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Der Israelit · 1876-04-26 · Heft 17 (26.4.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 17 (26.4.1876)
Date
1876-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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377 trotz seiner Erregtheit neugierig, was Wodolka erzählen würde. „Als dann," begann dieser mit einem tiefen Athemzuge, „ich will mich auch nit schämen, und will meine Narrischkat mode sein ... ich, ich hatte für mein Leven gerne e Chower ... ich Hab' kein Kind! . . . was Hab' ich an dem ganzen Leben, wenn ich nit e bisl Kowed auch haben soll . . . . ich bin doch kein schlechter Mensch, kein Posche Jisroel*), geb' von Allem, was ich verdien', Maißer^), warum soll ich, ein alter Balbos, nach dem Jüngsten, wenn er e Chower hat, aufgerufenb) werden? — Weil man in Prag durchaus einem Schneider keinen Chower geben will, Hab' ich endlich lieber die ganze einträgliche Meloche aufgegeben, und wie ich vorigen Dienstag zum Rebbe Reb Michoel hinaufkomme und um den Chower bitten will, und im Vorzimmer sitz', ist der . . . Ewenhaunigof" — Wodolka schüttelte erbittert die Faust gegen Budweiser — „da und red't in Rebbe hinein, er soll mir ja jetzt noch nit den Chower geben, ich Hab' die Schneiderei nur auf einen Monat abgelegt; ich bin's so lange gewohnt und werd's nit lassen können. Wenn ich den Chower einmal Hab', werd' ich wieder Schneider werden — und werd' noch das Bes-Din chas wescholom auslachen. . . so lang' hat er in den Rebbe hineingered't, bis der gute feine Mensch, der Jedem glaubt, ihm zuletzt recht gibt ... ich, ich Hab' das mit meinen eigenen Ohren gehört - ist das nicht eine impertinente Bosheit? — das ist weit ärger als Neid, — das ist Mißgunst! — Warum nimmt er sich die größte Müh', mir meine "einzige Freud' auf der Welt zu stören? er hat ja den Chower! Schad'ts ihm etwas, wenn ich ihn auch Hab'? — Das hat mir so weh gethan, so weh! . . . daß ich vor Chemo nit gewußt Hab', was ich thu' . . . . und wie ich heruntergeh und so in Gedanken nit Obacht geb' . . . beschütt' mich noch all koll fofj3 4 5 6 7 8 9) seine Mad^) mit e Kann' Bier . . . und da bin ich in der Rigse gleich heraufgelaufen und . . . . das war wirklich nit schön und nit recht von mir, es steht geschrieben: Lo sikom welo sitorb) — das thut mir wirklich leid, sehr, recht sehr leid! . . ." Wodolka war wieder von dem Einflüsse des Momentes beherrscht, er senkte beschämt sein Haupt und blickte verlegen zu Boden. 3) angezeigt. 4) Gesetzesverächter. 5) Den Zehnten an Arme. 6) Zur Thora gerufen. 7) zu alldem. 8) Dienstmagd 9) Du sollst nicht vergelten und Dich niitt rächen' DäS Alles, was er sprach, und wie er es sprach, entwaffnetzum Theit Budweisers Zorn, und einen Schritt an den cidevani Schneider näher rückend, sprach er mit weit milderem Tone: „Was lallt Dir aber da ein? ich Hab' ja so lang' ich leb' nit ein Wort von Dir mit dem Rebbe gered't ... Ja, richtig, einmal! . . . wie ich ihm zu der neuen Schibutze, die Du ihm geschenkt hast, maseltow-gesagt") Hab' — da Hab' ich von Dir geredet, — nichts als alles Gute, — seit der Zeit Hab' ich kein Wort von Dir mit ihm gesprochen, bechai Roschi we nafschi!" „Um Gott," rief Wodolka und griff sich mit beiden Händen an den Kopf, „ich hab's ja mit meinen eigenen Ohren gehört!" „Wann?" examinirte Budweiser. „Rosch chodosch, vorigen Dienstag halb zwölf Uhr war's," erwiderte Wodolka, der seinem Gedächtnisse die Begebnisse dieses Tages bis in die zartesten Details eingeprägt batte; aber bei all' der-Zuversicht, mit der er sprach, hatte er im Tone doch etwas an Sicherheit eingedüßt. Hast Du denn Deinen Namen geholt?" srug Budweiser weiter, und etwas wie unterdrücktes Lachen überzuckte sein ehrliches Gesicht. „Meinen Namen?" und Wodolka's Gesicht begann einen Anstrich von merkwürdigem Erstaunen anzunehmen, der ihm — dem Gesichte nämlich — einen Anflug von Dummheit verlieh, „meinen Namen? . . . nein! — das is wahr . . . aber Schomajim woerzez, es paßt ja prächtig auf mich . . und paßt ja aus gar keinen Andern nit . . . hört nur an, Ihr werthen Herren Vorsteher , was ich Euch da verzähl', is wahr ... so gewiß wie Gott boruchhu die Asseres hadibroß am har Sinai") gegeben hat." Wodolka legte einen Finger nachdenklich an die Nase; denn nachdem er eine so heilige Versicherung ertheilt hatte, mußte er doch jedes Wort wahrheitsgemäß und ganz genau mittheilen; und er wußte diese schnöden Worte ganz genau, sie waren damals wie zündende Funken in seine Seele gefallen, — er hatte nicht eines vergessen. (Fortsetzung folgt.) 10) gratulirt, beglückwünscht. 11) Die zehn Worte am Berge Linai.

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