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Der Israelit · 1875-12-22 · Heft 51 (22.12.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 51 (22.12.1875)
Date
1875-12-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1130 ich (Israel) meinem Freunde (Gott) angehören, dann ist nach mir Seine Sehnsucht. So war es zur Zeit der Hasmonäer. Als MathatiaS den Götzenaltar umstürzte und seine Söhne und Brüder zur Verteidigung der werthvollsten Schätze Israels rief, da war der Sieg schon nicht mehr fern. So ist es auch heute. Wenn es Männer und Frauen in Israel gibt, die sprechen: Wir gehören ganz unserm Gotte an, wir wollen Ihm dienen mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all' unserm Vermögen, wir wollen die Seinen bleiben wie es unsere Väter und Mütter gewesen, wollen uns nicht verlocken lasten durch verführerische Phrasen, die gleich Seifenblasen glanzen und zerplatzen, wollen festhalten an der unverfälschten Lehre unseres Gottes und an Seinem unverkürzten Gesetze — wenn solche Männer und Frauen sich die Gelegenheit schaffen, dem Religionsgcsetze gemäß zu leben im Hause wie in der Synagoge, so bewährt auch Gott Seine Liebe und Seine Treue, die Er unfern Voreltern zugeschworen. So war es zur Zeit der Hasmonäer, so ist es heute. Wohin war der Glanz des Heiligthums gekommen, der den von Esra und Nechemsa erbauten Tempel geschmückt hatte? Unter dem milden Scepter der persischen Könige sowohl als auch unter der wohlwollenden Oberherrschaft der Ptolemäer hatte sich großer Neichthum im Gotteshause angesammelt. Im Vorhofe des heiligen Tempels standen goldene Baume mit goldenen Aeften, goldenen Zweigen, goldenen Früchten und Blüthen; die Truhen waren gefüllt mit den kostbarsten Diamanten und Perlen. All' das war der Raubsucht des Syrers anheimgefallen, und als die Hasmonäer den halbzerstörten Tempel wieder herrichteten, da mußten sie den siebenarmigen Leuchter aus Holz machen; so arm waren sie; aber der Allmächtige half und gab ihnen nach und nach Alles wieder, was sie verloren hatten. Auch in unserer Zeit sind die Gesetzestreuen gezwungen, die prächtigen Synagogen, die durch Dt* gelklang und Weibersang entweihet werden, zu verlassen und mit geringen Mitteln sich neue Andachtsstätten, die oft ärmlich genug aussehen, zu schaffen. Aber der Allgütige hilft; Er sendet ersichtlich Gedeihen; Er läßt uns wiederum die Wunder der alten Zeit erleben. Wenn ich meinem Gotte angehören will, so ist Seine Liebe, Seine Hilfe, Seine Rettung mir gewiß. Literarischer Pericht. Tragische Könige. Epische Gesänge von Ludwig August Frankl. Wien, bei Hölder. Der berühmte Dichter. Herr vr. L. A. Frank l, Gründer der einzigen isr. Blinden - Anstalt (auf der hohen Warte bei Wien) hat nach langem Stillschweigen die poetische Literatur um das vorliegende Werk bereichert. Tragische Könige! Der Dichter hat sich solche Helden gewählt, die von allen Erdensöhnen am Meisten zum Glücke berufen scheinen und deren trauriges Geschick deßhalb um so ergreifender wirkt. Ein König, ein Herrscher, im Besitze der höchsten Macht, überschwenglichen Reichthums, der höchsten Ehre, unsterblichen'Ruhmes, und dennoch oder vielleicht gar deßhalb unglücklich! Der Leser wird erkennen , daß hier echt poetische Stoffe behandelt werden. Doch gefällt uns der Name des Buches nicht: die Könige sind doch nicht tragisch, sondern ihr Geschick. Was heißt ein tragischer König? Wörtlich hieße es ein bockiger König, denn 6 %guyog heißt: der Bock. Wie der Begriff sich derart entwickelt hat, daß Tragödie ein Trauerspiel genannt wird , darüber sind ' die Gelehrten verschiedener Meinung; aber selbst wenn wir „tragisch" in der allgemein angenommenen, übertragenen Bedeutung nehmen, in der Bedeutung „traurig", so hat der Dichter doch nicht „traurige Könige", sondern solche, deren Schicksale „tragisch" waren, besingen wollen. Herr vr. L. A. Frankl gehört seit 44 Jahren — sein erstes Werk ist anno 32 erschienen — der Literatur an; er ist einer von den Wenigen, welche von der sogenannten österreichischen Dichlerschule noch übrig geblieben; wir begrüßen daher dieses späte Werk mit besonderer Freude und wünschen dem Dichter, daß er noch lange rüstig weiter schaffe — als Wohlthäter der Menschheit und seines Volkes, als Vorsteher seines so segensreich wirkenden BlindeninstitutS, und, unsertwegen auch als Dichter, doch sollte er dabei auf biblische oder jüdische Stoffe verzichten. Der König Salomo, der uns hier in epischen Klängen vorgeführt wird, ist weder biblisch noch talmudisch, das „Hohe Lied" ist von Herrn Frankl durchaus mißverstanden; es ist daraus eine Carricatur gemacht worden, die jedes jüdisch fühlende Herz verletzen, jeden jüdisch denkenden Geist beleidigen muß. Zudem haben wir ja auch den talmudischen Ausspruch: njno wk »m nubv 'v bv

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