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Der Israelit · 1876-07-19 · Heft 29 (19.7.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 29 (19.7.1876)
Date
1876-07-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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666 Plan mit dem Wohl und dem Wehe der Menschen tändelt; es ist vielmehr die, uns freilich oft unoegreifliche Weisheit unsres Gottes, die wunderbar das Ganze wie das Einzelne führt, damit Alles wohl erhallen und zu einer größeren Vollkommenheit hinaufgeleitet werde, bis Gott uns den ersehnten Erlöser sendet, und ewiger Friede die Erde und ihre Bewohner beglücket. In unserer Zeit, in der so vielen Söhnen und Töchtern Israels die hohen Ideale unseres Volkes abhanden gekommen sind, ist es gedoppelte Pflicht aller getreuen Juden und Jüdinnen, sich die große Vergangenheit und die erhabene Zukunft Israels stets zu vergegenwärtigen — und namentlich in diesen Wochen nationaler Erinnerungen — um in der Gegenwart das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren^das Gottes Weisheit uns in Aussicht gestellt fyatm Jeder Einzelne von uns muß ringen und kämpfen, wie unsere Voreltern gerungen und gekämpft haben; und wenn auch dieses Ringen und Kämpfen oftmals ein vergebliches scheint, es bleibt dennoch unverloren und niemals erfolglos. Aber nicht der Erfolg adelt die That. sondern der Wille, die edle Absicht gibt ihr den Werth; ist der Wille echt und die bsicht gut, so können wir den Erfolg getrost der göttlichen Vorsehung anheimgeben. Gottes Weisheit offenbart sich nicht nur in der Erfüllung, sondern viel häufiger noch in dem Fehlschlagen unsrer Wünsche. In unsrer schnell-lebigep.Zeit wechseln die weltbewegenden Ideen fast so schnell wie die Moden in der Kleidung. Viele unserer Leser werden sich noch des achtandvierziger Jahres erinnern. Die Ideale jener aufgeregten Zeit werden heute als unreife Phantasien belächelt, und die Welt erstrebt ganz andere Dinge. Wie im politischen Leben, so ergeht es auch in der Wissenschaft. Fast jedes Jahrzehnt bringt neue Systeme, die als die höchste Weisheit ausgegeben und bald darnach als kindische Thorheit verworfen werden. Mit welcher Prälension trat vor kaum zehn Jahren der Darwinismus auf, und heute schon — noch zu Lebzeiten seines Erfinders — ist er als eine unnütze Scharteke in die Rumpelkammer geworfen. Die Religion Israels berechnet ihr Alter nach Jahrtausenden; sie ist die ewige, die unveränderliche Wahrheit. nc« ir-nrn p-is inpis „Gottes Gerechtigkeit bleibt ewig gerecht und Gottes Lehre bleibt ewig wahr." (Psalm 119, 142.) Es ist das Höchste, das Beste, es ist die Wahrheit, für die wir ringen, für die wir kämpfen. Ist nur unsere Absicht rein, unsere Ueberlegung reif, so wird Gott unser Thun segnen,; nd wir werden ernten die Früchte unseres MühenS. iiiLP' nj-o nj/oia o'jnnn »Die da mit Thränen säen, werden jubelnd ernten." (Psalm 126, 5) Der Gesetzentwurf über de« Änstritt aus der Iyuagogrngemeindk, im Herrenhaus (Schluß.) Vicepräsident von Bernuth: Herr Rasch hat das Wort. Rasch: Meine Herren: Ich möchte doch dringend anheimgeben, dem Anträge von Kleist in Beziehung auf die Begräbnißplätze Folge zu geben. Ich glaube, daß die Ausführung des Herrn Regierungskommissars es ganz klar gezeigt hat, daß, wenn ein aus der Synagogengemeinde ausgeschiedener, aber im Judenthum verbliebener Jude stirbt, ohne vorher für feine künftige Beerdigung Sorge getragen zu haben, die allergrößten Unzuträglichkeiten sich ergeben werden. Es ist daraufhingewiesen. die Polizei soll dann dafür sorgen. Ja, meine Herren, das ist stets das Auskunftsmittel, wenn m,n sonst nichts mehr weiß, dann muß die Polizei helfen. Und wie wird die Polizei helfen? Sie wird einfach anordnen und anordnen müssen, daß der verstorbene Jude, der nach diesem Gesetz kein Anrecht an dem jüdischen Beerdigungsplatze haben soll, auf den christlichen Friedhof gebracht wird. Es bleibt der Polizeiverwaltung schließlich nichts weiter übrig. Ich habe die Ueberzeugung. daß an vielen Orten das seitens der christlichen Kirchengemeinde sehr unangenehm wird empfunden werden, und ich finde in dem Vorschläge des Herrn von Kleist ein völlig geeignetes Auskunftsmittel aus diesem Dilemma. Das wird man doch in der That, glaube ich, nicht verlangen wollen, daß ein Jude, wenn er gestorben ist. so lange unbeerdigt bleibt, bis die verschiedenen Behörden sich darüber verständigt haben, wo er eigentlich seine letzte Ruhestätte finden soll. Darüber könnte unter Umständen lange Zeit vergehen, was schon aus sanitätspolizeilichen Gründen nicht zu dulden wäre. Ich glaube, wir thun gut, wenn wir uns für den Vorschlag des Herrn von Kleist erklären. Vicepräsident von Bernuth: Herr Becker hat das Wort: Becker (Dortmund): Auch ich möchte mich

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