Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1876)
- Date
- 1876-03-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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204 — abgesehen von der Kürze, die ich mir auferlege — dieses Mal ausnahmsweise in der Voraussetzung, selbst in weitester Ferne Interesse zu erregen. Denn wahrlich, selbst in weiter Ferne dürften sich Schüler desjenigen finden, dessen Jubiläum nach 50jähriger Amtstätigkeit vergangenen Donnerstag mit so ungeheuchelter Freude, mit so wahrhaftem Gefühle der Dankbarkeit, mit so allgemeiner Theilnahme von allen Schichten der Bevölkerung gefeiert wurde. In weitester Ferne, sage ich, dürften sich Tausende von Schülern des Herrn I. Baruch Forchheimer finden, bei deren geistiger und moralischer Entwickelung, wie Herr Dr. Jgn. Deutsch, Namens der Schüler sagte: bei deren geistiger und moralischer Entwickelung er als Gevatter gestanden, in die er die ersten Keime des Wissens und der Gesittung gelegt. War aber auch das eine erhebende Feier! Der ftädt. Repräsentantensaal und die Gallerie waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Herren, Damen und die Schaaren der Schuljugend waren versammelt. Von den anwesenden Notabilitäten nenne ich nur: F. M. Lt. Frhr. von Pakönyi, Stadtpfarrer Heiller, Superintendent von Geduly, Bürgermeister Gottl. mehrere Mitglieder des Magistrates, Stadtrepräsentanten, K. Oberstudium- Director, k. Rath, Abt von Barton, Schulinspector Bartal, der fastvollzählige Lehrkörper und die Directoren aller Mittel- und Normalschulen, der Real- und Gymnasialschulen und Lehrerinpräpandie. Auf der großen Tafel waren die dem Jubilar gewidmeten Geschenke aufgestellt. Mehrere silberne Pokale, ein Album, eine meisterhafte von Herrn Lehrer A. Levy kaligraphisch ausgeführte Adresse enthaltend, und fl. 40 > in Silberrente. Nachdem Herr Forchheimer von einer, aus seinen einstmaligen Schülern zusammengesetzte-Deputation , abgeholt und beim Eintreten in dem Saale mit stürmischen Eljens empfangen wurde, stimmte der Chor der Realschule den Hymnus ^l8ten alld meg“ an, worauf Herr Oberstudien- Director Abt Barton das Wort ergreift. Er verliest einen Erlaß des k. ung. Ministeriums, worin dem Lehrer der isr. Cultusgemeinde H. B. F. in Anerkennung seiner auf dem Gebiete der Volksschule geleisteten, langjährigen, getreuen und ersprießlichen Dienste die silb. Medaille mit der Krone allergnädigst verliehen wird. Nun heftet er die Medaille an die Brust des Gefeierten und gibt eine kurze Biographie desselben H. B. F. ist 1804 in Bayern geboren, wo er i0 Jahre als Lehrer thätig war. 1835 kam er nach Waag - Neustadtl und 1844 nach Preßburg, woselbst er noch jetzt im Lehrfache wacker wirkt. Daß sich H. F. noch in seinem Alter der Mühe unterzog und die Landessprache erlernte, wird als besonderes Verdienst hervorgehoben. Nun drückt Herr Dr. Stern den Dank der isr. Cultusgemeinde aus, in der der Jubilor so viele Jahre treu und erfolgreich wirkt und überreichte ihm als Erinnerungszeichen einen silbernen Pokal. Herr Dr. Jgn. Deutsch spricht im Namen der Schüler. Er sägt unter Anderm: „Wenn ich im Augenblicke, da ich den greisen Lehrer vor mir sehe, an die Tage zurückdenke, da ich als kleiner Junge Ihren Unterricht genoß, so erinnere ich mich, daß es gerade die exakten Disciplinen waren, die Sie uns tradirten. Der Unterricht der Kleinen in diesen Wissenszweigen ist in hervorragendster Weise maß- und richtunggebend für die ' spätere Denkart und der klare, gerade, logische Gedankengang, an den bei jenen Unterrichtsgegenständen das Kind gewöhnt wird, er bleibt zumeist dem Jünglinge, und ist er diesem geblieben, — immer dem Manne. Und weil wir Ihnen die ersten Fingerzeige nach dieser Richtung des Denkens schulden, darum gedachten wir immer und denken auch heute noch, in welchen Berufssphären wir auch thätig sein mögen, Ihrer in dankbarer Anhänglichkeit, darum weihten wir Ihnen immer eine sympathische Rückerinnerung." Redner überreicht nun die obenerwähnte Rente von fl. 400. Aus dem Kreise sechs weißgekleideter Mädchen, welche H. F. Namens der Mädchenschule einen Loorbeerkranz überreichten, trat nun Eines hervor und deklamirte eines auf den Jubilar verfaßtes, mit großem Beifall aufgenommenes Gedicht. I. Kostner, Director der hies. kathol. Volksschule, beglückwünschte nun auch den Jubilar und überreichte demselben Namens seiner Schule eine Adresse. Sichtlich gerührt und unter Thränen dankte Hr. F. jedem Einzelnen der Redner und seinen kath. Collegen dankte er, daß sie die Verschiedenheit der Confessionen nicht kennen; auch er habe stets gelehrt, daß bei treuer religiöser Gesinnung und bei strenger Religiousübung Menschen von verschiedenem Glauben neben einander brüderlich leben und wirken können und sollen. Mit dem Absingen des „Szozat" fand die Feier ihren Abschluß. Abends fand im engeren Kreise ein Bankett statt, bei welchem natürlich die üblichen Toaste auf den König, der israel. Cultusgemeinde rc. rc. nicht fehlten. Von Auswärts waren Telegramme von Professor Stricker in Wien, von den Schulen in Tyrnau und W. Neustadtl eingelaufen. Charakteristisch ist die Aeußerung, die Hr.