Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1876)
- Date
- 1876-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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939 Unterstützung der Jesuiten zu erhalten. Natürlich ist an der Sache kein wahres Wort. Die Juden in Algier haben längst jeder Sonderstellung entsagt, leben fast durchwegs in den Städten, haben sich zum großen Theile europäische Bildung angeeignet, und ihre Stellung wird weder von den wandernden Arabern noch von den seßhaften Kabylen beachtet, die zumeist für die Ehre, naturalisirter Franzose zu sein, kein Gefühl haben. Thatsache aber ist, daß Chanzy jede Gelegenheit ergreift, um irgend ein eingeborenes Element mit dem französischen zu assimiliren, ja, er hofft, die Eingeborenen am Ende ganz mit der französischen Civilisation zu versöhnen, hofft sogar von ihnen mehr als von den Einwanderern für die Entwicklung des Landes, und wenn auf der einen Seite ihre religiösen Anschauungen geschont und ihrem genetischen Wesen Rechnung getragen werden muß, lassen sie andererseits sich für die europäische Cultur gewinnen, und er hält gemeinsame Schulen, gemeinsame Arbeit in Fabriken als das hiezu geeignetste Mittel. Daher hat er auch den Eintritt der Juden in's Heer begünstigt, sowie er überhaupt ein Freund der Assimilation ist. Fenilleton. Theresa. v. Herr Bernstein kam sehr niedergeschlagen von der Börse uach Hause. „Was ist Dir, lieber Vater?" fragte besorgt Theresa. „„Meine Tochter,"" sagte er, „„ich habe Dir traurige Mittheilungen zu machen. Die heutige j Börse hat die Katastrophe, die mir seit lange droht, j beschleunigt. Ich bin ruinirt."" Der starke Mann brach in Thränen aus. Theresa eilte auf ihn zu und umschlang schluchzend den Vater. „Ist gar keine Rettung?" fragte sie. „„Keine. O, ich habe gekämpft wie nur ein I Mensch kämpfen kann. Seit zwei Jahren habe ich fast übermenschlich gearbeitet. Alles habe ich versucht, um die großen Verluste zu decken, die mir fast jeder Börsentag brachte; nur weniges ist mir gelungen, und das genügte nicht. Ach, mein Kind, ich weiß nicht, wie ich das überleben werde."" „O, sei gefaßt, mein Vater, laß uns ruhig Dasjenige ertragen, was Gott uns geschickt." „„Das wird sehr schwer sein, mein Kind; ich werde meinen Gläubigern Alles geben, was ich besitze — es wird nicht ausreichen, auch nur die Hälfte meiner Schulden zu decken."" „Hast Du keine Freunde, die Dir helfen könnten?" „„Meine Freunde sind selbst nicht auf Rosen gebettet. In diesen traurigen Zeiten hat ein Jeder zu thun, die Bresche zu stopfen, welche die Entwertung der Effecten in seinen Besitzstand gerissen. Doch wüßte ich Einen, der helfen könnte. Der aber ist nicht mein, sondern Dein Freund."" „Vater!" „„Wenn Du Dich entschließen könntest, den Baron Hohenacker aufzusuchen, ihm meine Lage vorzustellen! Er ist im Besitze eines fürstlichen Vermögens, man sagt von zehn Millionen — ein Darlehen von dreimalhunderttausend Gulden könnte mich retten!"" „Dreimalhundertt rufend Gulden! Ein - Summe, die Du voraussichtlich nie wieder wirst ersetzen können! Und eine solche Summe soll ich verlangen von einem fremden Manne! Vater, hast Du bedacht, was Du sprichst! Man fordert nicht, ohne dafür zu bieten! Vater, ich vergehe vor Scham- — Rede so nicht wieder; lieber laß uns betteln gehen, Vater!" Es wurde an die Thüre geklopft. Ein Diez ner in der Livröe des Barons Hohenacker trat ein. ■ „Gnädiges Fräulein," sagte er, „hier ist ein Briefchen vom Herrn Baron; ich soll auf Antwort I warten." Theresa nahm den Brief und öffnete ihn. Als sie den Inhalt überflog, wechselten Röthe und Blässe auf ihrem Antlitze. Mit Spannung betrachtete der Vater feine Tochter. Sie reichte ihm stumm den Brief. Als er ihn gelesen hatte, fragte sie: „Was soll ich antworten, mein Vater?" Herr Bernstein seufzte tief auf; dann sagte er: „„Du bedarfst meines Rathes nicht, mein Kind. Antworte, wie es Dein Herz Dir eingibt."" i Da nahm Theresa zornflammenden Auges den i Brief aus der Hand ihres Vaters, zerriß ihn, warf die Stücke auf den Boden und trat mit den Fußen darauf. Zu dem Diener sagte sie: „Gehen Sie hin und erzählen Sie Ihrem Herrn, was ich mit seinem Briese gethan und sagen Sie ihm, daß ich ihn von heute an nicht mehr kenne, daß, wo auch immer ich ihm begegne, ich ihm den Rücken kehren werde. daß, wenn er die Kühnheit haben sollte, mich zu grüßen, ich seinen Gruß nicht erwiedern werde!" Betreten verließ der Diener das Zimmer. Herr Bernstein aber umarmte seine Tochter und sprach: i