Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1876)
- Date
- 1876-07-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Zweite Beilage t,t Ur. 27 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 28. Juni. Das Haus der Abgeordneten har den Gesetzentwurf, den Austritt aus der Synagogengemeinde, wie derselbe vom Herrenhause amendirt wurde, auf Befürwortung La sker's genehmigt. Das Gesetz bedarf jetzt noch der Königlichen Sanction, woran jedoch nicht zu zweifeln ist. O e st e rr. - U n g a r. Monarchie. Pesth, Ende Juni. Se. Maj. hat dem jüd. Krassoer Grundbesitzer des Szatmürer Comitats Salomon Mayer als Anerkennung der Vedienste, welche derselbe sich um die Förderung der öffentlichen Angelegenheiten und des Gemeinwohles erworben, für ihn und seine gesetzlichen Nachkommen den ungarischen Adel mit der Erlaubnis, sich des Prädikats „de Cseng er" zu bedienen, verliehen. Herr Salomon Mayer ist ein Jude von streng orthodoxer Richtung, der durch seinen Einfluß der Sache der orthod. Judenheit in Ungarn . namentlich seit Beginn der Congreß-Aera, wesentliche Dienste geleistet. Wir halten uns überzeugt, daß der neue Adel den alten Adel wahrhaft jüdischer Gesinnung in seiner Brust mit verstärkter Kraft fortwirken lassen wird. — h— Feuilleton. Me Ledern des Libanon. Der ehrwürdigste Baum. den es auf Erden gibt, ist unstreitig die C e d e r des Libanon. An ihrem Anblick haben sich schon die gottbegeisterten Stammväter und Propheten erfreut, und der Psalmist nennt sie „die Ceder Gottes" (Psalm 80, 11.) Auf einer einzigen Stelle des genannten Gebirges nur, eine Stunde oberhalb des Dorfes Bscharreh, drei Stunden von Eden und dem Sitz des Patriarchen von Cannobin, nahezu 2000 Meter über dem Meer, befindet sich der Rest des uralten Völkerheiligthums, der berühmte Cedernhain, der berühmteste Hain, den die Geschichte kennt. Plinius nennt den Baum die Oeärus magna Libani | und Theophrastus den „bewundernswürdigen" Baum Syriens, welcher nach den Bibelerklärern des siebzehnten Jahrhunderts „viel ein köstlich Holtz hat, dass weder der Wurm frisst, noch eyn Fäulniß angrefft, kompt von den Bäumen, die alleröbcrst auf dem Berg Libanus stehen, mehren sich nicht in der Zahl, werden auch nicht wild und bleiben aus sonderbarer Schickung GOTTES gleichsam zur Bezeugung weiland gewesener Herrlichkeit des jerosolimitanischen Tempels." Den Namen der Ceder und den ihrer Heimath kennt und nennt nun zwar Jedermann; über die Ceder des Libanons selbst aber ist wenig bekannt, und die Beschreibungen derselben in den landläufigen Naturgeschichten zeichnen sich nicht gerade durch genaue Wahrheit aus. Wir müssen es deshalb dankbar begrüßen, daß Professor Dr. Oskar Fraass in seiner jüngst erschienenen Schrift „Drei Monate am Libanon" gerade der Ceder eine liebevolle Aufmerksamkeit widmet, und wollen wir in Nachstehendem Einiges aus der erwähnten Schrift mittheilen. Zuvor mögen jedoch einige geschichtliche Daten über Besuche, welche wissenschaftliche Reisende den Riesenbäumen gemacht haben, hier Platz finden. Der älteste Reisende, der über die Zahl der Cedern Nachricht gibt, ist Bellonius im Jahre 1550. Derselbe zählte 28 Cedern. Im Jahre 1573 ist der „Arzneien-Doktor" Bernhard Rauchwolff,von Cannobin aus, wo er denPatriarchen wegen dessen artbrltis medizinisch behandelt, mit zehn Mönchen zu den hohen Cederbäumen aufgestiegen. Er hat der großen Bäume, „die etlich klafter dick sind, vier und zwentzig gefunden". Er vermeldet ferner, er habe sich nach änderen jungen umgesehen, aber keine finden können. Die nächste genaue Zählung gibt uns Pokock vom Jahre 1754, also 181 Jahre später. Derselbe fand 15 große Bäume; „einen maßen wir, er hatte 36 Fuß" 56 Jahre später, 1810, zählte der berühmte Reisende Burckhardt von Basel elf oder zwölf der ältesten Bäume, 25 sehr große, 50 mittlere, 300 kleinere, zusammen also 386 Stück. Dr. Fraass fand nur noch 377 Stück und darunter noch fünf von den urweltlichen Riesenbäumen. Die Cedern stehen demzufolge am Libanon auf dem Aussterbeetat und sind seitdem nach dem nördlichen Europa gewandert, nach Deutschland, Frankreich, England, Schottland und Rußland, wo das dermalige Klima dem einstmaligen Klima am Libanon zu entsprechen scheint.