Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1876)
- Date
- 1876-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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138 vorausbestimmt, nur das nicht, ob der Mensch gut oder böse werden wird; das hängt von seinem eigenen, freien Willen ab. Schon Maimonides hat die Frage aufgeworfen, wie sich die Allwissenheit Gottes nyn' mit der Freiheit des menschlichen Willens mvo vereinigen lasse. Gott ist allwissend, d. h., Er weiß Alles, was geschehen ist und geschehen wird; demnach wußte Gott auch, daß z. B. Joab den Amaßa ermorden würde. Lag es also in der freien Wahl Joabs, die Mordthat zu begehen oder sie zu unterlassen? Der einseitig denkende, kurzsichtige, menschliche Verstand wird entscheiden. entweder keine nj/'T oder keine mvm, entweder keine göttliche Allwissenheit oder kein freier Wille der Menschen. Maimonides löst diesen Knoten nicht; er zerhaut ihn. Er sagt, wir können uns das nicht erklären, da wir keine Kunde von der Art und Weise des göttlichen Wissens haben, »notpno xb ’3 D3\-!i3trno, denn Gottes Denken ist anders als menschliches Denken. Rabbi Abraham ben David (n"3xi), der große Glossator des Maimonidischen Hauptwerkes, ist durch diese Antwort nicht befriedigt; er meint, wenn Maimonides keine bessere Lösung der Frage zu bieten vermochte, so hätte er sie lieber unberührt lassen sollen. Rabbi Lippmann Heller (21a ui’ msDin) wendet jedoch dagegen mit Recht ein, daß es nicht gut möglich ist, die Frage unberührt zu lassen, da sie sich jedem denkenden Menschen aufdrängt. Vielleicht gelingt es uns, unter göttlichem Beistände diese wichtige Angelegenheit dem Verständnisse ein wenig näher zu bringen. Gewiß hat Maimonides Recht, daß das göttliche Wissen ein anderes ist als das menschliche. Das göttliche Wissen ist zugleich Walten, Leitung, Lenkung, Vorsehung. Wir wollen das an einem Ausspruche der heiligen Schrift näher uachweisen. Gott spricht bei Seiner Erscheinung im Dornbüsche zu Moscheh (2. B. M C. 3, V. 17): cnpys pn 1 onsea »ey »jy nx »rvtn n*n vzriOD rtt ’nyT1 '3 'jce „Gesehen, gesehen habe Ich das Elend meines Volkes, das in Mizrajim, und ihr Geschrei habe Ich gehört vor seinen Drängern, denn Ich kenne seine Schmerzen." Nach menschlicher Auffassung sollte es umgekehrt heißen: ich kenne seine Schmerzen, denn ich habe gesehen sein Elend ^und gehört sein Wehegeschrei. Bei uns Menschen tritt das Wissen ein als Folge der sinnlichen Wahrnehmungen, des Sehens und des Hörens. All' unser Wissen wird durch die vorausgegangene sinnliche Wahrnehmung entwickelt; wenn wir nicht sehen und hören würd§«, so könnte von irgendwelchem Wissen nicht die Rede sein. Der angeführte Vers hingegen gibt als Grund und Ursache für das Sehen und Hören das Wissen an. Durch diese eigenthümliche Redewendung, die Tausenden von Lesern nicht auffällt, zeigt uns.Pas Gotteswort den Weg zur Lösung einer der merkwürdigsten Fragen, die das Menschengeschlecht bewegen. Um das nachzuweisen, müssen wir uns über die zu Grunde liegenden Begriffe ausführlich aussprechen, was im nächsten Capitel geschehen soll. (Fortsetzung folgt. Zie/rildhofs-Mgc in der isrüel. Gemeinde Düsseldorf. Mainz, 13. Februar. Der nivellirende Geist der Neuzeit will alle Schranken, die Menschen von Menschen trennen, niederreißen. Wenn wir Israeliten dieses Bestreben in politischer und socialer Beziehung freudig begrüßen, so müssen wir doch in religiöser Beziehung dagegen auf unsrer Hut sein; für die Eigent'hümlichkeiten und Besonderheiten unserer heiligen Religion haben wir seit Jahrtausenden unsäglich gelitten; sollen wir sie jetzt, wie ein werthlos gewordenes Gut hinwegwerfen? Heutzutage haben wir uns G. s. d. über Religionsverfolgungen nicht zu beklagen, wenigstens in den civilisirten Ländern nicht. Wenn sich derartige Dinge dennoch ereignen, so tragen fast immer die ' indifferenten Vorsteher und die nach deren Pfeife tanzenden Rabbinen die Schuld. Müssen die Juden einen eigenen Begräbnißplatz haben oder dürfen sie ihre Tobten auf dem allgemeinen Friedhöfe begraben? Jedes Kind kann diese Frage beantworten, jedes Kind, das im Pentateuch gelesen, wie sehr angelegen es sich unser Vater Abraham hat sein lassen, eine eigene Begräbnißstätte für seine Frau Sarah und die Angehörigen seiner Familie zu erwerben. Vergebens machen ihm die Fürsten der Chititen das Anerbieten, seinen Tobten in ihren Begräbnißstätten zu begraben; Abraham weigert sich entschieden , dieses tolerante und lieberale Anerbieten anzunehmen, er besteht daraus, daß er für seine Familie einen eigenen Begräbnißplatz erwerben muß.