Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-06-28 · Heft 26 (28.6.1876) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 26 (28.6.1876)
Date
1876-06-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447669--12656-2468490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

608 woraus die geistigen Führer aller Confessionen ihre Eingebungen schöpfen, fordert, daß die Unterthanen den durch die Volksvertreter zu Stande gekommenen Gesetzen in demselben Maße wie den religiösen Gesetzen gehorchen und daß der Liebe Gottes die Liebe zum Vaterlande an die Seite gestellt werden muß." Außer der oben genannten Schrift werden auch die übrigen Werke des Herrn Dr. Adolph Kohut von den neuesten Pariser Blättern besprochen. So äußert 'sich z. B. das Journal „Archive« Israelites“ in Nr. 11 vom 1. d. Mts. über vier Werke Adolph Kohuts — „Unsere drei Dichterheroen und das Pfaffenthum", „Herder und die Humanitätsbestrebungen der Neuzeit", „Die Erlebnisse und Huldigungen des Herrn Cultusminifters Dr. Falk während seines Aufenthaltes am Rhein", „Die goldenen Worte der Bibel" u. s. w. u. A. wie folgt: „Herr Dr. Kohut, zur Zeit Chefredacteur der „Düsseld. Ztg.", hat, obgleich erst 27 Jahre alt, bereits eine große Anzahl Werke verfaßt. Wir bitten unsere Leser um Erlaubniß, sie einen Augenblick mit denjenigen, deren Titel oben bezeichnet ist, zu beschäftigen. Das erste ist eine Zusammenstellung alles Dessen, was Schiller, Göthe und Lessing gegen das Pfaffenthum geschrieben haben. Zu dieser interessanten Zusammenstellung hat der Verfasser eine scharfe Vorrede geschrieben, wovon er indessen einige Punkte, wenn er sie noch einmal machen sollte, verändern würde; denn man kann unmöglich mehr, ohne die Augen zuverschließen, das heutige Frankreich als den Vorkämpfer des Ultramöntanismus bezeichnen. „Herr Dr. Kohut liebt den Ultramontanismus nicht und mit sichtbarer Genugthuung verzeichnet er in seinem Buch: „Die Erlebnisse und Huldigungen", die Kundgebungen, deren Gegenstand der Cultusminister Preußens während seiner Reise durch die Rheinprovinz gewesen. Es wird nothwendig sein, dieses Werk zu Rathe zu ziehen, wenn man sich einen Begriff von dem Zustande der Anschauungen, die in Preußen über den Kampf zwischen Kirche und Staat obwalten, machen will. Wir lesen in der Schrift, daß Hr. Dr. Falk in gewissen Städten auch die Synagogen besucht hat; es ist dies ein Fortschritt, den wir mit Genugthuung wahrnehmen. Die Israeliten in Deutschland sind mit den Anhängern anderer Confessionen noch nicht ganz gleichgestellt, indessen hat sich ihre Lage gebessert, und es ist zu hoffen, daß sich neue Fortschritte verwirklichen werden, damit die letzten, durch den Fanatismus aufgethürmten Schranken fallen sollen! „Herder hat gegen die Unduldsamkeit gekämpft und man liest mit großem Interesse die Aussprüche, welche Herr Kohut von dem berühmten Verfasser des „Geistes der hebräischen Poesie" citirt, und in welchen die Israeliten und ihre Religion aufs Wärmste vertheidigt werden. „Ungeachtet der Anstrengungen Herders und anderer berühmter Denker sind die Borurtheile noch nicht erloschen. Man behauptet auch heute noch gern, daß es das sogenannte Neue Testament sei, welches zuerst gelehrt habe, daß Gott für uns ein zärtlicher und erbarmungsvoller Vater sei, und daß die Menschen sich untereinander wie Brüder lieben sollen. „Diese Borurtheile sind es, die verschwinden müssen. Herr Kohut hat dazu beigetragen, dieses Ziel zu erreichen und er schrieb „die goldenen Wort der Bibel." Mit Sorgfalt ausgewählte und mit Geschmack übersetzte Auszüge beweisen, daß die vernünftigen Begriffe über Gott und über das Verhältniß, das zwischen ihm und den Geschöpfen besteht, sich schon in der Bibel der Juden vorfinden, daß alle Tugenden bereits darin gelehrt werden, daß die Bibel uns den besten Wegweiser für's Leben und die Tröstungen, deren wir im Unglück bedürfen, darbietet. „Es ist ein ausgezeichnetes Buch, welches wir (die Arch. Jsr.) ganz besonders der Aufmerksamkeit unserer Leser empfehlen. Es wird wohl nicht überflüssig sein, hinzuzufügen, daß dieses Buch, so schön durch seinen Inhalt, „eines der reizendsten Prachtwerke durch seine schöne Ausstattung ist." Stratzburg. „Un. isr." schreibt: In Fol. gendem ein merkwürdiges Zeichen göttlicher Bestrafung. Wir haben neulich ein Buch des Herrn Raymund Signores „Erinnerungen an das Bombardement und die Capitulation von Straßburg" betitelt, gelesen. Es wird darin erzählt, daß das Museum dieser Stadt, welches den 25. August 1670 zerstört worden, unter andern Merkwürdigkeiten auch die zwei metallenen Trompeten enthielt, vermittelst deren der Wächter der Kathedrale von der Höhe der Plattform jeden Abend das Zeichen verkündete, welches den Juden die vorgeschriebene Stunde bezeichnete, zu welcher sie die Stadt verlassen mußten. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wierr. Die Friedhofs-Commission des Gemeinderathes hielt heute eine längere Sitzung ab, welcher auch Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde beiwohnten. Dieselben drangen auf gänzliche Separirung des israelitischen Friedhofes vom Central-Friedhofe, auf welches Ansinnen aber die Commission nicht einging.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.