Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1876)
- Date
- 1876-02-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447653--12264-2468082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Ki io»5) zweimal gesagt wurde, für den allergeeignetsten , und — noch eins hatte er sich fest vorgenommen , kein Mensch sollte von seiner Bewerbung erfahren, auch seine Frau sollte überrascht werden. Er war zwar von dem Erfolge vollständig überzeugt, aber die Vorsicht ist die Mutter der Weisheit, und er hatte bei der mißglückten Gabbewahl die bittere Erfahrung gemacht, wie leicht man im menschlichen Leben Täuschungen unterworfen sei, und erinnerte sich noch des schmerzlich beschämenden Gefühles, mit dem er seiner Frau gegenüber gestanden, der er früher die Gewißheit, er würde gewählt werden, eingeflößt hatte. — Also Dienstag Vormittag nach dem Schiur^), wo er hoffte Niemanden beim Rosch Bes - Din zu treffen, wollte er sich in eignet tßerfon vorstellen, wenn es gut ging, konnte er schon Samstag in dem Besitze des lange und schmerzlich ersehnten Diploms sein. Sechstes Capitel Es schien ein eigenthümliches Verhältniß über die beiden Nachbarn, Budweiser und Wodolka, zu schweben. Sie waren — wenn es gestattet ist, Kleines mit Großen zu vergleichen — wie zwei um die Weltherrschaft ringende Nationen. Wenn die eine siegte, unterlag die andere, erhob sich die zweite ruhmreich, lag die erste am Boden. Wir haben es gesagt, seitdem Wodolka den ihm lästigen Schneiderstand abgestreift hatte, fühlte er sich wohler, freier; er war herter, ja sogar lustig geworden. Er kam als unbeschäftigrer und unabhängiger Mensch in angenehmer Weise mit dem Publikum in Berührung. Glück veredelt den guten Menschen, macht ihn noch besser. Der Hauch der Milde, von der sich Wodolka immer mehr und mehr an- 3) daß es gut war. Ju der Bibel wird dies vom dritten Schöpfungstag zweimal gesagt. 4) Talmudvortrag. geweht fühlte, begann sich nach und nach auf Mosche Budweiser auszudehnen, ja es geschah das Unerhörte, daß er, wenn er vor dessen Wohnung vorüberkam und die äußere Thüre derselben offen fand, er diese nicht mit dem gewohnten kühnen Schwünge zuwarf, sondern derselben mit einer sanften Leibesschwenkung auswich. Hätte sich Budweisers Familie in ruhiger Gemüthsstimmung befunden , hätte das neugewohnte freundschaftliche Benehmen des früher feindlichen Nachbarn angenehm auffallen müssen; aber jene war im tiefsten schmerzlichsten Mißmuthe versunken. — Die Situation in den beiden Stockwerken hatte sich gründlich geändert. Im zweiten Stockwerke herrschte Gemüthsruhe und Zufriedenheit, im ersten Betrübniß und Kummer. Die meisten Romane beschäftigen sich damit, Liebesverhältnisse mit Schwierigkeiten zu schildern, die entweder einer glücklichen Lösung entgegengehen oder tragisch enden. Bei diesen Darstellungen muß durch die geringe Zahl von Variationen, die, der Natur der Sache nach, hierbei Vorkommen können, eine Art Monotonie eintreten, und wenn diese weniger auffällig wird. so liegt dies nur an der hohen Begabung der Schriftsteller der Gegenwart, die durch Lebendigkeit der Erzählung , Kunst der Darstellung, Naturtreue der Schilderung den Leser gewinnen. Wenn beide Parteien über die Gefühle ihres Herzens einig sind, so können nur die Eltern des einen oder des andern Theiles, im allergrausamsten Falle alle beide, Einspruch erheben. Aber in Budweisers Hause spielte sich ein Roman ab, wie er in solcher Eigenthümlichkeit sich nur in jener Zeit, nur im Prager Ghetto abzuspielen vermochte. Simon Rakonitz und Ester Budweiser liebten sich wahrhaft, und daß ihre gegenseitige edle Neigung nach allen Richtungen hin eine mehr als vierjährige Prüfung bestanden, daß sie sich vollkommen unverändert erhalten hatte, war ein weiterer Beweis für die Reinheit derselben. (Fortsetzung folgt.) A N ZJE±G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. nos Sy rnnn nso empfiehlt Essig und Zwetschken-Brarmtwein neue und gebrauchte, sehr preiswürdig, zu verkaufen Bingen a. Rh. M. Hecht Sohn. bei Referenzen betr. itcon ertheilt unser Rabbiner I. Konssmonit, Herr vr. Sänger. (219 328) Frankfurt a. M.