Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1876)
- Date
- 1876-06-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447666--12570-2468401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XVII. Jahrgang M 23. . Der Israelit. M Sin / Kentrat - Hrgan für das orthodoxe Audenthum. HerauSgegeden von Vr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, ben 7. Juni 56 36 (1 8 7 6). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum. — Ocsterreichrsche Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Der Austritt aus der Synagogen-Gemeinde. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Larrpheim. Berlin. Frankfm^ a. M. Frankfurt a. M. Schweiz: Bern. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Wien. Prag- Lrmichow. — Italien: Rom. — England: London. — Feuilleton: 'Binjainin. Inhakt der ersten Meikage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Warmbruun. Berlin. Kreis Samter. — Frankreich: Paris. Paris, Paris. — Deutschland: Berlin. — Feuilleton: Proselytcn. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen : Oest.-Ung. Monarchie: Ricolsburg. — Inhalt der Krtra - Beilage: Spendenverzeichnisse. Leitender Artikel. Der Austritt aus der Synagagen-Gemeiude. Mainz, 1. Juni. Die Gewissensfreiheit hat in voriger Woche im preußischen Abgeordnetenhaus? einen »großen Sieg errungen. Die drei Lesungen, über die wir in der vorigen Nummer ausführlich berichtet haben, waren in mehr als in einer Beziehung von großem Interesse. Sie haben vor Allem bekundet, daß sowohl Regierung als Volksvertretung in Preußen von dem Geiste echter Freisinnigkrit, wahrhafter Humanität und nicht genug anzuer-! kennender Fürsorge für alle Staatsbürger, gleich-! viel welches Glaubens, durchdrungen sind. Nicht i mit Gleichgiltigkeit oder Nonchalance wurde das! die Juden betreffende Gesetz behandelt, sondern > es wurde allseitig in sorgfältige Erwägung ge-! zogen. Der Austritt wird gestattet, aber erschwert, > und Alles wird vermieden, was die Rechte Dritter i beeinträchtigen könnte. Die Lectüre dieser De-! batten hat uns mit wahrhafter Genugthuung er-! füllt. Die lichtvollen und überzeugenden Reden! der Herren Lasker, Marburg, Hirsch. Lehfeld,! Bismark-Flatow und der Andern, die sich an den j Debatten betheiligten, haben uns von der erhebenden Thatsache überzeugt, das Juden und Judenthum tn der preußischen Gesetzgebung die gebührende Anerkennung und Berücksichtigung finden. Auch die Absicht des Herrn von Sybel wollen wir nicht verkennen. Wiewohl er uns und unsere Gesinnungsgenossen als Fanatiker und als Menschen schlechter Gesinnung bezeichnte, so wollen wir doch, dem Gebote unsrer heiligen Religion folgend, ihm keinen Haß darob nachtragen; wir wollen ihn vielmehr mit der Uukenntniß der Personen und Sachen und mit der unrichtigen Instruction, durch die sich Herr Philippson an ihm vergangen, entschuldigen. Wir sind fest überzeugt, daß der berühmte Historiker anderer Meinung werden würde, wenn er die orthodoxen Juden, deren Synagogen und Schulen persönlich kennen lernte und den Geist echter Humanität, der sie durchdringt, zu würdigen Gelegenheit hatte.