Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1876)
- Date
- 1876-02-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XYII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 6 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. O Crailsheim. Das Judenthum hat noch zu allen Zeiten Männer hervorgebracht, die sowohl auf dem Gebiete der Kunst als auch der Wissenschaft eine hervorragende Rolle gespielt haben und noch spielen. Nachstehende Zeilen haben den Zweck, den geehrten Lesern dieses Blattes das Leben und Wirken eines Mannes zu schildern, der zu den Hervorragendsten unserer Glaubensbrüder gehört und wohl werth ist, daß man auch in weiteren Kreisen seiner mit Verehrung gedenkt. Am 16. Januar waren es drei Jahre, daß Seine Majestät der König von Württemberg, das Oberamts-Physikat Crailsheim dem Herrn Dr. Eichberg dahier übertragen hat. Mit dieser Ernennung des ersten jüdischen Oberamt s- Arztes wurde ein eingefleischtes Vorurtheil gegen unsere Glaubensgenossen für immer zu Grabe getragen. Vrelleicht wäre dies nicht der Fall gewesen, wenn es sich nicht um einen Mann gehandelt hätte, der mit seinen vorzüglichen Prüfungszeugnissen und bedeutenden practijchen Erfolgen im Berufe, seine Concurrenten weit überflügelt hätte. — Wir erinnern uns noch jener Mittheilung in diesen geschätzten Blättern und gedenken mit Vergnügen des großen Jubels, welchen dieselbe unter allen unseren Glaubensgenossen hervorrief. Herr Oberamts-Arzt Dr. Eichberg ist aber trotz seiner neuen Stellung der bescheidene, anspruchslose Mann geblieben wie vorher und mit unermüdlicher Treue und Sorgfalt wartet er seines erhabenen Berufes und widmet seine ganze Kraft dem Dienste der leidenden Menschheit ohne jeden konfessionellen Unterschied. Es wird wenige Aerzte geben, die ein solche unbegrenztes Vertrauen besitzen und eine solche kolossale Praxis haben wie Herr Oberamts-Arzt Dr. Eichberg; es wird aber auch nicht leicht einem Arzt von Bekennern anderer Confessionen solche hohe Verehrung und Liebe entgegengebracht wie diesem in des Wortes weitgehendstem Sinne ausgezeichnetem Herrn. Fragen wir nun nach dem Grunde, in dem dieses Vertrauen, diese Liebe und Verehrung des Publikums wurzelt. Ist es etwa eine besondere einschmeichelnde Redegabe oder ein Prahlen mit glücklich bewiesenen Churen? O nein, lieber Leser, der Herr Oberamts-Arzt ist am Krankenbette wie im beruflichen Verkehr überhaupt nichts weniger als gesprächig, im Gegentheil sehr einsilbig und spricht nur, was zur Sache nothwendig gehört. Ich will dem verehrten Leser das Gehet >niß nicht länger vorenthalten. Er ist in erster Linie die vertrauenerweckende Erscheinung dieses Arztes, der mit scharfer Beobachtungsgabe die Diagnose stellt, ferner das Bewußtsein, einen Mann der Wissenschaft vor sich zu haben, der mit den neuesten Erscheinungen uud Erfahrungen auf dem Gebiete der Medizin und Chirurgie und was noch dazu gehört stets auf dem Laufenden ist und nicht hinter dem Bierglase seine Studien fortsetzt, so dann einen Mann zum Arzte zu haben, dem man nicht eine Anzahl Boten schicken muß, bis es ihm zu kommen beliebt, oder bls er sich von einer heiteren Gesellschaft trennen kann. Wenn Gefahr vorhanden, ist es nicht nöthig zu bitten, bald wieder zu kommen, denn diesem Manne ist an jedem Patienten gleichviel gelegen, bei ihm spielt der Mammon durchaus keine Rolle. Wie viele Arme erhalten von ihm unentgeltliche Behandlung, wo mancher anderer Arzt sich bezahlen ließe, ja er reicht vielen aus eigenen Mitteln noch nebenbei Unterstützung. Der Arme wird mit derselben Aufmerksamkeit behandelt wie der Reiche und darf ihn ohne Scheu zu jeder Stunde der Nacht herbeiholen, er ist ihm stets willkommen und wird freundlich ausgenommen. Im geselligen Verkehr lernen wir in Herrn Dr. Eichberg einen liebenswürdigen Gesellschafter kennen, aber auch einen Mann von tadellosem, unantastbarem Charakter, der ihm die Herzen im Fluge erobert. Da der Beruf diesen Mann mit voller Kraft in Anspruch nimmt, so ist er ein seltener Besucher des Gotteshauses geworden, wenn aber irgend thunlich. versäumt er es nicht, für seinen seligen Vater vll njns"** mv -n'n'o das Kaddischgebet zu verrichten und steht dann mit einer Andacht in der Synagoge, wie es sich von einem so ausgezeichneten Manne nicht anders erwarten läßt. Handelt es sich um irgend etwas Wohlthätiges in unserer Gemeinde, so ist Herr Dr. Eichberg stets betheiligt. Einen herumziehenden isr. Armen läßt weder er, noch seine Gemahlin das hier für dieselben eingeführte Kostbillet in der Garküche verabreichen, an den Familientisch muß sich der Arme setzen und mitessen. Wir sehen, daß das