Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1876)
- Date
- 1876-01-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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79 England. London Man fand neulich, heißt es in der letzten Nummer des „Polybiblion", in den Archiven der Westminsterabtei eine Sammlung von Documenten, die auf die Geschichte der Juden in England Bezug haben. Es sind dies größtentheils Contracte und Obligationen zwischen den reichen Darleihern und den armen Herren dieser Zeit. Morr findet hier, schreibt obengenanntes Blatt, Beweise von den großen Reichthümern Israels, welche die Ursache geworden, daß die Israeliten im Jahre 1290 aus England vertrieben worden. - Warum sagt man nicht, daß die englische Regierung die Juden gerade ihres Reichthums halber, den sie ins Land brachten, angezogen und dieselben, um sie ihres Vermögens zu berauben, später ausgetrieben? (Arch. isr.) Feuilleton. Kilder aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) Budweiser blickte traurig vor sich hin; plötzlich zuckte er auf. ..Weiß Euer Sohn davon . . . daß . . . Ihr den Schiduch abgehen lassen wollt?" und als Rakonitz schwieg, fuhr er fort, „Ihr könnt nit ja sagen und habt nicht den Muth, nein zu sagen . . . hört mich also an. Ich weiß, Euer Sohn hat meine Tochter lieb, sehr, sehr lieb — und hört Ihr, Reb David, mein Kind hat Euern Sohn auch sehr, sehr lieb." Budweijer's Lippen zuckten und er versuchte es vergeblich, die Thränen niederzukämpfen, die siegreich in seine biedern, treuen Augen drangen. „Wie es bei Euch war, weiß ich nicht, —aber ich, ich Hab'mein Weib, meine Bele, gerne gehabt, ich kann Euch's gar nicht sagen, Reb David, wie — und ich Hab' auch lange, lange Jahre warten müssen, — und Hab' es nie bereut! . . . Ich will Euern Sohn nit. gegen Euch aufhetzen, wenn Ihr nit wollt, muß der Schiduch äbgehen; — aber, Reb David — Ihr thut eine schwere Awere'), sie ist nicht nitten limchol^) — Ihr macht Euer Ktnd, mein Kind , .-mich und mein Weib unglücklich . . . und . . . Euch .... Euch! . . . wird's reuen, wenn es zu spät sein wird. ' Einer, der klüger ist als wir beide — Melech I Schlomo — hat gesagt; Asso kamowes ahawo!3 4 5 6)! Er hat gesagt: Majim rabbim lo juchlo lechabos > es hoahawo!^) ... ich Hab' ausgeredt .... Ich j will Alles auf bieten, für unsere Kinder eine i Nummer zu verschaffen und hoffe, Gott wird helfen .. . aber das sag' ich Euch, versprechen, auf eine gewisse, bestimmte Zeit versprechen kann ich Euch nichts! — Gott behüte davor — ab eres kann auch noch zwei Jahre dauern . . . . bedenkt's, überlegt's . . . und gebt mir Antwort . . . ist es Euch recht, daß Euer Sohu — wenn es nicht anders geht — noch zwei Jahre wartet?" Budweiser blickte gespannt in das Gesicht des Andern, dieser kämpfte einen kurzen Kampf, dann sprach er, sich wieder selbst in den Zorn hineinredend : „Nein, Reb Mosche! das is mir nit recht — gar nit recht! in zwei Jahren lieg'ich vielleicht . . . schon ein Jahr unter der Erd'! . . . ich will's noch erleben, mein jüngst Kind unter der Chuppe zu führen. — Seid mir's mochel, Jeder is sich selbst der Nächste — der Schiduch muß zurückgehen . . . in fünfthalb Jahr' is Zeit genug gewesen, sich um e Familie umzusehen! Budweiser zuckte die Achsel. „Ich kann Euch nicht zwingen, thut was Ihr für recht haltet!" Rakonitz erhob sich und reichte dem Hausherrn die Hand, was dieser nicht zu bemerken schien. „Also nix für ü&el! ' meinte jener endlich, die vergeblich ansgestreckte Hand zurückziehend. „Seid mochel!0)" Nachdem Rakonitz weggegangen, schloß Budweiser sorgsam die Thüre — schlag die Hände vor's Gesicht und . . . weinte bitterlich! Budweiser, der schlichte Mann mit der starken Seele, besaß die Selbstbeherrschung, eine ganze Woche lang den Besuch Nakonitzers und den Zweck desselben seiner Frau und Tochter zu verschweigen. Der edle Mensch wollte so lange als möglich den beiden den Schmerz ersparen. Vielleicht hoffte er auch, Rakonitzer würde sein Unrecht einsehen und reuig zurückkehren. Erst acht Tage später, als das Benehmen des alten Rakonitz zu auffallend geworden war, theilte Budweiser den beiden Frauen so schonend als dies eben möglich Urtft, TnYi, t;ü% Vit ^VritS. SDhritL mit Ester gelöst hatte. (Fortsetzung f.) 1) Sünde. 2) kann nie verziehen werden. 3) König Salomon. 4) Mächtiger als der Tod ist die Liebe. 5) Die mächtigsten Gewässer vermögen der Liebe heiße Gluth nicht zu löschen. 6) „Berzeiht;" beim Abschied, etwa so viel als : GehtinitGott!