Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1876)
- Date
- 1876-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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858 geschwächtem Muth zum Segen der Gemeinde und ihrer Justitutionen seines Amtes unter dem Schutze des allgütigen Vaters walten könne. — Hierauf begab sich die Deputation mit dem Jubilar in die Synagoge. Als Herr vr. Hildesheimer am Eingänge des Gotteshauses sichtbar wurde, erhob sich die ganze Gemeinde und der Cantor, Herr Olitzki begrüßte ihn mit dem wundervoll vorgetragenen 'n nna nty* 'v, worauf der Chor antwortete 'pj □aP nai v'23; während dessen schritt der Jubilar seinem Platze zu. Dann wurde das gewöhnliche Abendgebet verrichtet, wobei noch verschiedene Gesänge von Chor und Cantor gut ausgeführt wurden. Die schöne melodische Stimme des Letzteren und die so gefühlvolle der Bedeutung der Worte angemessene Weise des Vortrags hat sehr angesprochen und verdient besonders lobend erwähnt zu werden. Bei der Hauptfeier am Sabbat Morgen hielt der älteste Schüler des Jubilars, Herr Rabbiner vr. Lehmann aus Mainz, die Festpredigt. Der Redner dankte zunächst Gott, daß er ihm vergönnt habe, diesen Tag zu erleben, um seinem vielgeliebten Lehrer und väterlichen Freunde im Namen der Gemeinde des Jubilars die Gefühle vorzutragen, die sie und ihn heute bewegen. „Es mögen wohl vierzig Jahre her sein", begann hierauf der Redner, „daß ein Jüngling in seinem einsamen Studirstübchen in Altona saß und nachdachte über die trostlosen Zustände, in denen sich das Judenthum in damaliger Zeit befand... da plötzlich springt er auf, ergreift ein Stück Kreide und schreibt an die Thüre die Worte: rp-ppy na -nyi na naso nassen -wx pt>x3i n'pxa ,nyap nrvm nattn nnasa anp in*. „Und bleibt davon noch ein Zehntel und sollte auch diesem selbst der Untergang drohen; wie Terebinthe und Eiche, von denen beim Fällen der Stamm bleibt, so ist die heilige Nachkommenschaft ihr fester Stamm." Wer vor 40 Jahren jener Jüngling war, brauche ich wohl nicht zu sagen, sind wir ja heute Alle hier versammelt, um das schöne Fest seiner 25jährigen segensreichen Wirksamkeit feierlich zu begehen. Anknüpfend an den Bibelvers: -prvjattfo rvynM iPnx oipo *a>mn ’pin Trv-nv, -jnnra nnxn lascrnn vx iü\ „Erweitere den Raum Deines Zeltes und die Teppiche Deiner Wohnungen mögen sich ausdehnen, ziehe lang Deine Stricke und Deine Pflöcke schlage fest ein!" schilderte dann der Redner die Verdienste des Gefeierten um die Verbreitung der Thora und die Erweiterung ihres Zeltes." Schon gleich nach Vollendung seiner Studien, ehe er noch ern Amt angetreten hatte, sammelteer Jünglinge um sich, unk sie im Gottesworte zu unterrichten; damals sei es gewesen, wo auch er (Redner) zu des Lehrers Füßen gesessen; hierauf sei vr. Hildesheimer nach Ungarn gezogen, wo er eine Jeschibah gründete, in der Tausende von Schülern ihren Wissensdurst löschten. Auf den Ruf von der Heimath sei er hierher nach Berlin gekommen, wo er in Verbreitung des Thorastudiums sich unsterbliches Verdienst erworben habe. Im Weinberge des Herrn sei der Jubilar der mächtige, emporragende „Thurm", an dem die Reben sich emporranken. „Ein großes Beispiel weckt Nacheiferung und gibt dem Urtheil höhere Gesetze." Den zweite Theil des Textes mynM w' TnuatPD erklärend, ging Redner auf die Thätigkeit des Jubilars als Führer in Israel über, rühmte dessen Verständniß für die Vereinbarung der Bedürfnisse der Zeit mit den Grundsätzen des Judenthums, hob aber dabei hervor, daß es die Aufgabe eines Jeden sei, in seinem Theile mitzuwirken, daß die Bausteine zu dem jüdischen Religionsgebäude erhalten bleiben und daß die Kette der am Sinai beginnenden lebendigen Ueberlieferung nicht gelockert werde. Bei dem Wirken vr. H.'s nach dieser Seite sei seine Selbstlosigkeit jedem persönlichen Urtheil ausschließende Thätigkeit besonders hervorzuheben. Sodann schilderte Herr vr. Lehmann die Wirksamkeit des Jubilars zum Wohle der ganzen Menschheit, wie er Pflege den Leidenden und Kranken Unterstützung und Hilfe den Dürftigen zuwendet, wie liebevoll und wohlwollend er Jedem ohne Unterschied des Standes und der Religion entgegenkömmt. Gemiluth Chasadim sei das Band,'das die Menschheit, Himmel und Erde verbindet und diese Tugend sei vom Jubilar und seiner Gattin stets in großartigster Weise geübt worden. Hierbei bat der Redner wiederholt um Verzeihung, wenn er nur im Stande sei. schwach zu skizziren, das was kein Mund zu besingen, keine Feder zu beschreiben vermöchte. „Heute vor 6 Jahren war der Tag der großen Schlacht bei Sedan, wo der Grundstein zum majestätischen Bau des neuen deutschen Reiches gelegt wurde. Die Söhne unseres Vaterlandes hatten sich den unverwelklichen Lorbeer ums Haupt gewunden, einen Siegeszug hatten sie gemacht ins Feindesland, wie desgleichen die Geschichte noch nicht gesehen. Aber in den hochaufjubelnden Sang des Siegers mischte sich das Stöhnen uudAechzen der Verwundeten, das Wehklagen und Seufzen der Trauernden; da war es, wo unser hochverehrter Rabbi und seine edle Gattin mit seltener Ausdauer, keine Zeit und keine Mühe scheuend, sich der Kranken und Leidenden annahmen, ein Beispiel gaben, dem auch von Allerhöchster Seite Anerkennung gezollt wurde." Schließlich hob Redner hervor, wie vr. H. die „Pflöcke