Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1876)
- Date
- 1876-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 Kaum war diese Mittheilung zu Ende, als von einem Seitentische plötzlich ein Mann mit großem Freudengeschrei sich erhob, auf den Erzähler sich stürzte und ihn heftig umarmte, unaufhörlich ausrufend: „Mein Lebensretter! Mein Lebensretter!" Es trat eine tiefe, aber freudige Stille ein. Der Retter und der Gerettete haben sich nach so langer Zeit wieder erkannt. Der Retter, ein Jude aus Galizien, der unter Böhm in Ungarn gekämpft, lebt gegenwärtig als reicher Ochsenhändler in Preußisch-Schlesien. Der Gerettete ist Beamter im ungarischen Honved-Ministerium. Der Jude bat um die Adresse seines Freundes, um ihm nach seiner Heimkehr das versiegelte Packet schicken zu können. „Hier haben Sie meine Karte", sagte der Beamte, „damit Sie meine Adresse kennen. Ich hoffe, mich mit Ihnen hier noch öfter unterhalten zu können. Was jedoch das Packet betrifft, so behalten Sie es zum Andenken an meine Lebensrettung. Das Packet war damals 10,00«) Gulden werth, jetzt würden wir beide dafür nichts bekommen; es enthält 10 Stück Kosshut-Noten zu 1000 Gulden. Sie sind ein ehrlicher Mann. Hätten Sie damals das Packet geöffnet, da würden «Sie das Geld ausgegeben haben. Macht jedoch nichts. „Ehrlichkeit ist mehr werth, als alles Geld!" Alle Offiziere drückten dem Juden sehr freundlich die Hand. Die Gesellschaft wurde immer lustiger nnd lustiger, und die polnischen Vorsänger hatten schon längst keinen so einträglichen Abend wie diesen. ' (Pesth. jüd. Zeit.) Szerdahely. Schon wieder haben wir einen herben Verlust erlitten, und wieder wurde ein rüstiger Käntpfer für unsere hl. Lehre vom Schauplatz seiner Thätigkeit ins bessere Jenseits abberufen. Herr Michael Hoffmann, allgemein unter dem Namen Michael Papa bekannt, ist am Sabbath m&y ">i 'c gestorben. Herr H., ein großer Talmudist, zählte Hunderte von jungen Leuten zu seinen Schülern, die bei ihm Talmud studirten und denen er durch seine echte Frömmigkeit ein voranleuchtendes Beispiel gewesen. Bei seinem Leichenbegängnisse, an dem sich eine unübersehbare Menschenmenge betheiligte, wurden mehrere Trauerreden. sowohl im Hause des Verstorbenen als auch auf dem Begräbnißplatze gehalten. Frankreich. Paris Bei Gelegenheit der Todesfeier der berühmten Schauspielerin Virginie Däjazet, die Samstag den 4. December stattfand, schrieben die Zeitungen, daß wenn der Erzbischof von Paris die Erlaubniß ertheilen werde, würde Fräulein Bloch (von der Oper) die Arie von Stradella und das Duett von Stabat singen. Der Erzbischof hatte gewiß Bedenken gehabt, einer Jüdin zu erlauben, bei der Feier einer kath. Messe mitzuwirken, aber die Jüdin machte sich keine Scrupel darüber und sang doch aus Rossini Agnus Dei. Die Jüdin hat nicht gefühlt, wie unpassend und sogar lächerlich es für'sie ist, am Samstag in der Trinitätskirche in einer Todten- Fcier zu singen. Sie ist auch nicht dem guten Beispiele der isr. Künstler in Dresden und Verona gefolgt, die sich lieber einer bedeutenden Geldstrafe aussetzten, als ihren Cultus zu beleidigen. (litt, isr.) Paris, 20. Dec. Herr Dupanloup, Bischof von Orleans, gilt für den gelehrtesten Geistlichen Frankreichs; trotzdem scheint derselbe nicht ganz bibelfest zu sein, da er — bei Gelegenheit seiner Wahl zum Senator — in einem im „Fran^ais" veröffentlichten Briefe sich beklagt, wieder in das politische Treiben eintreten zu müssen und so „am Abend seines Lebens, wie Daniel, wieder in den Schmelzofen von Babylon geworfen zu sein." Bekanntlich wurde aber Daniel nicht in den Schmelzofen geworfen, sondern in die Löwengrube; mit dem Schmelzofen von Babylon mußten Chananja, Mischael und Asarja Bekanntschaft machen. Paris. Seit zwei oder drei Jahren hat sich in Paris eine Gesellschaft gebildet, die am Ende des Jahres, gegen das Weihnachtsfest, zu Gunsten von Waisenkindern der Elsaß-Lothringer eine Weihnachtsbaumvertheilung veranstaltet. Obgleich die Feier mit dem Weihnachtsbaum ein rein christlicher Gebrauch und dem isr. Glauben ganz und gar fremd, ja sogar entgegen ist, stehen nichtsdestoweniger viele isr. Damen an der Spitze des Vereins und bilden ein Drittel des Comitä's; so ist Frau Crömieux Vicepräsidentin und die Frauen Dalsace, Germain Goudchaux, Alfred Heymann, Levi Alvares, Ad. Säe, Marc Säe, Träves sind Mitglieder des Vereins. Commentar unnöthig. (Arch. i-r.) Paris. Der Municipalrath von Paris hat für die Vergrößerung der isr. Sckulgebäude in der Straße des Tournelles einen Credit bis zu 106000 Fr. gewährt. (Arch. isr) Paris. Zu der für das zweite Semester pro 1875 stattgehabten Prüfung für Lehrerinnen hatten sich 39 isr. Mädchen gemeldet, und alle