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Der Israelit · 1876-04-26 · Heft 17 (26.4.1876) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 17 (26.4.1876)
Date
1876-04-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Zweite Beilage zu llr. 17 des Israelit. Zeirnngsnacdricdren und <§orrefpondenren. D e u l 1 ch l ß n d. Laupheim. Am Mittwoch, den ö. April — — ]D\j n" ’ — ist Herr Rabbiner Abraham Wälder im Alter von 67 Jahren, zu einem besseren Leben entschlafen. Vor ungefähr einem halben Jahre wurde er von einem gefährliches- Unterleibsleiden befallen, das nach und nach so bösartige Dimensionen annahm, daß e seinen Tod zur Folge hatte. Ungeachtet der schmerzvollen Leidenstage lebte er doch stets — dis fast auf den letzten Tag hin — seinem Berufe und seinen Pflichten. Der Verstorbene war ein echter Mosaide — tns rjy —, ein wahrer Ahrvnide — ppn: — und ein geduldiger Hilles, streng befolgend dessen Worte: -payn *parp w:d pm no Die hiesige Rabbinatsstelle sbezog er am 1. Januar 1852 nnd am nächsten Neujahr 1677 hätte er sein hiesiges 25jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Doch der Herr sprach ,,"un iy" und so ward nicht ihm, nicht uns das Glück zu Theil jenen Tag als Freudetag zu begehen. Von B'rrlichingen aus hierher gekommen, war er streng orthodox. Allein — doch de mortuis nil nisi bene! Sein Privatleben bewies, daß er nicht aus Hang der Reform huldigte. Er ging tagtäglich “ipai 2“>y — in die Synagoge; na:D warf er nicht über Bord wie jener Schulchan-Aruch-Revisions- Antragsteller; mso auf Pefach bezog er nicht von hier, da die hiesigen^nicht sganz rituellmäßig bereitet werden Das Leichenbegängniß fand Freitag, den 7. April, Vormittags 11 Uhr, statt und die Betheittgung an demselben war eine außerordentlich zahlreiche, sowohl von hiesigen, wie von Fremden, von Juden, wie von Christen, selbst die Frauen alle ließen sich von der dringenden Pesacharbeit nicht abhalten uud schlossen sich dem Zuge an. Am Grabe sprachen: Herr Lehrer Elsässer als gesetzlicher Rabbinutsstellvertreter; er hob in schönen, schwunghaften Worten die Verdienste und Vorzüge des Dahingeschiedenen hervor, ohne alle und jede Uebertreibung, dann Herr Rabbiner Weinmann aus Buchau als Freund und College j des Entseelten, er rühmte ihn als eine Sonne des! Glaubens — a?ccyn «oi vorn rrr — als einen Mann, der als Vermittler zwischen Neu- und Altgläubige sich stellte — c^nnr rai ovicn ra Toyn — er stellte sich zwischen die, die den tobten Buchstaben verehren und dir, die den lebendigen Glauben üben!!'?!! und zuletzt Herr Vorsänger Einstein von Ulm, er dankte dem Verblichenen im Namen seiner Gemeinde, weil er es ist, der Ulm zu solcher Höhe geistiger Blülhe gebracht. Als wir die beiden letzten Redner hörten, da dachten wir: Nvi .tw u rr^y. Auch die beiden hiesigen Lokalblätter — die „Laupheimer Zeitung" (ein klerikales) und „Der Verkündiger" (ein liberales Blatt) widmeren dem Verstorbenen ausgezeichnet schöne 'Nachrufe und wir glauben im Sinne aller Verehrer des Herrn Wälder zu handeln, wenn wir hier den Redaktionen genannter Blätter unsern ösientlichen Dank aussprechen. Wir können nicht unterlassen, eines Verdienstes zu gedenken, das die Herren Redner unberührt gelassen Zur Hebung und zum Wachsthum unserer t-du po — eine Stiftung vieler Gemeindegenossen , aus der am Jahrtage der Stifter ein Jahrzeitlicht beschafft, ein Schiur gelernt und ein Kadisch gesagt wird; aus der je auf fids und nP schöne Gaben an hiesige Arme vertheilt werden und ans der zeitweise dürftige, auch unbemittelte Kranke Unterstützung erhallen — hat der Verstorbene Vieles beigetragen, so daß die Zahl der Stifter jetzt bereits an 250 beträgt und das Stiftungskapital ein sehr namhaftes ist. — Möge er in Frieden ruhen, möge sein Nachfolger nicht zur Klasse der d’o*ü „Weinbergsverderber" gehören. Berlin, 17. April. Einem isr. Religionslehrer hat der Unterrichts^ Minister eröffnet, daß er nicht in der Lage ist. die Aufnahme der jüdischen Religionslehre unter die Gegenstände der Ab'turienten-Prüsung zu gestatten, ba bteletbe bem nicht obligatorischen Charakter dieses Lehr-Gegenstandes widersprechen würde. Weiter heißt es dann: „Es bleibt ihnen aber selbstverständlich unbenommen, jedem ihrer Schüler, der es wünscht, über seine Gesammtleistungen in der jüdischen Religions-Lehre selbstständig und ohne daß in dem Maturitäts-Zeugniß Bezug darauf genommen wird, ein Schluß-Zeugniß auszustellen."

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