Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1876)
- Date
- 1876-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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271 Montefiore von der jüdischen Gemeinde zu Zergron in Persien gerichtete Schreiben verlesen, aus denen erhellet, daß diese Gemeinde, aus 300 Seelen bestehend, sich in traurigen Umständen befindet und daß einige Juden daselbst gezwungen worden, zum Islam überzutreten. Sir Moses Montefiore hat sich dieserhalb an die engl. Regierung gewandt, um weitere Verfolgungen zu Hintertreiben. Durch Vermittlung des Lord Derby hat der engl. Gesandtin Teheran versprochen, alles nur Mögliche in dieser Angelegenheit zu thun. Das Board hat von seinem früher» Fond für die Hungernden Persiens 100 L. der obengenannten Gemeinde übersandt. (Jew. Chr.) Feuilleton. Vildcr aus dem alte» Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers, des „Gabriel" (Fortsetzung.) „Reb Mosche!" rief Bele, — seitdem er den Chower besaß, nannte sie ihn der Regel nicht anders — „das ist gewiß wegen einer Nummer, gewiß, bestimmt! . . . warum hast Du Zehnthomer nit e Guldenzettel in die Hand gesteckt . . . der Taschkasch weiß ewadde, was vorgeht . . . aber es ist gewiß nix anderes ... sie wollen Dir eine Familie für unfern Schwiegersohn geben," und dieser Hoffnungsstrahl machte die gute Mutter überselig und verjüngte ihr noch immer hübsches Gesicht um volle zehn Jahre. Budweiser knüpfte sich gerade das weiße Tuch um den Hals, er war ruhiger, weniger optimistisch als seine Frau, er glaubte anfänglich gar nicht daran; aber der schöne Freitag Abend nahte, und — da sollte, wenn möglich, nicht der leiseste Schatten auf die Seele seiner Frau fallen, da wollte er, soweit es eben von ihm abhing, nur Freude und Seligkeit einziehen lassen in ihr Herz und in ihr Gemüth. Budweiser sprach nie eine directe Unwahrheit; eine Verschleierung, eine Umhüllung der Wahrheit war für den Juden jener Zeit eine absolute Rothwendigkeit geworden; mit der reinen Wahrheit konnte er nicht eine Stunde lang vor den Gesetzen des Staates bestehen, der geradezu Unmögliches von ihm verlangte; — an eine solche Verschleierung der Wahrheit mußte sich nach und nach auch der Beste gewöhnen, und Budweiser warf nach kurzem Bedenken leicht die Antwort hin: „Zehnthower waß ewadde nix, sonst möcht' er's sagen, ich Hab' ihm ja einen Ducaten für die Nachricht versprochen . . . aber —" „Warum nicht? — das kann schon sein!" . . „Schomajim woerez! wie kalt Du das sagst.. „Ewadde ganz bestimmt ist es so! — was kann Kohol sonst von Dir wollen? — wir sind jetzt zu Gutem achtundzwanzig Jahre miteinander, und Du bist noch nie auf's Rathhaus gerufen worden, — also was kann man anders wollen?" Wir haben es schon gesagt, Vertrauen und Beruhigung sind ebenso ansteckend als das Gegentheil, und selbst dem klügsten, nüchternsten Menschen ist die Hoffnung ein schmeichlerischer Berather. Ganz unmöglich war es nicht . . und dann auch, David Zehnthomer war als ein böser, widerhaariger Geselle in der Gemeinde bekannt, der nur dann etwas Erfreuliches mittheilte, wenn er mit vollen Händen empfangen wurde; wo das nicht der Fall war, pflegte er gern durch unangenehme Andeutungen einen heilsamen Schrecken zu verbreiten, denn eine verwundbare Achillesferse bot sich dem Gesetze in dem Leben eines jeden böhmischen Juden ausnahmslos dar; und daß Zehnthomer geschwiegen, schien bei reiflichem Erwägen endlich auch dem besonnenen Budweiser nur Gutes zu bedeuten. „Hm! das kann schon sein!" wiederholte er; aber diesmal klang es um eine Nuance zuversichtlicher. „Also geh gleich hinauf!" rief Bele eifrig. „Wohin?" lachte Budweiser, „auf's Rathhaus, meinst Du doch? ... da ist jetzt Erew Schabbos Nachmittag zu treffen . . . Einen von den Koholsleuten treff' ich vielleicht in der Mikwe - soll ich ihn dort fragen, was meinst Du?" „Ja, ja, ja! — gleich wie Du ihn siehst, frag' ihn," meinte Bela hastig, und reichte unwillkürlich dem Galten den Rock, damit er nur recht schnell fortkomme. „Das alte Sprüchwort!" sagte Budweiser, „die klügste Frau ist der größte Narr! und da ich Dich, Kindleben, für die klügste Frau halt' — mußt Du doch der größte Narr sein. ... In der Mikwe davon reden! damit's gleich die halbe Kille hört! — nein, wir müssen schon warten bis Sonntag, ob wir geduldig oder ungeduldig sind, das ... . wird die Sach' nit besser und nit schlechter machen — und ich mein' .... es kann schon so sein, wie Du glaubst," und diesmal klangen diese Worte schon viel zuversichtlicher. „Gott im Himmel! wie freu' ich mich! — wenn nur Ester schon vom Blumenmarkt nach Hause kam, und wenn ich zu Simon schicken könnte! . ." „Bist Du schon wieder das klügste Weib!? . . . rief Budweiser vorwurfsvoll . . . „wirklich, die Gemara hat da wie immer recht: Noschim