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Der Israelit · 1875-12-22 · Heft 51 (22.12.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 51 (22.12.1875)
Date
1875-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1135 mich Tag und Nacht .... er heftete sich an die Ferse meines Geistes .... ich konnte ihn nicht loS werden. — so oft ich ihn wegstieß .... kam er wieder .... stets in sormenvoller Gestatt, kräftiger.... er hätte mich gewiß wahnsinnig gemacht, wenn ein tückischer böser Zufall mir es nicht möglich gemacht hätte .... ihn auszuführen! gönnt mir einen Moment Athem zu holen . . . . Ihr sollt sogleich erfahren, in welcher Art. . . Die Spannung der vier Männer, welche diese eigentümliche Mittheilungen entgegennahmen, war auf den höchsten Grad gestiegen; in lautloser Erwartung blickten sie in Zöllners Gesicht, der nach kurzem Stillschweigen wieder fortfuhr: „Es war ein warmer Sommertag, der dritte August. Sie, Herr von Eberstein, waren in wichtigen Geschäftsangelegenheiten nach Wien gereist, Ihr Bruder Carl war in Frankfurt, um bei der Hochzeit der jüngsten Baroneß Winterburg, der Schwägerin Ihres verstorbenen Bruders Josef, das HäuS Ebers zu vertreten. Sie Franke, waren in Baiern, um die verwickelten Angelegenheiten eines, unserem Hause befreundeten, auch dort begüterten Cavaliers, in seinem Interesse bestens zu ordnen, und so war ich der Einzige zu Hause, den der alte Herr mit seinem Vertrauen beehrte." Mittags, nachdem Alle das Cömptoir verlassen , rief er mich in sein Cabinet. „Entlassen Sie die Leute im Comptoir heute etwas früher," sprach er, „und kommen Sie nach Postabgang herüber. Sie müssen mir gefälligst bei einer Arbeit behilflich sein .... ich fange an alt zu werden .... das letztemal noch, vor einem halben Jahre konnte ich es allein bewältigen, heute fühle ich mich zu schwach dazu." — Um sieben Uhr trat ich in sein Privatcabinet .... ich werde dieses Abends nie vergessen, und wenn ich eine Ewigkeit leben sollte, .... der alte Herr saß in einem Lehnstule an seinem Tische .... er hieß mich niedersetzen, öffnete mit einer gewissen Feierlichkeit den eisernen, feuerfesten Schrank, in dem er sein Privatvermogen aufbewahrte und legte ein großes Packet auf den Tisch vor uns hin. „Eigentümlich!" sprach der alte Herr, „ich habe über diesen Reservefond bisher sogar meinen Söhnen und Franke gegenüber, Stillschweigen beobachtet — und nun sind Sie, der Jüngste" — in Gedanken mochte er wohl hinzufügen, der mir entferntest Stehende, „der Erste, dem ich darüber Mittheilungen mache;" aber, fügte Jonas Ebers hinzu, die Bestimmung und die Höhe desselben, wird ja nicht mehr lange ein Geheimniß bleiben .... nach meinem Tode muß es ja bekannt werden .... und dieser wird, ich fühle es, nicht lange mehr auf sich warten. Ich empfinde seit einigen Zeit, namentlich seit den letzten zwei, drei Tagen, eine Mattigkeit, Müdigkeit .... ich habe das Alter erreicht, in dem mein Bater starb,.ich glaube, ich werde jetzt auch bald eingehen in eine schönere Welt .... ich war jeden Augenblick meines Lebens auf diese» Moment vorbereitet .... aber sagen Sie Niemandem etwas davon, nicht meinen Söhnen bei ihrer Zurückkunft, nicht Franke, ich kann mich vielleicht über meinen Zustand getäuscht haben, und möchte nicht unnöthig einem Menschen, am wenigsten meinen nächsten Liebsten, eine trübe Minute bereiten. „Ihnen selbst, Zöllner," fügte unser würdiger Chef mit einem leisen Lächeln hinzu, „wird es, wie ich glaube, zwar recht leid thun, wenn Ihr alter Principal mit dem Tode abgehen wird, — aber Sie sind der Jüngste in diesem Kreise, sind nicht mein Sohn, nicht so lange, wie Franke in meinem Hause, sind ein leichtlebiger, junger Mann .... ich sage es, es wird Ihnen wohl leid sein .... aber zu trösten werden Sie sich wissen!" .... Ich wollte etwas darauf erwidern, aber der alte Herr sagte, mit der Hand eine abwehrende Bewegung machend: Lassen wir alle «nnöthige Sentimentalität und gehen wir zum Geschäfte über. ES sind von diesen Staatspapieren die Coupons zu detachiren, es sind wohl große Stücke, es sind aber doch viele, und es ist eine große Arbeit." „Ich sah, daß Herr Jonas Eberstein schon versucht hatte, einige Coupons abzuschneiden; aber es mochte ihn zu sehr angestrengt haben; und er begnügte sich auch jetzt nur damit, mir nur die Obligationen hinzureichen, und die detachirten Coupons zu ordnen. „Hier." Der alte Herr deutete auf eine Schrift, „steht die Geschichte des geheimen Fondes," der Euch Leuten im Comptoir viel zu denken und zu sprechen gab, denn daß ein Reservefond meines Hauses unter meinem eigenen Verschlüsse und meiner eigenen Verwaltung besteht, wußte man." Zöllner unterbrach sich, er strich sich mehrmals mit der Hand über die Stirne, als versuchte er in dem krausen Gedankentanze, der in seinem Kopfe wirbelte, Ordnung zu schaffen. „Sie kennen die Geschichte desselben nicht?" frug er, „freilich". Zöllner schüttelte nachdenklich den Kopf, ich habe das Papier verbrannt .... und da Jonas Ebers glaubte, dieses würde sprechen, brauchte er in seiner Todesstunde nichts darüber zu erwähnen; wie könnten Sie also etwas darüber wissen? also .... dieser Reservefond war auf folgende Weise entstanden: Vor langen Jahren hatte Jonas Ebers einen Lotteriegewinu von einer viertel Million gemacht." Da dieses

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