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Der Israelit · 1876-06-28 · Heft 26 (28.6.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 26 (28.6.1876)
Date
1876-06-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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601 Wieder trafen sich ihre Blicke, Hermine erröthete noch mehr; Werner war leichenblaß geworden. „Bevor ich Dir erwidere, was man einem Kinde, das eine solche Sprache gegen den Vater zu führen sich erdreistet, erwidern muß, ersuche idj Dich, mir zu sagen, worin denn eigentlich der Reiz des Hartung'schen Hauses besteht? Du warst meines Wissens nie sosehr mit ihnen befreundet; was zieht Dich denn jetzt dorthin, daß Du trotz meines ausdrücklichen Befehls, jeden Verkehr mit ihnen abzubrechen, den Umgang mit ihnen doch nicht meidest?" Hermine athmete tief auf; was sie so lange sorgfältig dem Vater verschwiegen, das sollte sie nun endlich ihm bekennen. „Du weißt wohl nicht, Papa, daß heute der sogenannte heilige Abend ist und kennst schwerlich die wahrhaft herzerhebende Feier desselben. Ich aber habe mich seit Jahren gesehnt, derselben einmal beizuwohnen, und als Bertha Hartung mich nun aufforderte, den Weihnachtsabend bei ihnen zuzubringen, da habe ich mir fest vorgenommen, ihrer Einladung nachzukommen. Wärest Du, Papa, nicht gar so schroff, nicht in Wahrheit fanatisch gegen Andersdenkende, es wäre mir in der That nicht in den Sinn gekommen, Dich zu täuschen. . So aber — was sollte ich machen? — Ich bitte Dich, lieber Papa, gib doch endlich Dein gehässiges Borurtheil gegen diese im wahrsten Sinne deL Worte, liebenswürdigen Leute auf. Was haben sie denn eigentlich verbrochen? — ist es denn in Wirklichkeit ein Unrecht, seiner Ueberzeugung treu zu sein, offen und ehrlich sie zu bekennen? — und sie haben doch nur einen gemüthlosen, Herz und Geist verknöchernden Glauben abgeschworen und sich zu einer Religion bekannt, die die Liebe selbst ist, die die reinste, wahrste Liebe lehrt. Fürwahr eine Religion, die einen Weihnachtsabend —" „„Unglückliches Kind, willst Du Deinen Vater tödten?"" schrie Frau Werner, auf den Gatten zustürzend, dessen aschfarbenes Antlitz sich in wahrhaft schreckenerregender Weise verzerrte. Auch Hermine starrte voll Entsetzen auf den Erfolg ihrer Worte. „„Wasser! Wasser!"" rief die Mutter. Hermine sprang herzu und versuchte, ein Glas an die farblosen Lippen des Vaters zu halten; doch dieser stieß sie zurück; mit Aufbietung aller Kräfte erhob er sich und schwankte der Thüre zu, er schien nicht im Stande zu sein, sich aufrecht zu halten. Hermine flehte, er möge sich auf sie stützen; doch er machte eine abwehrende Bewegung, sie mit zornglühenden Augen betrachtend. Plötzlich blieb‘ er stehen und legte die Hand an die Stirn; es schien ihn eine Erinnerung zu überkommen. „Vor acht Jahren war es," murmelte er, „gerade heute vor acht Jahren — hier in diesem nämlichen Zimmer, da hat er mich gewarnt — und ich habe seine Warnung verachtet! — Wahnsinniger Alter! Dein Werk ist's —" Er schlug sich mit der geballten Faust an die Stirn. — Angstvoll schauten Frau und Tochter auf ihn. (Fortsetzung folgt.) A N ZJEJ^G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. nEO Dresden. hed Cassels Hotel garni und Restauration Badergasse 29 I. Etage. 'TNic Special - Gemeinde Elsdorf sucht einen geprüften Lehrer und Eantor. Gehalt nach Uebereinkunft, mit Wohnung und Garten. Meldungen beim Vorsteher Daniel Hirsch. [874 QCX^iCX>30C0lC0iC«C?C0C 0 werden unter strengster Discretion vermittelt durch I. Blumenthal, 469] Neuestr. 34, Hannover. 0

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