Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1875)
- Date
- 1875-12-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XVI. Jahrgang. Zweite Lrilage zu tlr. 52 des Israelit. AeieungSnacbrichten und Correfporrdenzen. Deutschland. Baden. Der neue Gesetzentwurf über den Elementarunterricht bestimmt, daß der Unterricht rn der Volksschule den Kindern aller Religionsbekenntnisse, mit Ausnahme des Religionsunterrichts, gemernschaftlich ertheilt werden soll. Die örtliche Aufsicht über die Volksschulen, sowie die Verwaltung des örtlichen Schulvermögens wird durch den Gemeinderath unter Zuzug eines Ortspfarrers von jeder Confession und des ersten Lehrers jeder Confesston geführt. An Schulen, wo sich nur Kinder emes Bekenntnisses befinden, sollen nur Lehrer oreser Confession angestellt werden; gehören die Schulkinder verschiedenen Bekenntnissen an, ist aber nur ein Lehrer für die Schule erforderlich, so ist dieser aus dem Bekenntnisse der Mehrzahl der 7 p/Hat zut »KsuWMr'orWtäkischen ._ dem Mrsien BiZinarck unter breitet, der interessant genug ist. um seiner auch hier Erwähnung zu thun. Nach demselben soll von dem „stolzen Türkenreich, dem die verfaulenden Glieder bei lebendigem Leibe abfalle»", Konstantinopel, Rumelien und Bulgarien an den Hohenzoller in Rumänien, Serbien, Bosnien und Herzegowina an einen österreichischen Erzherzog kommen. Rußland soll Kleinasien, England Egypten, Frankreich Tunis, Italien Tripolis, Deutschland aber Syrien und Palästina erhalten. „Und wenn dann," so heißt es wörtlich in dem originellen Vorschläge, „auf einem europäischen Friedenscongreß beschlossen würde- Sämmtliche Juden aus Deutschland, Rußland, Polen, Oesterreich und der ganzen Welt werden wieder in das Land ihrer Väter dirigirt und die jüdischen, Religion und Sitte verhöhnenden Zeitungsschreiber werden in einer großen Straf- Coloni'e am iodten Meere „internirt" — dann, nun ja, warum sollte dann nicht noch Alles gut werden können?!" Frankreich. Bordeaux. Die Geschichte der israel. Gemeinde zu Bordeaux, welche bis zutch 16. Jahrhundert zurückgeht, verdient einen besonderen Platz rn der Geschichte des franz. Judenthums wegen der wichtigen Rolle, welche diese Hauptstadt von Guyenne immer gespielt hat, wegen der Nachbarschaft der iberischen Halbinsel, welche in so eclatanten Zügen das Glück und Unglück der Juden gesehen und endlich wegen der Verdienste, welche die Niederlassung der Juden in Bordeaux vor der Revolution der Emancipationsfrage geleistet. Diese edle Kehilla verdient es, Geschichtschreiber zu haben und hat sie auch gefunden, wenn auch nicht in Männern unseres Glaubens. Beausteury hat vom Jahre 1800 an den Weg geöffnet; d'Etcheverry ist ihm im Jahre 1858 gefolgt. ™ tÄn Thevphile Malvezin. welcher neulich „eine Geschichte derJuden zu Bordeaux" veröffentlichte, hat in den Archiven des Departements eine gewisse Anzahl noch nicht edirter Dokumente gefunden, welche seinen Vorgängern entgangen' waren. Ihm verdankt man den Text eines berühmten Privilegiums, welches der König Heinrich 11., den Juden in Bordeaux gewährte. — Die Juden von Bordeaux stammen meistens von den Mar an neu _ ©Ijtifllii) «fc, V. s. 0.1... v: r . — runterworfen hatten, um ihr Leben zu retten, welche aber im Geheimen den jüdischen Glauben und die hauptsächlichsten jüdischen Gebräuche beobachteten. Die Berühmtesten unter denselben war dre Familie Govea (Guvea oder Gobea). Zwei gelehrte Brüder, geboren zu Beja (Portugal) und welche als Neu-Christen von allen Aemiern ausgeschlossen waren, zogen ums Jahr 1500 nach Paris. Der Eine von ihnen, Jakob Govea wurde Regens am Gymnasium St. Barbare in Paris; der andere hatte vier Söhne, welche sich in de« Wissenschaften auszeichneten: Martial, Jacques, Andrä und Antoine wurden in ihren Studien von ihrem Onkel geleitet und beaufsichtigt. Der Aeltere der vier Brüder wurde Professor zu Paris, Poitiers und später zu Coimbra in Portugal. Der Dritte, Andre, wurde in Bordeaux zum Rector der Universität von Guyenne ernannt (1534). Der Historiker de Thou und der große Schriftsteller Michel Montaigne sprechen sein Lob aus; was ihm zum höchsten Ruhme gereicht, i* daß er den berühmtesten Philologen Scaliger Schüler gehabt hat. Der Jüngste der Go/aer. Antoine, wird von Thou als Poet, Philo/A und Rechtsgelehrter gerühmt. Diese zwei <sereyr