barons James Rothschild, nach dem es auch den Namen trägt, erbaut und eingerichtet worden — und ist in seiner Einrichtung und Ausstattung ein wahres Modell eines Krankenhauses, wie Paris kein zweites aufzuweisen ha.t Still, ruhig, in sehr gesunder Lage, an der äußersten Grenze der geräuschvollen und dunstigen Stadt, umschließt das Muster eines Krankenhauses große, luftige Binnenhöfe, weite Gartenflächen mit alten, prächtigen Kastaniengruppen und Ulmenalleen und eine Reihe von einzelnen Gebäuden, unter denen sich ein Zufluchtshaus für alte und gebrechliche Männer über 70 Jahre befindet. An der rechten Seite der Gebäudegruppen ist man gegenwärtig mit dem Aufbau eines neuen, allein stehenden Hauses beschäftigt, welches ebenfalls aus den Mitteln der Familie Rothschild erbaut und eingerichtet wird und für unheilbare Kranke bestimmt ist. Leider sind während der Belagerung in den prächtigen Kastanienbäumen der Gärten hier und da große Lücken entstanden. Es mangelte an Holz; frieren konnten die Kranken nicht, und so mußten die prächtigen Bäume dem Holzmangel abhelfen. Bis sie in den neuen Anpflanzungen Ersatz gefunden haben, darüber wird noch ein Dutzend Jahre hingehen. Mache der Leser mit mir einen Besuch in diesem jüdischen Krankenhause in der Rue de Picpus; ich glaube, daß er mir nach dem Besuche darin Recht geben wird, daß das Hospital Rothschild das beste Krankenhaus in Paris ist, ein wahres Modell eines gesunden, gutgehaltenen und trefflich eingerichteten Hospitals. Der Direktor, ein kleiner, jüdisch aussehender Mann mit intelligenten Gesichtszügen, den ich auf der Flur des zwischen den beiden Pavillons gelegenen Hauptgebäudes traf, war erst nicht so ganz geneigt, mir sein Krankenhaus zu zeigen. Als ich ihm eine Karte des Seine-Präfecten vorwies, welche mich zum Besuche des Pariser Kranken- und Zufluchtshauses ermächtigte, erwiderte er mir: „Wir sind nicht vom Seine-Präfecten abhängig; unser Haus steht nicht unter derMunicipalität, sondern gehört der jüdischen Gemeinde." „Aber das thut ja nichts zur Sache," sagte ich, „ich bin Schriftsteller, und Ihr Haus interessirt mich. Ich habe über Ihr Haus in dem Werke du Camp's (Paris 1873. Hächette und Comp.) gelesen; es soll mich freuen, wenn ich

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