Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1876)
- Date
- 1876-09-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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848 mußte nun sie, die sich ihm selbst als Jüdin bezeichnet hatte, die specifisch jüdischen Gesetze übertreten? — Ohne Hinderniß hatte Helene mit ihrem Mädchen die Wohnung ihres Vormunds erreicht. Der Commerzienrath war noch nicht heimgekehrt; es war daher Niemanden ausgefallen, daß sie ziemlich spät in einer einfachen Droschke vorgefahren. Froh erregt eilte sie die Treppe hinan, die zu ihrem Zimmer führte. Sie war sich bewußt, wohlgethan zu haben, das hob schon einerseits ihre Stimmung, und daß sie es trotz der Abneigung ihres Vormunds gethan, das vergnügte sie nur noch mehr. — Ob nicht die Erinnerung an den jungen Mann, der gleich ihr für die Armen sorgte, ihr ebenfalls sehr willkommen war? „Finden das gnädige Fräulein nicht, daß Herr Werner ein sehr schöner Mann ist?" fragte Susanne. „Schön," wiederholte Helene, „sehr schön möchte ich ihn gerade nicht nennen, dazu ist er zu bleich. Aber interessant sieht er aus, äußerst interessant — ich glaube, er muß schon sehr viel gelitten haben." „Und möchte ihm helfen", fiel Susanne lachend ein, „o, o, gnädiges Fraulein, wie gut, wie engelsgut sind Sie." Helene war dunkelroth geworden. „„Du bist eine unvernünftige Schwätzerin,"" schalt sie, „„doch im Grunde hast Du Recht; wenn es in meiner Macht stünde, ich möchte allen Leidenden helfen. Wenn ich nur erst mündig wäre, daß sich der verwünschte Commerzienrah nicht mehr in meine Angelegenheiten mischen dürfte, o das würde herrlich sein. — Und es wird ja auch sein, die Zeit wird ja auch kommen — dann werde ich ungehindert Armuth und Elend aufsuchen können, werde nicht mehr heimlich thun müssen, um die Thränen den Darbenden zu trocknen."" „Sie sind in Wirklichkeit ein Engel, gnädiges Fräulein," versetzte Susanne ergriffen, „und der Commerzienrath sollte sich schämen, daß er Sie zwingt, all das Gute, das Sie thun, vor ihm zu verheimlichen. Hei wie würde er wüthen und Ms würde er Ihnen für salbungsvolle Reden halten, wenn er wüßte, daß von alle dem Geld, das er Ihnen im vorigen Monat zu Ihrer Toilette gegeben, Sie auch nicht einen Kreuzer für dieselbe verwendet." „„Ja, da würde er in Wirklichkeit brummen"", lachte Helene. „Sonderbarer Mensch, ich glaube, er würde gar nichts dagegen haben, wollte ich Taufeude für Putz und Larifari ausgeben; aber ein paar Gulden zu wohlthütigen Zwecken, das bringt ihn außer sich." " „Werden das gnädige Fräulein die Polin morgen wieder besuchen?" „ „Ei gewiß, gewiß. Ich habe mir vorgenommen, für sie zu sorgen, bis sie vollkommen hergestellt sein wird; da ist es doch nothwendig, öfters zu ihr zu gehen. Morgen, sobald der Vormund zur Börse geht, gehen wir in die . . .»Straße. Du könntest einige Gläser eingesottener Früchte besorgen, die dürften der Kranken willkommen sein."" (Fortsetzung folgt.) A N ZJAG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Bekanntmachung. Die Stelle eines hiesigen Stifts - und Orts- Rabbiners ist durch einen geprüften Rabbinen oder Rabbinatscandidaten zu besetzen, mit einem jährlichen Gehalt von M. 1700. Bewerber wollen sich an den Vorstand der isr. Gemeinde dahier, Herrn I. M. Mayer, gef. wenden. Müllheim (in Baden), den 20. August 1876. Der Synagogenrath. I. M. Miryer, 2152) Vorstand. Für eine größere orthodoxe isr. Gemeinde wird — zunächst für die hohen Feiertage — ein mit vorzüglichen Stimm-Mitteln begabter Chasan zu engagiren gesucht. Das Engagement kann sich auch zu einem dauernden gestalten. In diesem Falle werden solche Bewerber bevorzugt, die auch die Schechitah zu versehen befähigt sind. Erstes, unerläßliches Erforderniß ist ein echt jüdischer Lebenswandel. — Offerten sub Nr. 2148 besorgt die Expedition dieses Blattes.