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Der Israelit · 1876-08-16 · Heft 33 (16.8.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 33 (16.8.1876)
Date
1876-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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772 „„Mein Vater will Alles zuruckgeben. Sie kennen doch die Geschichte? Ja, wer kennt sie hier nicht! O, wie glücklich fühle ich mich, daß das langjährige Unrecht wieder gut gemacht werden soll! Ist die Annonce so recht?"" „Nein, sie ist sehr unpassend abgefaßt. Sie würden durch eine solche Anzeige eine Menge Abenteurer herbeiziehen." „„Wollen Sie die Güte haben, für mich eine solche Anzeige aufzusetzen?"" Nein." „Warum nicht?"" „Weil sie überflüssig wäre." „ „Wieso überflüssig?"" „Theodor, Freund, Bruder, hast Du mich denn ganz vergessen? Erinnerst Du Dich nicht mehr, wie ich die Schwalbe schoß und Du mir so bittere Vorwürfe machtest!" Und er umarmte den Freund und küßte ihn. Theodor aber sprach: „Ja, ja, jetzt weiß ich, wo ich Dich gesehen! Ich ahnte eS lange, daß Du der Vermißte seiest. Komm eilig mit mir zu meinem Vater; er sehnt sich nach Kunde von Dir! Er will Dir das ganze Vermögen abtreten." „„So wäre dieses Document jetzt überflüssig?"" Er nahm da' Testament und reichte es Theodor. Erstaunt blickte Theodor auf das Aclenstück; Binjamin erzählte dann, wie es war aufgefunden worden. „Gott fei Dank," sagte Theodor, „daß mein Vater freiwillig zu einem Entschlüsse gekommen, den er sonst hätte gezwungen ausführen müssen! Wann verlangst Du, daß wir aus diesem Hause ausziehen und Dir Alles übergeben?" Binjamin lachte. „„Du bist doch ein Sonderling,"" sagte er. „„Nun, jedenfalls hat's Zeit bis morgen. Jetzt bin ich bereit, Dir zu Deinem Vater zu folgen."" „Ich will ihn nur vorbereiten?' Theodor ging zu seinem Vater, der sich, seitdem er den Entschluß gefaßt hatte, das gethane Unrecht wieder gut zu machen, viel besser befand. „Vater," sagte Theodor, „Du hast damals das Haus in P. sammt allem Mobiliar verkauft, auch den Schreibtisch, in welchem man das Testament vermuthete. Das war doch sehr unvorsichtig. Vielleicht hatte der Schreibtisch ein Geheimfach." „„Wie kommst Du darauf? Ich habe damals den Schreibtisch von einem Sachverständigen unj tersuchen lassen; es war kein Geheimfach darin."" „Und dennoch war eins darin. Vater, das Testament ist gefunden und befindet sich im Besitze Binjamin Hirfchfeld's!" „„So ist mein Entschluß zu spät gekommen?"" „Zu spät, der.Sache nach; aber nicht für Dich und Dein Gewissen." Theodor erzählte darauf seinem Vater ausführlich, was sich ereignet hatte. „Ah " sagte David Hirschfeld, „jetzt weiß ich, warum mir dieser Franzose so antipathisch war! Ja, ja, es ist kein Zweifel, das ist Philipp Hirschfeld's Sohn!" Binjamin trat ein. „Herr Hirschfeld," sagleer, „ich habe von Ihrem heroischen Entschlüsse gehört; ich bin aber nicht zufrieden mit dem Vermögen, das Sie mir ausliefern wollen; ich fordere noch mehr!" „„Ich gebe Ihnen Alles, was bisher als mein Eigenthum galt; zwei Millionen, die einst Ihrem Großvater gehörten, anderthalb Millionen, die ich mit jenem Gelbe gewonnen; was können Sie noch mehr verlangen?"" „Ich verlange die Hand Ihrer Tochter Johanna und lasse Sie im Besitze Jhrcr Millionen!" ^ls Binjamin so sprach, sah ihn David Hirschfeld groß an, dann stieß er einen Freudenschrei aus und stürzte ohnmächtig nieder. Man sagt, daß die Freude tödtlich zu wirken im Stande sei; io schlimme Folgen hatte sie allerdings bei David Hirschfeld nicht; bald gelang eS den vereinten Bemühungen Theodors und BinjaminS, die des Ohnmächtigen Stirn mit Wasser netzten, ihn in's Leben zurückzurufen. „Ist eS wahr?" fragte er, als er die Augen aufschlug. „Ist es kein Traum? Werde ich mich künftig meines Reichthums ohne Gewissensbisse freuen können?" Und Binjamin mußte wiederholen, was er gesagt hatte. Dann wollte David sofort seine Tochter herbeirufen und ihr befehlen, sich auf der Stelle mit Binjamin zu verloben. Dagegen erhoben aber die jungen Leute Einsprache, und David willigte endlich ein, die Einleitung des nun zu Geschehenen seinem Sohne zu überlassen und vorläufig gegen Frau und Tochter über Alles zu schweigen. (Schluß folgt.) Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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