Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1876)
- Date
- 1876-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. M 19 Der Israelit. Gin Hentrat - Hrgan für das orlhodore Iudenthum. HerauSgegeben von!>*•. Lehmann tn Mainz. Mittwoch, den 1l'. Mai 5636 (1 8 7 6). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs - Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Israeliten und Hellenen. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Berlin. Berlin. Aus Kurhessen. Dresden. Feuilleton: Binjamin. Inyatt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Württemberg. Von der Tauber. Berlin. Potsdam. Breslau. — Oest.- Ung. Monarchie: Papa. — Feuilleton: Bilder aus dem alten Prager Ghetto. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Württemberg. Stuttgart. Berlin. Berlin. Berlin. Cassel. Aus Kurhessen. Wiesbaden. Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Nicolsburg. Neu-Sandez. Lomnitz. Pesth.— Rußland: Riga. — Leitende» Wrtittl. Israeliten und Hellenen. Mainz, 1. Mai. , Wir haben bereits in einer der früheren; Nummern einen kurzen Auszug aus der Festrede j gebracht, welche Professor Ernst Curtius zu i Berlin am 22. März d. I. in der Aula der Uni-! versität zur Feier des Geburtsfeftes Sr. Majestät! des Kaisers und Königs gehalten. Die treffliche j Rede liegt nunmehr gedruckt vor, und wir halten es für angemessen, einen länger» Auszug unfern geehrten Lesern mitzutheilen. Der berühmte Philologe, der ehemalige Erzieher des deutschen Kronprinzen. sprach wie folgt: „Das Leben ist ein Kampfplatz von Gegensätzen. „Diese Gegensätze sind verschiedener Art. In alten und neuen Zeiten hat sich ein Volk über das andere erhoben und seinen Nachbarn gegenüber den Anspruch geltend gemacht, eine au'serwählte Nation zu sein; aus religiöser Beschränktheit wagen noch heute die am wenigsten entwickelten Völker des Morgenlandes alle nicht zu ihnen gehöri en als die Unreinen zu verachten. Berechtigt aber waren rtft zwei Völker der Erde, sich der- Menschheit gegenüber als etwas ganz Besonders zu fühlen, das Volk, welches inmitten einer von Götzendienst erfüllten Welt die reine Anschauung Gottes hatte, und das Volk, welches eine so reiche und eigenthümliche Bildung bei sich entwickelt hat, daß es alle anderen Völker als Nicht-Hellenen oder Barbaren ansehen und geringschätzen durfte. „Bei beiden Völkern war es ein geistiger Besitz, der ihnen das stolze Selbstgefühl' gab; beide waren kleine Völker, verschwindende Minoritäten unter der Masse der umwohnenden Nationen. Beiden war das spröde und vornehme Verhalten gegen das Ausland nothwendlg, weil sie in der Abwehr des Fremden und der Bertheidigung ihrer Eigenart ihrer selbst bewußt und stark geworden sind.