Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-03-08 · Heft 10 (8.3.1876) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 10 (8.3.1876)
Date
1876-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447656--12325-2468146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

210 deutung ist, wie jede scheinbare Schwierigkeit bereits vor Jahrtausenden untersucht und gehoben worden, wie jede Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, jede überflüssig erscheinende Wiederholung dem j nach Erkenntniß und Verständniß Strebenden eine unendliche Fülle von Belehrung bietet, Jeder, der sich daran gewöhnt hat, in die Tiefen unsrer hei- | liqen Gotteslehre einzudringen, der wird nur ein mitleidiges Lächeln haben für jene bornirten, sich; gelehrt dünkenden Menschen, die dn unsre Thora, ' den Inbegriff alles Wissens und Erkennens, für zusammengewürfelte Sagen oder für das Geistesproduct eines Menschen ausgeben wollen. Und auch diejenigen Leser, denen unsre heiligen Erkenntnißquellen nicht offenstehen, die aber mit Auf-; merksamkeit die leitenden Artikel dieser Zeitschrift j lesen, werden bereits tausendmal erkannt haben,; wie kostbar, wie unendlich werthvoll jedes einzelne j Wort, jeder einzelne Buchstabe unsrer Thora ist, | wie eine scheinbar unbedeutende Redewendung oftj mals die höchste Fülle der Belehrung in sich! schließt. '! Artaban, ein vornehmer Römer — so erzählen j unsere Weisen in Talmud Jeruschalmi, Tractat Peah — sandte einst an Rabbenu Jehudah, den > Heiligen, eine Perle von unschätzbarem Werthe! und forderte ihn auf, ihm etwas Anderes, von I ebenfalls unschätzbarem Werthe, dafür zu senden.! Da schickte ihm Rabbi Jehudah eine Mesusah.! „Wie," ließ Artaban ihm sagen, „ich sandte Dir j eine Perle von "unschätzbarem Werthe und Du! schickst mir eine Mesusah, die ich für wenige Pfennige kaufen kann?" — „Und alleDeineSchätze," antwortete der Rabbi, „werden ihr nicht gleich kommen, heißt es von der Thora. Jeder auch der kleinste Abschnitt von ihr, ist von unschätzbarem Werthe." Allen, die den oben erwähnten, thörichten Ansichten huldigen, brauchen wir nur zu sagen: „Gehet hin und studiret die Gotteslehre; erkennet, wie sie von Talmud und Midrasch und von den hervorragendsten Geistern aller Zeiten beleuchtet und erklärt wird, seid aber ernst und sorgfältig in diesem Studium, und die Finsterniß, die euren Geist gefangen hält, wird schwinden wie die Nacht vor der aufgehenden Sonne." Wir werden uns daher mit den erstgenannten beiden thörichten Ansichten nicht länger befassen. Dagegen wollen wir uns mit der Abweisung der dritten desto länger beschäftigen, weil wir dabci zu erörtern haben werden, wie und in welcher Weise die Gesetze unseres Gottes aufzufassen sind, so daß diejenigen Gebote und Verbote, welche die Thora als für alle Zeiten verbindlich hinstellt, auch in der That für uns bindend sind und für unsere Nachkommen in voller Kraft bleiben werden. Das Judenthum ist eine Religion der That. e» werde gethan, und wenn wir thun, wie Gott geboten, dann wird der Ewige uns gründen ein dauerhaftes Haus. .;c»o n’3 msO» 'i rispy 3’pdt (Fortsetzung folgt.) Dtt Schulchau Iruch und Herr Rabbiner (!?) Süsbind in, Wiesbaden. Mainz, 6. März. Seit einiger Zeit erheben die Judenfeinde in einer Weise ihr Haupt, die an die schlimmsten Zeiten des Mittelalters erinnert. Bücher und Broschüren werden verfaßt und unter das Volk gestreut, die über Juden und Judenthum Lügen und Verleumdungen verbreiten. All die Bosheiten, Mißverständnisse und falschen Auslegungen unverstandener Talmudstell n, die Schudt, Eisenmenger und Consorten in die Welt gesetzt haben und die bereits tausendmal widerlegt und als unsinnig gekennzeichnet wurden, werden wieder aufgewärmt; die ultramontanen und die feudalen Zeitungen, die großen wie die kleinen, bringen Spalten lange Auszüge aus jenen giftigen Broschüren, um ihre Leser zu verblenden und sie mit Haß und Wuth gegen Juden und Judenthum zu erfüllen. Es ist diese Erscheinung leicht erklärlich. Die ultramontane wie die feudale Partei flnden sich, namentlich in unserm geliebten, deutschen Vaterlande, im Widerspruche mit dem modernen Staate und müssen Manches über sich ergehen lassen, was ihnen nicht angenehm ist. Da aber der Staat ihren Angriffen gegenüber zu mächtig ist, da sollen die Juden, wie seit Jahrhunderten, die Prügeljungen abgeben; an den Juden will man die Wuth auslassen und der Fond von Roheit, der in Manchen von ihnen steckt, sucht auf einem, für die Wüthenden am wenigst gefährlichen Wege seinen Ausweg. Wir aber vertrauen auf Gott, Dir k1? mn ">öw j»” toi. „Siehe, es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels!" Er, der vor Jahrtausenden die Mordanschlä r Hamans zu Nichte gemacht, Er wird uns auch jetzt nicht verlassen. Zu „Rohling" aus Münster, der „Bonifacius- Broschüren - Fabrik" in Paderborn rc. hat sich in neuester Zeit ein Mann gesellt, der sich, Gott sei's geklagt, den Titel „Rabbiner" beilegt. Herr Rabbiner Süskind in Wiesbaden hat vor einigen Tagen eine Broschüre gegen die isr. Religionsge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.