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Der Israelit · 1876-05-03 · Heft 18 (3.5.1876) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 18 (3.5.1876)
Date
1876-05-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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407 Die bedeutsamste Stellung an dem Beth- | Hamidrasch nahmen die für dasselbe berufenen Talmudlehrer sBeth - Hamidrasch-Nabbinen) ein. j Ein noch erhaltener Bestallungsbrief v. I. 1766 präcisirt die Functionen eines solchen in folgender Weise: 1. Derselbe soll die Vormittagsstunden dem Unterricht seiner Schüler widmen, die noch nicht das lfc. Lebensjahr überschritten. 2. Der Unterricht soll das ganze. Gebiet des Talmud und der damit zusammenhängenden casuistischen Literatur ('h'd':) umfassen. 6. Bei den Nachmittagsvorträgen ist der Zutritt auch Nichtstudirenden erlaubt. 4. Am Sabbath-Nachmittag vor dem Mincha- Gebet soll der Beth-Hamidrasch-Rabbiner über ein Thema aus dem Gebiete der Hagada einen Bortrag halten; in den Sommermonaten soll das betreffende Capitel aus den Pirke Abot zu Grunde gelegt werden. .6. Keiner der Beth-Hamidrasch-Rabbinen darf außerhalb des Beth-Hamidrasch Unterricht ertheilen, es sei denn nach dem Mincha- Gebet; auch darf derselbe nicht ohne Genehmigung des Monatsvorstehers während der Unterrichtszeit Nabbinatssitzungen beiwohnen. 6. Der Beth-Hamidrasch-Rabbiner erhält freie Wohnung und wöchentlich drei Thaler Gehalt. Von den beiden gegenwärtig fungirenden Beth- Hamidrasch-Rabbinen ist Herr Vr. I. Hildesheimer i. I 1869, Herr B. Zomber i I. 1871 in das Amt eingetreten. Feuilleton. Jitdcr au» dm alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Berf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) „Alsdann! — e r hat gesagt" und Wodolka wies zum Ueberstusse noch mit dem Finger auf Budweiser.Er ts sonst ein braver, guter Mensch, e Stückl ben Thoro, auch ein Bal Zdoke. Ich Hab' wirklich kein' Ursach', ihn zu loben; er is mir e Szone, und ich kann nix davor — aber ich gönn' ihm alles Gute, und die Wahrheit muß man sagen; aber ich bitt' den Rebbe inständigst, ihm den Chower noch nit zu geben . . . wie ich's schon gesagt Hab', jetzt hat er's abgelegt, — es is jetzt e voller Chodesch — aber wer kann schwören darauf, daß er nit wieder anfangt, — daS kann man in e Minut. nit wahr, Rebbeleben? — und der Rebbe, Reb Michael, gesund soll er sein — sagt noch darauf: Das seid Ihr gerächt, das is nit wie c andere Sach', wo man e Hasmone dazu braucht — die kann er e jede Minut' wieder anhabert, - mich staunt, daß er e ganz Chodesch ausgehalten hat, wenn mann's so lang' gewohnt ist ... Nu, foppen wird sich das Bes-Din nicht lassen, - wenn er so lang' auf den Chower gewart' hat, kann er noch e bisl warten — und dabei hat der Rebbe e bisl gelacht . . . Nun," frug Wodolka, der sich jetzt wieder in die Galle hineingeredet hatte, ganz giftig, „ist das deutlich genug? Braucht man dazu einen Perusch')? Er," er deutete wieder trotzig auf Budweiser, „hat dem Rebbe eingered't, ich habe die Schneiderei aufgegeben, nur um den Chower zu bekommen, dann will ich wieder e Schneider werden . . . um den Chower hat er mich gebracht, und als e schlechten'Menschen hat ör mich beim Rebbe malen wollen — und .', ." Wodolka wurde unterbrochen, beim Beginne seiner Erzählung hatte Budweiser seine Lippen zu einem Lächeln verzogen, je weiter Wodolka sprach, desto heiterer wuri-en Budweisers Züge, erst lachten seine Augen mit, dann nach und nach sein ganzes Gesicht, und jetzt plötzlich brach er in eine donnernde Lachsalve aus, das Alles nur an ihm zitterte. Lachen ist bekanntlich ansteckend; Reb Pinches Posseles, ein Freund eines guten, starken Spaßes, dem derben Humor sehr zugänglich, fiel mit seinem Bierbaffe ein, und die beiden andern Vorsteher die lachten in gutem Treu und Glauben, daß da etwas recht herzhaft Komisches zum Vorschein kommen würde. Das homerische Gelächter veranlaßte sogar Zehuthomer, die Thüre zu öffnen und neugierig den Kopf hereinzuschiebcn; endlich ward Wodolka selbst von dem Lachkitzel angesteckt, aber er lachte nur halb und frug ärgerlich und spitz: „Was is denn eigentlich an der Maiße so zu lachen?" Budweiser trocknete sich mit Zuhilfenahme seines blauen Taschentuches die Augenwimpern, an denen noch schwere Thränen der Rührung sowohl , als der frischgeweckten Lachlust hingen — und konnte vorerst unter Lachen als einleitende Erklärung nur das geflügelte Wort „Chammer! ch" an Wodolka richten; dann, nachdem er gehörig 1) Erklärung. 2) Esel.

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