Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-05-03 · Heft 18 (3.5.1876) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 18 (3.5.1876)
Date
1876-05-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447661--12457-2468283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

401 Am andern Morgen begleiteten Moses und Binjamin die Mutter und Schwester nach Michelstadt, von wo der Omnibus sie wieder an die Bahn bringen sollte. „Und Du nimmst mich nicht wieder mit Dir, Mutter?" fragte Binjamin, als Moses in das Haus gegangen war, um eine Fahrkarte zu lösen. „Bleibe bei dem guten Onkel," entgegnete Frau Hirschfeld, „er will Dich behandeln, wie sein eigenes Kind, und Du sollst einst sein Erbe sein." „„Erbe! Ich habe kein Glück mit Erbschaften. Meines Vaters Erbschaft ist mir entgangen, und ich soll hier im Odenwalde meine Jugend verbringen, um ein Häuschen zu erben, im Vergleich mit dem meines Vaters Pferdestall ein Palais war!"" „Was verloren ist, das bringt Dir Niemand wieder. Ich meine es gut mit Dir, mein Kind! Sei nur gehorsam gegen Onkel und Tante." Moses kehrte mit der Fahrkarte zurück. Der DmnÄms faVi E/rer-rkwr. meinend ihren Sohn, drückte ihrem Bruder die Hand und stieg in den Wagen. Der Kutscher peitschte die Pferde und fort ging es. Binjamin war allein in der Fremde; zwar bei Verwandten, zu denen er jedoch kein Herz fassen konnte. Eine Woche war vergangen. Binjamin hatte sich dem Wunsche seiner Mutter gefügt; er war gehorsam gegen Onkel und Tante; er legte Tephillin und betete; er wusch sich vor dem Essen die Hände und sprach das Tischgebet nach demselben. Als nun die Borbereitungstage für das Neujahrsfest herankamen, da stand er auch Morgens früh um vier Uhr auf, um seinen Oheim in die Synagoge zu begleiten, und dieser hatte die beste Hoffnung, den Knaben nach Wunsch zu erziehen. Moses Grünblatt war ein Handelsmann. Er ging alle Tage „über Feld," um zu kaufen und zu verkaufen. Er kaufte Alles, was ihm angeboten wurde: Ochsen, Kühe und Kälber, Pferde und Pferdehaare, Ziegenfelle und Schweineborsten Getreide, Wolle und Flachs, Tabak und Cichorie und noch lausend andere Dinge. Binjamin begleitete ihn auf seinen Geschäftswegen und hatte bald dies, bald das zu besorgen. Aber er fand keine Freude an diesem Leben. Es war im Oktober; die Jagd hatte begonnen. Wenn er die Jäger im grünen Jagdanzuge in den Wald ziehen sah, gefolgt von den Hunden, da schlug sein Herz und er beneidete die Glücklichen nicht wenig. Ach in früheren Jahren war er mit seinem Vater und anderer fröhlicher Gesellschaft in den Wald gezogen; er selbst hatte ein Paar Hasen geschossen und war dafür allseitig belobt worden; und jetzt? Jetzt war er ein Schacherjude, ein armseliger Schacherjude! Der Gedanke schnitt ihm das Herz ab. Oftmals dachte er daran, zu feiner Mutter zurückzukehren. Aber, was hatte er da? Seme Mutier wohnte jetzt in H. und zehrte von ihrem kleinen Capital, nur Weniges mit Handarbeiten verdienend. Er würde der Mutter zur Last fallen; diese müßte ihn nothwendig in die Lehre geben, zu einem Kaufmann natürlich. Da hätte er hinter dem Ladentische stehen ooer im Comptoire sitzen müssen. Da war es doch immer noch besser, mit dem Onkel „über Feld" zu gehen. (Forts, folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. in gut gesitteter Knabe findet in einem größeren Herren-Garderobe-Geschäft Stelle als Lehrling bei freier Kost und Wohnung im Hause. Offerten der Eltern oder Vormünder mit Zuschrift des Bewerbers an den »Jttvaliden-ank" in Dresden unter v. F. 84. [1082 WW^ Ein Commis sucht Stelle in einer Colonial¬ oder Eisenwaaren* Handlung. wo Sabbat und Feiertage geschlossen ist. Eintritt kann sofort geschehen." Ansprüche bescheiden. Franco - Offerten 8ub Nr. 1104 besorgt die Exped. d. Bl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.