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Der Israelit · 1876-02-09 · Heft 6 (9.2.1876) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 6 (9.2.1876)
Date
1876-02-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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13 L Pefth Herr Ignatz Barnay, der volle 43 Jahre als Secretär der isr. Culiusgemeinde Pesth fungirte, hat Anfangs dieses Jahres sich in den Ruhestand zurückgezogen. Die Gemeinde gibt ihm eine Jahrespension von 36oO fl. Der König von Ungarn verlieh ihm für seine Verdienste um die Pesther Cultusgcmeinde den Franz-Iosephorden. (Pest. jüd. Zeit.) Butschowih (Mähren), 27. Januar. Nachdem bereits 6 Jahre die Nabbinatsstelle in unserer Gemeinde vacant gewesen, raffte sich endlich unsere Gemeindeverwaltung vorigen Jahres auf, dieselbe zu besetzen. Es wurde nämlich Herr Dr. Abraham Löwi aus Ung.-Brod mit Acclamation zum Seelsorger unserer Gemeinde creirt. Unser Verehrtester Rabbiner, der von aufrichtiger Gottesfurcht durchdrungen, leitet wirklich unsere Gemeinde ’piro Ty ns*vni minn mit einer besonderen rednerischen Gabe ausgerüstet verkündet er im Laufe des ganzen Jahres auf unserer Kanzel das heilige Gotteswort. und verstand er es stets die Aufmerksamkeit seines Auditoriums zu fesseln. Er munterte cte^ unsere Gemeinde mit seiner vortrefflichen Rednergabe auf, daß dieselbe eine hebräische Schule ins Leben rufe, und seine Worte fanden Eingang in die Herzen Aller. Und so erfreuen wir uns hier einer heb'äifchen Schule unter der kräftigen Leitung unseres Herrn Rabbiners, die wirklich sich segensreich entfaltet, daß wir unser öffentliches Lob und unsere Anerkennung zollen müssen für den Erfolg, den unser Rabbiner bei feiner Antrittsrede uns zurief: 'n pkt H Es verdient auch noch erwähnt zu werden, daß derselbe allsabbatlich vordem Minchagebet einen yi’p bestehend in Homelitek, Midrasch und Exegese, in seiner Wohnung abhält, dem wirklich D’WPcnwK v'vbL'i beiwohnen. Unsere Gemeinde fand dahier einen würdigen Nachfolger unserer berühmten Seelsorger, Hrn. Rabbiner B. Löwenftein, der von hier nach Lemberg berufen und des Hrn. Dr. Lippschitz . der sich im orthodoxen Judenthume viele Verdienste erworben, und war daher unsere Gemeinde vom innern Stolze beseelt, sich rühmen zu können, daß jene Herren Matadoren in unserer Mitte gewirkt und unsere Kanzel betraten. Algerien. Die „Revue des deux mondes“ brachte einen längeren Aufsatz aus der Feder Ch. Rouffel, „über die Naturalisation der algerischen Juden und Muselmänner", dem wir Folgendes entnehmen: „Die Christen sind in den vom Koran regierten Ländern geduldet worden, ungeachtet des Fanatismus ihrer Bewohner, weil die christlichen Nationen im F>'.lle der Verfolgung ihrer Glaubensgenossen zur Hilfe kommen können; aber damit diese Handvoll Ungläubiger schwach, ohne Waffen, ohne Verteidiger von außen, leicht zu vernichten, in Algerien bestehen konnte, bedurfte es einer zwingenden Nothwendigkeit. In der That mußten die Muselmänner mit den Juden rechnen, weil sie ihre Dienste nicht entbehren konnten. Wie anderseits die Juden ohne die Araber nickt auskvmmen würden , so hängen die Einen an den Andern durch die Bande der Interessen, die solider sind als die der Sympathie. Die Juden sind die Agenten des universellen Tauschhandels. Es liegt in ihrer Bestimmung als Vermittler zwischen den Völkern zu dienen, sie trieben seit unvordenklichen Zeiten den ganzen Kleinhandel in Nordafrika. Durch ihre Geschicklichkeit in Handelsoperationen — früher die einzige ihrer Thätigkeit geöffnete Carriere, denn bis zu unserer Ankunft lebten sie in besondere Viertel eingepfercht, mit dem Verbot Immobilien außer dem Rayon ihrer Wohnorte zu besitzen — hatten sie das mobile Vermögen in ihren Händen concentrirt. Wegen dieser Reichthümer wurden sie öfter von den türkischen Negierungsbeamten gebrandfchatzt; aber diese wußten auch ihre Geschicklichkeit zu benutzen und die Beys, namentlich in Oran, wählten gewöhnlich ihren Schatzmeister aus den Reihen der Juden Oft sind diese hoch Gestellten ihren unterdrückten Brüdern zu Hilfe gekommen und die Ortslegenden rufen öfter als einmal die Geschichte von Joseph ins Gedächtniß. — Es war für uns ein Glück, beim Betreten des algerischen Bodens, diese Bevölkerung vorzufinden, welche die Vortheile, die ihnen aus unsrer Herrschaft erwachsen würden, wohlerwägend mit allem Eifer uns zu dienen strebte. Sie lieferte uns sogleich Lieferanten für unsere Regimenter, Führer, Dollmetscher und zuweilen Unterhändler für unsere Generäle. Der Name Lasry z. B. ist unzertrennlich von unseren militärischen Annalen der Provinz Oran. Sie gewannen bei der französischen Eroberung ihre Gleichstellung, Gleichheit vor dem Gesetze, Sicherheit und demnach ein Wachsthum an Reichthum und Ansehen. Dadurch waren sie im Stande, den Arabern noch mehr Dienste zu leisten, als vordem, die unser Sieg notorisch arm gemacht hat, anstatt ihr Schicksal zu verbessern. Die Beziehungen dieser beiden Racen haben sich in Folge der Ausdehnung ihrer Berührungspunkte unter unserer Herrschaft gemildert und fester geschlossen. (Isr. Wochschr.)

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