Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1876)
- Date
- 1876-07-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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658 der Aufmunterung ihrer Umgebung zu bedürfen, selbst überall mit ihrem bewährten Rath und Trost bereit war. Keiner der vielen geradezu vernichtenden Schlicksalsschläge, die ihr bewegtes Leben so oft heimsuchten, vermochten sie niederzubeugen. Da wo man sie unter der Wucht ihres Geschickes zu Boden gedrückt glaubte, erhob sie sich mit wahrhaft wunderbarer Ruhe und Glaubensinnigkeit um diejenigen zu trösten und zu erheitern, die ihrethalben bekümmert waren. Was sie so als Gattin ihrem Gatten, als Mutter ihren Kindern, als Freundin ihren Freunden gewesen, wie oft ihr Trost den herbsten Schmerz gelindert, ihr bewährter Rath jedem guten Streben erst die wahre Richtung gegeben, ihr begeisterndes Beispiel zu neuer Thatkraft spornte, dies Alles auch nur annährend schildern zu wollen, versagt die unsägliche Wehmuth, die durch jede Erinnerung aufs Neue geweckt wird. Aber was das schwache Weib mit dem starken Geiste und dem warmen Herzen für die Förderung des Guten und Edlen raiöf? angestrebt, das mögen einige wenige charakteristische Züge zeigen. Vor 25 Jahren verstarb hier ein durchreisender armer Mann, der aber nicht beerdigt werden konnte, weil sich Niemand fand, der für die nöthigen Tachrichin aufkommen wollte. Da nahm sie sich nicht nur dieser maiy mso an, sondern gründete sofort einen Tachrich in-Verein, dem heute fast alle jüdischen Firmen angehören, und der für die Herstellung einer würdigen Bekleidung der Todten Sorge trägt. Weit über den engen Kreis ihres Wohnorts hinaus sammelte dieselbe für p» und verbreitete die besonders in Süddeutschland fast überall eingeführten Challobüchschen durch das ganze badische Land, um es so jeder jüdischen Hausfrau zu ermöglichen, ihr Lcherflein für das heilige Land unserer Vergangenheit und Zukunft beizüsteuern, in einer das fühlende Herz und das organisatorische Talent der Verklärten, gleich erhebenden Weise. Die wahrhaft einzige Art, wie sie es verstand, an Arm und Reich wirkliches -iDn nftüi zu üben, die sinnige Art, wie sie ihren reichen Schatz seltenen profanen Wissens mit ihrer ungeheuchelten Gottesfurcht verband, was sie dem engen Kreis ihrer Angehörigen und der großen jüdischen Gesammtheit gewesen, haben der Schwiegersohn der Verstorbenen, Herr Rabbiner Tal aus Amsterdam und Hr. Rabbiner Dr. Ehrmann an der Bahre der Hingeschiedenen, in warmen tiefgefühlten Worten ausgesprochen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die Kunde von dem Leben und Wirken dieser t>'n np« auch in weitere Kreise zu tragen, und indem sie zu zeigen versuchten, was das bewußtvolle ernste Streben eines einzelnen jüdischen Weibes vermag» das „Haus Jakob" zur Nachahmung dieses edlen Frauenlebens zu begeistern. Stuttgart. Hier hat sich ein Verein gegründet. dessen Mitglieder in KrankheitS- und Todesfällen beim Verscheiden und vor der Beerdigung an den Leichen diejenigen Dienste leisten, welche von jeher in Israel ausschließlich von Glaubensgenossen aus nom iDn verrichtet worden sind. Es ist anerkennenswerth, daß hier auch in so positiver Weise ein thätiges Judenthum sich zeigt. Der erste Gedanke dazu ging aus von dem Banquier S. D. Nördlinger und die Theilnahme ist vorerst befriedigend. Zu bedauern ist nur, daß der Gründer nicht von dem engherzigen Gedanken sich trennen kann, diese criDn man dürfe, auf Gegenseitigkeit sich gründend, ihre Liebesdienste nur Mitgliedern des Vereins leisten. Nach talmudischen Begriffen unterscheidet sich aber die Pflicht von eben dadurch von np-is, daß sie sich auf Arme und Reiche, auf Lebende und Todte ohne Unterschied erstreckt und sowohl mit dem Gelde, als mit der persönlichen Leistung vollzogen werden kann und soll. Dieses Beispiel wahrer allgemeiner Menschenliebe an Sterbenden und Verstorbenen würde mehr zur Theilnahme an dem schönen Verein einladen und anlocken, als das Ausschließungssystem von Nichtmitgliedern diese zum Eintritt zwingen wird. Die Sonne der Liebe dürfte eher den Sieg über die unjüdisch gewordenen Herzen davontragen als der Sturm sie erobern wird. Immerhin jedoch ist eS für Stuttgart als ein religiöser Fortschritt zu constatiren, daß in Zukunft die cma nicht mehr durch bezahlte Christen „gewaschen" werden ic., sondern daß in jeder Beziehung eine rituale Beerdigung vorgenommen werden soll. ft nna1? &on. Sontheim am Neckar. Am zweiten Tage des Schabouthfestes feierte der 72jährige Lehrer und Vorsänger Jacob Stern hier das Jubiläum seiner 50jährigen Amtsthätigkeit. Auf dem Rathhause übergab ihm der Regierungsrath Oberamtmann Maurer die silberne Verdienstmedaille in feierlicher Weise in Gegenwart der bürgerlichen und kirchlichen Ortsbehörden, die dem Jubilar von Sr. Maj. dem König auf Vorschlag derOberschu'- behörde war verliehen worden. Der Vorstand verlieh ihm im Namen des Gemeinderaths und des Bürgeraus sch "sses das Ehrenbürgerrecht durch ein schönes Diplom und eine Delegation des israel. Lehrerstandes, bestehend aus dem Oberlehrer Liebenau a. D. von Stuttgart und Lehrer Löwenstein von Heilbronn, überreichten eine prächtige Adresse, worin die Verdienste des ergrauten Lehrers her-